Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 40-41 (23.5.1901)
- Date
- 1901-05-23
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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902 iat nicht ergeben, weinen, fluchen und lästern, um im nächsten Moment den Hinimel anzuflehen sie und ihre Säuglinge zu sich abzuberufen. Ein greiser und gottesfürchtiger Jude hat einen Selbstmordversuch gemacht. Nur derjenige, welcher weiß, wie unendlich weit der echte Jehudi sonst von Selbstmordgedanken entfernt ist, wird die ganze Tragweite dieser That zu würdigen misten. Am Schluffe seines Berichtes beklagt sich der Berichterstatter bitter über die reichen Juden, die selbst durch die bitterste Noth ihrer Glaubensgenossen aus ihrem Jndifferentismus nicht erweckt werden können. Persien. Hamadan. Durch nachstehenden Brief, den der Direktor der Allianceschule hier an das Centralkomitee gesandt, erfährt man Näheres über die Lage der Juden in Persien: Die Lage unserer Glaubensgenossen in Hamadan ist merklich verbessert worden seit 1—2 Jahren. Sie können in allen Quartieren wohnen, die Stadt verlassen, um sich in die umliegenden Dörfer zu begeben, wo sie ihre Angelegenheiten unbehindert erledigen können. Noch mehr, sie hängen nicht mehr von der Willkür der Verwaltungen ab, während es noch nicht lange her ist, daß es genügte, wenn man erklärte, man habe gehört, daß die Juden sich über die mohamedanische Religion abfällig geäußert hätten, um alsdann die Gemeinde zu einer Geldstrafte von mehreren tausend Francs zu verurtheilen. Fast alle Verfolgungen, die von den Mouchteheds gegen die Juden organisirt wurden, sind durch ähnliche Verleumdungen hervorgerufen worden. Die Verfolgungen waren am traurigsten im Jahre 1893. Nach einigen ruhigen Jahren war ihre ökonomische Lage hinlänglich gut; sie richteten sich ein in ihren Karawansereien und erwarben sich eine kleine Heerde. Dieser relativ glückliche Zustand ließ nun die Eifersucht der Muselmanen nicht ausbleiben. Eines Tages eilten ca. 1200 Personen durch die Stadt, wobei sie ausriefen: Ja ali, ja ali! Sie begaben sich zu Said Abdullah und beschworen ihn, den Krieg gegen die Ungläubigen zu unternehmen. Der Schrecken bemächtigte sich unserer Glaubensgenossen. Fünfzig von ihnen, und zwar die einflußreichsten, begaben sich zum Telegraphenbureau, um Mouchri el Dorvelt von dem geplanten Angriff aus ste zu benachrichtigen. Man belagerte sie und führte sie darauf mit Gewalt zum Moucht»hed, wo sie sich gezwungen sahen, sich sofort zu bekehren. Man rasirte ihnen den Kopf, führte sie in's Bad, um sie zu reinigen, von da in die Moschee, wo man sie im muselmanischen Katechismus unterrichtete. Des Rabbiners bemächtigte man sich auch, und die Gemeinde mußte sich verpflichten, ein rothes Abzeichen auf der Brust zu tragen. Nunmehr trugen alle Mitglieder der jüdischen Gemeinde von Hamadan dies erniedrigende Zeichen, dus sie von den Muselmanen unterscheidet, und das sie immer noch tragen müssen. Bon diesen mit Gewalt Bekehrten begaben sich mehrere nach Teheran und Bagdad, wo sie ihren früheren Glauben wieder bekannten. Die Anderen leben hier noch in verzweifelter Lage: im Geschäft sind sie Muselmanen und zu Hause Juden. Frauen und Kinder gehen zum israelitischen Tempel, werden auf dem jüdischen Friedhof begraben, besuchen unsere Schulen und versichern mir, wenn sie mich besuchen, daß sie nur den mohamedanischen Namen tragen, im Innern ihres Herzens gute Juden sind. Seit meiner Ankunft hat sich die Lage der Juden insofern verbessert, als sie nicht mehr von den Subalternbeamten geplagt werden. Uebrigens gibt es hier auch eine gewisse Anzahl von Israeliten, zumeist Aerzte, die sich schämen, sich als Juden zu bekennen. Doch seit der Gründung unserer Schulen, seitdem die jüdischen Kinder eine bessere Erziehung erhallen, hat das nachgelassen, und auch sie schicken ihre Kinder in unsere Schulen. Sie werden sich gewiß freuen, zu erfahren, daß so Ihre Schulen indirekt dazu beitragen, eine große Anzahl von Juden, die sonst in dem Namen „Juden" ein Unglück sahen, dem Judenthum zu erhalten." Berichtigung zn Nr. 38 des'Jsr. 1. Spalte, Zeile 13 von unten, soll es heißen : Horatius Flaccus, nicht Flacius. 1. Spalte, Anmerkg.' l soll es heißen: 'itPro mB'yD nicht mE’^- 2. Spalte Zeile 5 von oben, soll eS heißen: p:n> ros? nicht nur Pin_ Briefkasten der Redaktion. N. Licktenfels: 29. Adar 5*25 gleich Montag 27. März 186 \ 29. Adar 5628 gleich Montag 23. Mär, 1868. M. G.: 11. September 1888 gleich 6. Tifchrt. Der Junoe liest die Lidra erst am rraiD D'Tin lH Ist vom 6. Tischri an schon religiös großiährig und muß natürlich T.2D dv fasten. 24. September gleich 19. Tischri. Tie Swra ist rrttfio:}. S O.: 11.Ellul6578 gleich Samstag 12. September. War das betreffende Ereigniß schon am Freitag Abend bis 12 Uhr Nachts, so ist das Datum der 1l. September. S. L.: Wenn D’iro überhaupt dort durch die Umfassungsmauer des Friedhofs hindurchgehen dürfen, so darf ein pa vier Ellen von den Gräbern und von der Bahre entfernt, eine Trauerrede halten. S. D. in St. : 2. November 1870, gleich Mittwoch, 28. Chefchwan 5631. 16. Juni 1900, gleich Samstag, 19. Siwan 5661. Fanden die betreffenden Ereignisse nach Anbruch der stacht statt, so ist das^ jüdische Datum um einen Tag später zu setzen. S. O. in H.: Tropon ist trepha. Briefkasten der Erpedition. B. in B : Die letzte Beilage von Sprüche der Väter im vorigen'Jahre war in Nr. 74._ Wildbad, im Mai Es dürfte die Leser des Israelit ohne Zweifel interessiren, daß in unserem herrlichen Orte Herr Albert Friedhoff aus Rülzheim ein rituelles Speisehaus ei richtet hat. Ein streng religiöser Lehrer, der seine Ausbildung in der Talmud Thora-Schule und Vräparandeuanstalt zu Burgpreppach und in der Lehrerbildungsanstalt in Würwurg erhallen hat, wird während der Hauptsaison persönlich die Küche überwachen.