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Der Israelit · 1901-05-23 · Heft 40-41 (23.5.1901) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 40-41 (23.5.1901)
Date
1901-05-23
Page
– (sequence 17)
Language
German
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42. Jahrgang. Zweite Meilage zu ^§40 Z- 41 des „Israelit". Leitender Artikel. Wer Liebe jäet wird Liebe ernten, (viiic ' iibtl -äs Vch Ruth. Von Rabbiner Dr. Max Beermann—Insterburg. Lichtumflossen ist unseres Glaubens Wiegenfest wieder erschienen. Vor der leuchtenden Gewalt der lachenden Sommersonne sind graue Nebel und schwere Wolken längst gewichen. Draußen grünt und keimt es in vollstrotzender Lebenskraft, jubelnder Sang durchtönt Wald und Wiese, alles athmet Freude, drängt zur Entfaltung. Das ist die jahreszeitliche Scenerie, die uns im Buche Ruth, der Festmegilla des Schabuothfestes umgiebt. Das Buch Ruth ist seiner Form nach eine altpalästinische Dorfgeschichte. Es führt uns in das ländliche Stillleben Kanaans. Schlicht und schön im Ausdruck, kunstvoll und sinnreich im Aufbau, befriedigt es den geläuterten Geschmack des formverständigen Beurthcilers, wie es durch die urwüchsige Frische seiner Darstellung und durch die glutvolle Innigkeit seiner Sprache selbst den einfachen, zwar ungebildeten, aber nicht verbildeten Leser unwiderstehlich mit sich sortreißt. Unsere Weisen haben selbst die rein schöngeistige Wirkung dieser biblischen Schrift dadurch noch erhöht, daß sie gerade am Gedenktage der Offenbarung, an dem wir der gewaltigen Gottesstimme vom Sinai lauschen, uns die Lesung des kleinmalerischen Ernteidylls anempfehlen: In der Ruthmegilla lustige Schnitter auf wogenden Kornfeldern, in der Tboravorlesung die Schaaren Israels, die in der Sinaiwüste der göttlichen Botschaft entgegenharren. Hier die Sorgen und Freuden einer bescheidenen Bauernsamilie, dort die weihevolle Geburtsstunde welterlösender Heilsgedanken. Hier die Vermählung zweier treuer Menschenherzen, die die Liebe zusammengeführt und dort die Vereinigung eines ganzen Volkes mit seinem himmlischen Gemahl zu einem ewigen Segensbunde für die gesammte Menschheit! Welche gewaltigen Gegensätze, welch elementare Kontraste! Hier froher Sichelklang und muntere Erntelieder, dort zucken Blitze, rollen Donner und mächtiger noch als sie, erbraust des Ewigen Rede! 'Auf der einen Seite der enge Rahmen der dörflichen Gemarkung und aus der anderen Seite der weite Plan, der von einer weisen Vorsehung geleiteten Weltgeschichte. Und doch waltet hier nicht zufälliger Zusammenllang, sondern sinnvoller Zusammenhang vor. Beide Geschichten gehören tief innerlich zusammen und ergänzen einander. Denn die Liebe, zu der das am Sinai verkündete Gesetz erziehen will, ist bereits im Ruthbuch zur That geworden. Die Liebessaat vom Horeb ill hier zur Ernte aufgegangen. Darum wollten die Männer des Talmuds, daß wir gerade am Gesetzgebungsfeste uns in die Erzählung des Ruthbuches versenkten. So bemerkt Rabbi Seira: rmb' irm rrbi tax xin mna nbi nxara nb m px n n'wa .DHon 'bv'ob mts *ias? naa "pa*?1? rnnaj „Dieses Buch enthält nicht Vorschriften über Rein und Unrein, über Erlaubt und Verboten und ivarum ward es geschrieben? Dich zu lehren, wie groß der Lohn derer sei, die Liebe üben! Und in der That, gleich in einem der ersten Verse dieser Schrift wird es deutlich, daß die Erzählung auf diesen Grundton gestimmt ist. Noomi spricht zu ihren Schwiegertöchtern: iL'xa nan aaay 'n nex rnab ntrx naatp ncjn n*nan cv asmv* „Gehet heim, kehret um, eine Jede in ihr Heimathhaus! Möge der Ewige Euch die Liebe vergelten, die Ihr den Todten und mir erwiesen habt!" In drei ergreifenden Bildern wird uns dann im weiteren Verlaufe der Geschichte gezeigt, wie Liebe hienieden schon mit Liebe lohnet. Dieser Wahrheit näher in's Antlitz zu schauen, sei Zweck und Ziel folgender Betrachtung, die wir an die Worte des Propheten Hosea knüpfen: 12" 'Od nxp npnaft 22b un „Wer Liebe säet, wird Liebe ernten." Arm an Liebe war im Allgemeinen die Zeit, auf deren Hintergrund sich unsere Geschichte abspielt. Ein Gesetzeslehrer des dritten Jahrhunderts nach der üblichen Zeitrechnung, Rabbi Acha, betont in seinen Midraschpredigten ausdrücklich, daß unter den Zeitgenossen der Rut Härte und Herzlosigkeit in bedauerlicher Weise häufig waren. Im Armen sah man nicht den Bruder, sondern einen Fremden und man vergaß, daß Gott uns aller Vater sei und wir, Seine Kinder, zu brüderlicher Anhänglichkeit untereinander verpflichtet seien, v'ma rrapn easy Selbst diejenigen, die als Richter und Lehrer dem Volke hätten leuchtende Vorbilder selbstloser Hingabe sein müssen, forderten durch ihr eigennütziges Streben oft die Rüge der wenigen wahrhaft Guten heraus, so daß die talmudischen Erläuterer unseres Berichtes ausrufen: sbb>t6 a^rist rasura* in1? rx. „Wehe dem Ge schlecht, dessen Richter gerichtet zu werden verdienten." Diese Erklärer sehen auch in der damals eingetretenen Hungersnoth und Dürre eine göttliche Strafe für die Sündhaftigkeit und Lasterhaftigkeit des Volkes und seiner Führer, pajna fßurai pws pv'n

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