Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 38 (15.5.1901)
- Date
- 1901-05-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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853 anderen Hochschulen unterwerfen mußten. Häufig werden auch Gelehrte aus Babylon Mitglieder des Synhedrin, das allein den Namen Metibta führt. Hier legt Halevy den Finger auf die Stelle bei R. Scherira Gaon, wo ungeachtet der vermeintlichen Vorliebe für Babylonien gesagt wird, daß blühende Jeschibot, Talmudhochschulen wohl stets vorhanden waren, daß aber der Name Metibta bis zu Rab allein der Hochschule in Palästina zukam, an deren Spitze der Nassi stand. Wie wir schon gezeigt hatten, gab es bis zum Tode des R. Juda Nessia für ganz Israel nur eine Metibta. Babylon mit seinen vielen Meistern der Thora war das Reservoir, woraus in Zeiten politischer Unruhen und nationalen Unglücks in Palästina wiederholt neue Kräfte dem Thorastudium in Palästina zugfführt wurden. Wie E?ra und seine Genossu nach Palästina zogen, um den früher Heraufgezogenen gründliche Kenntniß der Thora zu bringen, und um in Jerusalem neben dem neuerstandenen Tempel wieder das Synhedrin zu errichten, so war es der Babylonier Hillel, rer in den trostlosen Zeiten, die dem Bruderkampse Hylkans und Aristobuls und der Vernichtung des Hasmonäerhauses durch idumäische Tücke folgten, zum Nassi ernannt wurde, um das darniederliegende Thoraftudium wieder zu beleben. Als durch die furchtbaren Verfolgungen nach der Zerstörung Bettars wohl die letzten Schüler R Akiba's als hervorragende Meister blühten; in dem verödeten, unglücklichen Lande aber wenig Hoffnung war, in genügender Zahl neue Lehrer heranbilden zu können, da zogen in Schaaren Meister der Thora aus Mesopotanien nach dem Lande der Väter. Viel genannt wird R. Chija und seine Söhne, von denen gesagt wird, daß sie die Thora in Palästina ueu begründet hätten. Herr Halevy zeigt uns auch, daß die Amoraim des Jeruschalmi im ersten Zeitalter großentheils Babylonien entstammen. Aus dem Berichte der Gemara, Berachot Bl. 4, warum man dem Chanania, Brudersohn des R. Josua, verbot in Babylon den Kalender zu bestimmen, zeigt um H ckevy mit überraschender Klarheit, wie nach dem Tode R Akibas und seiner Genoffen der Babylonier Chananja mit Recht von sich sagen konnte, daß er in Palästina Niemanden zurückgelaffen habe, der ihm gleich zu stellen sei. Chananja fügte sich und überließ die Bestimmung des Kalenders wieder den Gelehrten Palästinas, als diese ihm unter dem Bilde: „Die Zicklein, die du zurückgelaffen, sind mit der Zeit zu Hörner tragenden Böcken geworden", sagen ließen, daß in Palästina wieder anerkannte Gesetzeslehrer herangewachsen seien. Als Rab im Greisenalter ein Vierteljahrhundert nach dem Hinscheiden Rabbi's ungefähr em Jahrzehnt vor dem Tode R- Juda Neffia I nach seiner Heimalh Babylon zurückkehrte, fand er dort einen reichen Kranz von ebenbürtigen Gelehrten vor. Der große R. Schila stand mit dem Titel Resch Sidra an der Spitze der bedeutenden Hochschule in Nehardea, der damalige Exilarch Mar Uckba, der zugleich ein bedeutender Gelehrter war, hatte in Kaphra große Gesetzeslehrer ilm sich geschaart, Abba bar Abba, der Vater Samuels war oberster Richter in Nehardea, Nab Kahna I und sein Genoffe Rab Affa I lebten dort zusammen mit dem berühmten Selre, und Mar Samuel bewillkommnet den Rab dadurch, daß er zu seiner Prüfung den im Talmud häufig erwähnten Karna ihm entgegen sendet Allen genannten Gelehrten werden von Halevy besondere Abhandlungen gewidmet, in welchen eine Fülle von Stellen des Babli und Jeruschalmi überraschende Forschungen erhärten. Wie lebend läßt sie unser Autor vor unserem geistigen Auge vorüberziehen. Das ist das von Thora leere Babylon, das Rappoport den Rab finden läßt! Und da Rappoport zugeben will, daß in Abba bar Abba und seinem Sohn Samuel die Thora schon vor Rab's Ankunft die ersten Vertreter hatte, so richtet Halevy an ihn die Frage: Woher hat denn der Vater Samuels, der nur auf kurze Zeit Babylonien verlaffen hat, seine Kenntniß dir Thora, wenn seine Heimath leer von Thora gewesen sein soll? Jeder kundige Leser wird rückhaltslos Halevy zustimmen, daß seit dem ersten Exil Babylonien ununterbrochen das Land der Thora war, und daß Rab's Verdienst für Babylonien darin liegt, daß er durch die Gründung der Hochschule in Sura neue Gebiete Babyloniens, entfernt von dem eigentlichen Sitze der dortigen Juden, zur Höhe der Thorakenntniß der Gegenden um Nehardea und Pumpedita führte. Zeitungsnachrichten und Correfpoudenzen. Deutschland. Berlin, 11. Mai. Gegen das Schächtverbot, das von der PotsdamerStadtverordneten-Versammlung beschloffen'wurde, will, wie der „Börsen-Courier" mittheilt, die Potsdamer jüd. Gemeinde „mit Unterstützung der Nachbargemeinden" Einspruch erheben, falls der Magistrat dem Beschlüsse der Stadtverordneten-Versammluug beitritt. Nach der „Staatsbürger Zeitung" sind in Potsdam nur 4 oder 5 jüdische Familien, die sich an die rituellen Vorschriften binden und chatte daher der EtUpruch wenig Aussicht auf Erfolg. -, Verli»> im Mai.. Zur - ^Mwehrftage^'-voirdiicr „Ztg. d. Judenth." von einem hervorragenden süddeutschen Juristen Folgendes geschrieben: Als die antisemitischen Zeitungen mit allgemeinen Angriffen auf die Juden anfingen, waren fie vielen und