Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1901-05-13 · Heft 37 (13.5.1901) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 37 (13.5.1901)
Date
1901-05-13
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2446951-2449146-2449182--53333-2503978
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

für Jüdische Geschichte und Litteratur. HerauBgegeben von Dr. L. LSvreniteln. Erscheint einigemal im Quartal in der Stärke von mindestens einem Bogen. — Alle fflr diese Beilage bestimmtes Manascripte and Anfragen sind an Herrn Bezirks-Rabbiner Dr. LBwensteln, Mesbaeh (Baden) sn richten. -s-z^rs- II. Jahrgang. M. 3. — ZBeilsugre zul JS1 3*7 d.es „Xfsrstelit“. Zur Geschichte der Maimüni’sehen dreizehn Glaubensartikel. Von Dr. J. Holzer. (Fortsetzung.) Mit dem Eintritt hellenischen Geistes in die Kreise des Judentums trat innerhalb des letzteren in dem Jahrhundert vor der Zerstörung des zweiten Tempels eine Gährung und Zersetzung ein. Während man bis dahin den überlieferten Lehren naiv gläubig gegenüber gestanden und sie als über jeden Zweifel erhabene Wahrheiten hatte gelten lassen, war durch das Eindringen dieser bis dahin fremden und unbekannten Weltanschauung der Geist der Kritik erwacht. Und weil zumeist derjenige in den Augen der urteilslosen Menge Recht zu behalten pflegt, bei dem die Macht ist und die allgemeine Achtung und Geltung, so war es nicht zu verwundern, dass der Hellenismus, der sich mit so viel Prunk und äusserlicher Schönheit umgeben und die allgemeine Anerkennung der damaligen Culturwelt erworben hatte, auch den Geist vieler bis dahin glaubenstreuer Israeliten bestochen und gefangen genommen hatte. In hellen Haufen wandten Fürsten und Volk vom Glauben der Väter sich ab. Man sehnte sich nach griechischer Ungebundenheit in Sitten und Lebensgewohnheiten und berief sich auf die griechischen Denker, die angeblich die jüdische Weltanschauung widerlegt und überwunden hätten. Auch an direkten Widerlegungen und Schmähschriften gegen die jüdische Religion seitens der griechischen Philosophen wird es wohl damals nicht gefehlt haben. Das Auftreten und die Wirksamkeit Apion’s darf als typisch gelten. Da musste die Verteidigung des Glaubensinhaltes des Judentums nicht nur im Interesse des Glaubens geboten, sondern auch als eine nationale Ehrenrettung erscheinen. Diesen doppelten Zweck mochte wohl Philo unter den vielen jüdisch-griechischen Schriftstellern jener Zeit am meisten ins Auge gefasst und auch tatsächlich erreicht haben. Hatten einst die Propheten gegen heidnischen Götzendienst und Cultus die Grundbegriffe des Judentums verteidigt und gerade durch den Kampf gegen das Fremde das Eigene erst recht zu würdigen und zu klären gewusst, so hatte auch jetzt die systematische, wissenschaftliche Methode, in der griechische Forschung und griechisches Denken auftraten, auch die jüdischen Denker, zumal in Alexandrien, beeinflusst und den Trieb zur Sichtung und Systematisierung des überlieferten Stoffes geweckt und entfaltet. Philo darf als der Erste angesehen werden, der es auf eine systematische Darstellung des Judentums abgesehen hat. Seine Abhandlung über die Weltschöpfung, die dem Nachweise dient, dass die platonischen Ideen vom Werden und Entstehen des Kosmos in dem biblischen Schöpfungsbericht vorweggenommen seien, schliesst er mit der Aufstellung von fünf Grundsätzen, auf die die Lehre Mosis gegründet sei: 1. es lebe und herrsche ein Gott, 2. derselbe sei einig-einzig, 3. die Welt sei von Ihm erschaffen, 4. sie bilde eine Einheit, 5. Gott gedenke ihrer mit liebender Fürsorge. Auch die Mischna, deren Endredaktion in den Anfang des dritten Jahrhunderts fällt, weist Spuren eines solchen Triebes zur Systematisierung auf. Bezeichnend ist hierfür der X. Abschnitt des Traktates Sanhedrin. Waren

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.