Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 37 (13.5.1901)
- Date
- 1901-05-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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kd!?M^MH'WWWUW^WWMW«WWMMsHMMWMWWWWMMIWMMWlMM 846 ben? An dieser Unlust des russischen Gutsbesitzers, seine Güter selber zu bewirthschaften, werden alle Bemühungen der russischen Regierung, die Juden ihres Landes/van der Landwirthschaft fern zu halten, stets scheitern. Das Verbot, Land an Juden zu verpachten, würde, wenn es überhaupt durchgefiihrt werden könnte, nur dazu führen, daß der Grundbesitzer seine Güter statt an Juden, an D e u t s ch e verpachten wird. Nun ist-der Deutsche, zwar ebenso treu und umsichtig, wie der Jude, oh er aber als Pächter auch so bescheiden, wie der in.Rußland völlig rechtlose Jude ist? Die Beantwortung dieser Frage können wir getrost Herrn Pobedonoszew überlassen. Die Regierung wird die Resolution der.russischen Mühlenbesitzer wohl demnächst prüfen. Wenn sie wirklich auf das Wohl des Landes bedacht ist, wird sie zu der Ansicht gelangen, daß das Gesetz, welches dey. Juden das Pachten von Liegenschaften verbietet, ebensowenig taugt, daß es selbst durch öfteres Auffrischen nicht gerade bester wird. T. Persien. Teheran. (Israeliten Persiens.) Schwere Unruhen, hervorgerufen von einem fanatischen Priester, haben im hiesigen israelitischen Viertel stattgefunden. Der Direktor der Allianceschule hier veröffentlicht hierüber folgendes Schreiben: „Der Cheik Ibrahim, wohlbekannt in Teheran wegen, seiner Schroffheit, hatte bisher noch nichts Feindliches, gegen die Juden unternommen. Kürzlich versammelte er die Gläubigen in der Kirche; er versuchte ihnen zu ze.igen, daß die Religion in Gefahr sei. Zwei Raffen, so schloß er, haben hier das Monopol der Fabrikation des Branntweins: die Armenier und die Juden.- Die. Juden find in der Nähe von uns, beginnen wirbei diesen. Alsbald machte sich eine aus Gesindel zusammengesetzte Bande aus, folgte dem. Cheik Ibrahim und drang in das Judenviertel ein. Alle Läden wurden zertrümmert, die Waaren geraubt oder zerstört, die Kleinodien gestohlen; damit nicht genug, .eine große Zahl unserer Glaubensgenossen ward verwundet. Das dauerte, drei Stunden lang, bis die Besatzungstruppen der Stadt unter der Führung des Gouverneurs heranrückten. Ich begab mich unmittelbar in Begleitung zweier anderen jüdischen Notabeln der Stadt zur englischen Gesandtschaft. Der englische Bevollmächtigte begattete Mich sofort zum Minister des auswärtigen Amtes, um gegen, die. Porfälle zu vrotestiren. Dieser gah W Versicherung,, daß die schuldigen streng bestraft - würden.' Am änderen Tage begab ich mich zur französischen Gesandtschaft. Der französische Bevollmächtig^ richtete Tqgs, darauf ejnen. Brief an den Minister des auswärtigen Amtes,in ^welchem er. hie. persische Re-,. gierung bat, nicht cUkin ünZ, sondern auch die AUanceschule zu schlitzen. Der Erfolg dieses Briefes war, daß ich bei meiner Rückkehr nach Hause bereits eine Kosakenschwadron traf, die die Schule bewachte. Eine Untersuchung wurde von der Negierung eröffnet; der englische Eonsul Graham traf auch hier ein, um das jüdische Quartier in Augenschein zu nehmen. Was die ganze Bewegung vor früher stattgefundenen unterschied, ist die Plötzlichkeit ihres Ausbruchs; man hatte keine Vorsichtsmaßregeln treffen können. Niemals war ein Aufruhr so heftig, als dieser zuletzt stattgefundene. In einem zweiten Briefe schreibt der Direktor der Allianceschule Folgendes: Die Untersuchung, von der ich in meinem letzten Briefe schrieb, ist noch nicht beendet. Nichtsdestoweniger haben mehr als 200 Verhaftungen stattgefunden. Der Hauptschuldige, der Cheik Ibrahim, ist bisher noch nicht gefunden worden. Den angerichteten Schaden schätzt man auf 80,000 Tomanen. (150,000 Frcs.) Darüber, wie viele Unglückliche all' ihres Besitzthums beraubt worden, habe ich an den Schah folgendes Schreiben: gesandt: An Seine Kaiserliche Majestät den Schah. Sire! Die Plünderungsscenen im Judenviertel haben einen Theil der Bewohner dieses Viertels in das tiefste Elend gestürzt; eine große Zahl der Familien sind hilflos. In Erwartung der Hilfe, welche die Beamten Eurer Majestät uns zugesagt, erlaube ich mir einen Appell an Eure Großherzigkeit zu Gunsten der unglücklichen jüdischen Unterthanen, die brodlos sind. Ich wage es zu hoffen, Sire, daß Eure Majestät diesen Appell erhören wird, und ich bitte, den Ausdruck meiner tiefsten Ergebenheit entgegennehmen zu wollen. Persönlich begab ich mich zum Groß-Vezir, um ihn zu bitten, den Brief Seiner Majestät übergeben zu wollen. Einige Tage danach wurde ich von dem Stadtrath aus benachrichtigt, daß Seine Majestät mir eine Summe von 900 Tomanen (4500 Frcs.) zur Unterstützung der Armen zur Verfügung stelle. Die geschilderten traurigen Ereignisse hatten eine große Erregung am Hofe hervorgerufen. Der Schah ist, wie es scheint, sehr bestürzt. Der Zusammenberufung der drei Minister folgte die Ladung der mit der Verwaltung der jüdischen und armenischen Angelegenheiten beauftragten Mwei-el-Eddeleh. Die Sicherheit der Israeliten ist wieder hergestellt. Die Schule wird jetzt von 75 Gendarmen bewacht, und ich habe das Versprechen erhalten, daß man mehrere Kosakenposten einrichten 'wird, um eine Wiederkehr solch' trauriger Ereignisse'zu verhindern.' ' V!: Wie man steht, duldet der Schah.solche Gewal.tthäkigkeiten gegen die Juden nicht., ' Die - Maßnahmen., d-s Do.uverain geben der jüdischen PevölfernM wieder j Pertrgsten, aber ihre Sicherheit: erheischt . den . . Schütz ihres Protektors. ' ...