Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 40-41 (23.5.1901)
- Date
- 1901-05-23
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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909 selber im glühenden Sonnenbrände auf dem Erntefelde die Aehren auflesen, welche mitleidige Schnitter nach dem alten Gesetze den Besitzlosen überließen. Mit ihrer eigenen mühseligen Arbeit suchte sie jetzt, ärmer, als die geringste Magd, "prncsr nnxr rrnx xS D'iix: für die altersschwache Noomi den kargen Unterhalt zu erwerben. Wie vielen Kränkungen war sie dabei ausgesetzt! Was mußte sie bei den rohen Späffen der Knechte, bei dem verletzenden Spotte der Mädchen empfinden. Und all' den Hohn und alle Schmähung trug sie gern und alle Mühsal und alle Entsagung nahm sie freudig auf sich — für Noomi. Solche Liebe mußte hienieden schon ihre Krone finden, solcher Hingabe konnte der Preis nicht vorenthalten werden. Ein edler Mann, Namens Boas, hatte von der selbstverleuanenden Treue der Moabitischen Fremden gehört und der Bericht hatte sein empfängliches Herz ihr ganz gewonnen! Und da er sie auf seinem Felde sah, wie sie in der Gluth des Tages den Schnittern nachging und hinter ihnen die herabfallenden Aehren aussammelte, ärmlich gekleidet und doch eine Königin, das Antlitz schamgerötbet, von strahlender Schönheit, die Züge mild und schmerzdurchzuckt, weil das Leid aus sie seinen Weihekuß gedrückt hatte, da fühlte er sich unwiderstehlich zu dem holden Weibe hingezogen und redete sie freundlich an: vpbd Din t»« '7D rycv xdn ■jw: anssn nx ’nrx . . . xbn . . . "inx mbd ony;n pzxtr ipxv rrtwi 2'bvTi dx rn^m nnosr. „Höre, meine Trichter, gehe nicht sammeln auf ein anderes Feld.ich werde meinen Knechten befehlen, Dich nicht anzutasten und dürstet Dich, so gehe zu den Gefäßen und trinke von dem, was schöpfen die Knechte!" Rut konnte es nicht fassen, daß der hohe Herr sich ihrer so feinfühlig und warmherzig annahm. Er aber erklärt ihr das Räthsel. Er sagt ihr, wie er von ihrem liebevollen Benehmen gegen die Noomi gehört habe, deretwegen sie die theure Heimath aufgegeben habe und zu einem fremden Volke gegangen sei. obe" “Sye tu „Der Ewige wird Dir Dein Thun vergelten," ruft Boas begeistert aus. Das war ein prophetisch Wort! Ihn selbst hatte Gott berufen, der Liebe ihren Lohn zu geben. In Boas reifte der Entschluß, die edelsinnige Fremde heimzusühren. Rut wurde sein Weib und fand an der Seite ihres wackeren Gatten ein ungetrübtes Glück. Jetzt konnte sie ihre liebe Noomi zu sich in's Haus nehmen. Wie wird ihr Herz gejubelt haben, wenn sie auf dem Schoß der geliebten Noomi ihren Kleinen spielen und an sicherfüllt sah die Wahrheit: „Wer Liebe säet, wird Liebe ernten." Noch in einem dritten Bilde beleuchtet uns .dje Erzählung den Gehalt unseres Textwortes. Da ist der hochherzige Boas wn 1122 tt”x der schwer im harten Lebenskämpfe hat ringen muffen. Unsere heiligen Lehrer bemerken, daß er nicht eben lange vor Rut's Ankunft Frau und Kinder an einer verderblichen Seuche verloren hatte. Das herbe Unglück hatte ihn aber nicht verbittert, sondern geläutert, und die edlen Züge seines Wesens um so deutlicher hervortreten lassen. Welche Weichheit und Würde liegt in seinen Worten! Wie fromm und freundlich begrüßt er die Schnitter: „Gott mit Euch!" Wie zartsinnig spricht er zu Rut, wie ermahnt er die Knechte, daß sie das fremd« Mädchen nicht kränken und beschämen . . . niv'bvri xb TD njDn xd. Und da er Rut's edle Gesinnung kennen gelernt, hat er keine Bedenken, sie zu ehelichen. Er weiß, daß nach der Satzung ihm die Pflicht zufällt, die verpfändeten Felder Elimelech's auszulösen, daß er also für die Moabitin einen Theil seiner Habe wird hingeben müssen; denn der jetzige Inhaber der Felder dürfte eine hohe Rückkaufssumme verlangen. Dennoch spricht er nicht wie jener Mann, der zwar dem Blute nach in näherer Verwandtschaft zur Noomi steht, aber der Gesinnung nach ihr durchaus fremd ist, sagt nicht wie jener Selbstling, dessen Name die Schrift verdienter Vergesienheit anheimgibt — sie nennt ihn nur '2'vbx d6e Irgendeiner — rrntpx;r> bixH teix xb *rbnj nx, „Ich mag nicht die Erlösungsehe an Rut vollziehen, weil ich sonst durch den damit verbundenen Ankauf ihrer verpfändeten Felder mein eigenes Erbe verschlechtern würde!" Indem Boas die Felder des verstorbenen Elimelech auslöste, war so dessen Name vor Aussterben geschützt und dafür gesorgt er rro' x*? rnipo •woi i’nx öjttj non „daß nicht das Andenken des Todten schwinde unter seinen Brüdern und in der Versammlung seines Volkes." So bewährt Boas mit der Liebe gegen die Lebenden auch die Treue gegen die Todten. Drum preist ihn Noom:: „Gesegnet sei der Mann vom Ewigen, der seine Liebe den Lebenden und den Todten nicht vorenthält!" Wie reich isi aber auch der Lohn, den solche Gesinnung findet. Gottes Gnade erhält ihn bis in's hohe Greisenalter, daß er noch Enkel und Urenkel schauen kann. Und wer ist sein Urenkel? David, der nachmalige Sängerkönig, aus dessen Geschlecht dereinst der Messias hervorgehen wird. So ist denn dem Boas die beste Vergeltung zu Theil geworden, die ihm überhaupt hatte werden können. An sein Haus ward die ideale Hoffnung der Erlösung harrenden Menschheit geknüpft und so erfüllt üch an ihm in unvergleichlich herrlicher Weise unser Wort: „Wer Liebe säet, wird Liebe ernten." _.“tan 'vd mp np-tafr 02b iyTT Stulhi Jjatjbirg, MH««. Neues vornehmes Pensionshaus I. Ranges unter Aufsicht Sr. Ehrwttrden Herrn Rabb. Dr. Auerbach, Halberstadt, ipt Genehmigung Sr. Ehrw. > Herrn 'LandrabbineV Dr. R ii 1 f, Braunschweig. Streng rituelles Etablissement. An Walde an sehttnst. staubfreier Lage, 46 Salons mit Balkons der Neuzeit elegant eingerichtet. Bekannt ausser gewöhnlich gute Küche. 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