Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 38 (15.5.1901)
- Date
- 1901-05-15
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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An, 2. Mai um 8 Ubr Abends kamen in die Dorfschänke des Salomon Schwimmer in Drwjenia im Bezirke Bochnia vier Bauern. Nachdem sie Schnaps getrunken batten, traten sie in das der Schänke gegenüberliegende Wohnzimmer des Wirthes, rissen die siebzehnjährige Tochter desselben aus dem Bette und machten Anstalten, sie gewaltsam mit sich zu führen. Der Vater stürzte hinzu und wollte das Attentat auf seine Tochter verhindern. Da warf sich einer von den Bauern auf ihn, würgte ihn, drückte ihn an die Wand und hielt ihn dort so lange fest, bis die Andern das Mädchen davongetraaen hatten. Der Vater verlor das Bewußtsein, und als er wieder zu sich kam, war seine Tochter mit den Bauern verschvounden. Erst am anderen Tage erfuhr er die näheren Umstände des lleberfalles. Während die Bauern das Mädchen aus der Dorfschänke entführten, stand unweit des Wirthshanses ein bespannter Wagen, in welchem eine Nonne saß. Die Bauern trugen das Mädchen in den Wagen, welcher mit den Insassen bis zur Eisenbahnstation Bochnia fuhr. Während der Fabrt wurde das Mädchen in Nonnenkleider gesteckt. Von Bochnia fuhren die beiden Tranen mit der Bahn nach Tarnow und von bier aus ging die Fahrt in einem Fiaker nach dem nicht weit entfernten Kloster in der Ortschaft Szvnwald. Der Bater des Mädchens fuhr nach Tarnow und svrach mit seinem Vertreter Dr. Goldhammer beim Staatsanwalt vor. Ein Kommissär der Bezirkshauptmannschaft fnbr in das Kloster, um eine Revision vorzunehmen; er fand jedoch das junge Mädchen im Kloster nicht mehr vor. Es wurden, um den Thatbestand festzusiellen, bereits mehrere Zeugen verhört. Der Portier des Bahnhofes in Bochnia gibt an, daß in der kritischen Nackt zwei Nonnen, eine alte und eine junge, auf dem Bahn- Hofe gesehen wurden, die den Zug nach Tarnow benützten, und ein Tarnower Fiakerbesitzer bestätigt, daß er damals die zwei Nonnen in's Kloster gefahren habe. Bon da ab fehlt von dcr jüngeren Nonne jede Spur. Dr. Goldhammer bat der Staatsanwaltschaft die Anzeige erstattet. Prcsrburg. /Ovation für den Rabbiner D r. Funk.) Dieser Tage haben die jüdischen Bewobner Preßburgs Rabbiner Dr. Funk eine Adreste überreicht, für seine für das Judenthum bekundete Stellungnahme anläßlich seines Preßprozesies, den er auf Veranlassung seiner Gemeinde gegen den antisemitischen „Grenzboten" im Jntereffe seiner Revritation angestrengt bat. Der Prozeß hatte folgende Veranlassung: Dr. Funk hat, als der „Grenzbote" anläßlich des Polnaer Mordes für die Ritttallüge Prooaganda machte, die Juden Preßburgs in einer Kanzelrede, ohne den „Grenzboien" zu nennen, daraus aufmerksam gemacht, daß es mit dem jüdischen Ehrgefühle nicht vereinbar sei, solche journalistische Machwerke zu unterstützen. Dcr „Grenzbote" veröffentlichte nun gegen Dr. Funk mehrere Hetzartikel, imputirte ihm, daß er die Worte gebraucht hätte „Kaufet nicht bei Christen". Trotzdem nun Dr. Funk ein Mann des Friedens ist, der mit den Seelsorgern aller anderen dortigen Confessionen im besten Einvernehmen lebt und selbst bei Unterstützung armer Studenten keinen Unterschied der Confessionen kennt, hat er sich dennoch in Folge der Vorstellung-'n seiner Gemeinde entschlossen, die Sache gerichtlich austragen zu lassen, da ihm ein anderer Modus der Satisfaktion nicht zu Gebote stand. Die Verhandlung hat das illoyale Vorgehen des „Grenzboten" klargelegt. Die Rede Dr. Funk's anläßlich der Verhandlung athmete den Geist der. Toleranz und der edelsten Gesinnung, „diese Rede machte einen unvergeßlichen Eindruck", wie die „Preßburger Zeitung" bemerkte, welche die Rede vollinhaltlich abdruckte. Türkei. Nonstantinovcl. Gelegentlich der letzten christlichen Ostern haben unsere Erbfeinde, die verkommenen Griechen, theilweise im Verein mit den gleichfalls verkommenen Armeniern, vielfache Versuche gemacht, den Juden eine Blutbeschuldigung anzuhängen. Es wird darüber geschrieben: Der erste Versuch wurde in einer Vorstadt von Konstantinopel gemacht. Ein jüdischer Trödler Namen- Jakob Saison wurde in das Haus eines Armeniers gerufen. Als er nach einiger Zeit wieder aus dem Hause trat, wurde er von zwei Armeniern angehalten, die ihn aufforderten, seinen Sack, den er beim Eintritt in das Haus einen Augenblick unbeaufsichtigt am Fuß der Treppe hatte liegen lassen, zu öffnen. Wie groß vmv dcr Schreck des armen Juden, als sich in demselben die Leiche eines sieben Monate alten christlichen Knaben fand. Ein großer Lärm entstand, einige Griechen kamen hinzu, welche im Verein mit den Armeniern den armen, jüdischen Trödler so lange mißhandelten, bis die Polizei kam und alle Betheiligten zur Wache mitnahm. Jakob Sasson wurde schon nach zwei Tagen wieder in Freiheit gesetzt, während die christlichen Attentäter in der Ha.fi zurückbehalten wurden. Ein zweiter Bersuch wurde in Adalia, Vilajet Conia, gemackt, wo ein verrufenes griechisches Weib direkt dabei ertappt wurde, wie sie in ein jüdisches Haus ein tobte?- Kind einzuschmuggeln versuchte. Bei ihrer Vernehmung gestand das Frauenzimmer, von zwei Christen zur Ausführung dieser Thai gedungen worden zu sein. Die Untersuchung ist eingeleitet. Am schlimmsten haben es zwei durchtriebene Griechen in Kairo angestellt, welche vorzüglich hispa.gnolisch sprachen und diese Kenntniß zu folgendem niederträchtigen Tric benutzten. Sie verkleideten sich nämlich als reisende Rabbiner und drangen unter dieser Maske in eine der Synagogen von Kairo. Glück-