Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 38 (15.5.1901)
- Date
- 1901-05-15
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Orthodoxe «MudenthumÄ lNr. 11. 15. Mai 1901.] mw : pS tfm eimgefunden Novelle von Ida Bsrbkv—Wien. (S. Fortsetzung.) „Warten Sie, bis Sie sich erholt haben," mahnte Dr. Bathorp; ich lasse Sie in diesem Zustande nicht gehen!" „Elender!" rief sie im Tone tiefster Verachtung. , Und müßte ich auf den Knien Hinausrutschen, ich würde Ihr Haus meiden und —" „Das sollst Du mir büßen," sagte Dr. Bathorv nnitbschnaubend und wandte ihr den Rücken. Auf den Arm des Dieners gestützt, verließ die fast ohnmächtige Frau das Haus. Das waren Feiertage, wie sie dieselben nie zu erleben gedacht. Als sie daheim anlangend ihre Kinder, die nach dem Vater fragten, an's Herz preßte, weinte ne laut aus. Welch' ein Unglück war über ihr Haus hereingebrochen! Es wa^ jhr »nie ein Traum, ein schrecklicher, aufregender Traum, der ihr zeitweise das Bewußtsein trübte. Io, tonnte es denn wahr sein? Ihr Gatte in Untersuchungshaft! Sie dem Attentat eines frechen Wüstlings, der sein Richter sein sollte, kaum entgangen, die ganze Stadt in Aufruhr, daß in ihrem Hause ein „Ritualmord" veriibt worden! Sie zählte die Stunden, stets hoffend, ihr Gatte H-erbe in Freiheit gesetzt werden. Schon dämmerte der Abend, sie war noch immer allein! Eine herzbeklem- -nende Angst überfiel sie. Wie würde sie die Nacht überstehen in dem schrecklichen Bewußtsein, den geliebten (Ratten in Kerkerhaft zu wissen! Bekannte kamen und gingen, suchten zu trösten, auf andere Gedanken zu bringen. Sie wußte kaum, was man zu ihr sprach. Niemand glaubte ja das Entsetzliche, dessen man Dr. Lazzlo beschuldigte. Allen war es ein Räthsel, lvie man ihn, diesen ehrenfesten Mann, einer solchen Schandthat zeihen konnte, und doch glaubte Niemand das Recht zu haben, seine Freilassung zu verlangen: dem Gesetze mußte, wenn eine Verhaftung ungeordnet worden, freier Lauf gelassen werden. Um ihres Gatten Lage nicht zu verschlimmern, hatte sie zu Niemandem davon gesprochen, daß Dr. Bathorn es gewagt, ihrer Ehre zu nahe zu treten. Sie hatte ihn dies auch 'wissen lassen, dafür aber gefordert, daß Dr. Lazzlo keine Gefängnißkost erhalte, sondern daß das Essen, welches sie ihm sandte, ihm ausgefolgt werde. Großmüthia hatte Dr. Bathorv, der um Alles einen Skandal vermieden wissen wollte, dies bewilligt. Dr. Lazzlo war nicht in der Gemüthsverfassung. Speise und Trank zu sich zu nehmen. Das Blut siedete m seinen Adern. Er rannte wie wahnsinnig in dem Zellenraum hin und her, meinte die ihm angethane Unbill nicht ertragen zu können. Vergeblich forderte er, vor einen anderen Untersuchungsrichter geführt zu werden. Tag aus Tag verging, ohne daß er auch nur vernommen wurde. Welche Seelenqual für den stets thätigen Mann! Man verweigerte ihm Papier, Tinte, Bücher. Der Tag wurde ihm zur Ewigkeit, die schlaflos verbrachte Nacht zur Höllenqual. Kein Lebenszeichen von seiner Gattin. Wie ihn der Gedanke quälte, ob man nicht auch sie einem Verhör unterzogen! Er wollte ja Alles dulden, Haft, Entbehrung, Aufregung, seine Unschuld mußte zu Tage treten, nur seine Frau sollte man nicht in das ihm ganz