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Der Israelit · 1901-04-25 · Heft 32 (25.4.1901) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 32 (25.4.1901)
Date
1901-04-25
Page
– (sequence 19)
Language
German
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737 feinen Sinn ändern. Er betete lange und innig, und als er geendet, war ihm, als hätte er Zwiesprach mit Gatt gebalten: ihm durfte er Alles überlaffen. Nach einer schlaflos verbrachten Nacht war Aladar zu dem Entschluß gekommen, das Elternhaus zu verlassen. Der Vater verstand ihn nicht, konnte und wollte ihn nicht verstehen; er durste sein junges Leben nicht zum Opfer bringen. Bestimmend für seinen Entschluf! war wohl auch, daß Aranka's Nähe eine Gefahr für ihn bedeutete, der er, wollte er nicht wortbrüchig werden, entrinnen mußte. Es war ihm klar, daß ffe ihn liebte, nur auf eine Gelegenheit wartete, um seine Erklärung herbeizusühren. Er mußte ihr gegenüber äußerlich kalt scheinen, während in seinem Herzen heiße Liebe Erwiederung begehrte. Beim frühstück theilte er dem Vater mit, er wolle nach Prag reiten, persönlich feine Bewerbung einzuleiten. „Gelobt fei Gott, der Deine Gedanken in die rechte Bahn gelenkt," sagte der alte Mann gerührt. „Ich wußte es ja, mein Sohn konnte straucheln, aber nicht fallen!" Aranka war sichtlich verstimmt, als ffe hörte, daß Aladar's Abreise beschlossene Sache sei. „Wie leid mir das thut," sagte ffe wehmüthig; „Du hättest wirklich noch einige Zeit bei uns bleiben sollen! Ich hoffte to viel von Dir zu lernen!" „Gutes Kind." sagte Aladar, „es gilt einen Beruf wählen. Etwas leisten! Der Mann darf nicht unthätig daheim bleiben!" „Wohl wahr," sagte Aranka, sich mühsam beherrschend; „ach, und es war doch so schön, wenn wir —" Schluchzen unterbrach ihre Worte, zwei große Thränen rollten über die rothen Wangen. Schnell erhob ffe sich und eilte hinaus. Aladar wollte ffe halten, ffe beruhigen, aber eine innere Stimme mahnte ihn: „Bist Du auch stark genug, der Gefahr zu trotzen? Gedenke des dem Bruder gegebenen Versprechens!" So reiste er eine Stunde später, ohne Abschied von Aranka zu nehmen, ab. Das iunge Mädchen war trostlos. Wie schön hatte ffe ffch das Zusammenleben mit Aladar gedacht, wie gerne seinen Worten gelauscht, mit welcher Wonne ihm in die tiesdunkleu Augen geschaut, in denen sie eine ganze Welt des Glückes zu sehen meinte. Tieftraurig saß ffe da; nicht Speise noch Trank wollte ihr munden; jetzt erst wußte sie, was ihr Aladar gewesen. Auf ihn verzichten, bedeutete für sie, allem Lebensglück entsagen. Morgen war Sabbat. Da wollte ffe im Tempel zu Gott beten, daß er Aladar in seinen Schutz nehme, ihr krankes Herz gesunden lasse. — Sie war am andern Tage die Erste in der Frauen- Abtheiluna; das war ihr gerade recht; da konnte ffe unbeobachtet ihrem gepreßten Herzen Lust machen, den Allmächtigen anrufen, daß er sie erhöre — ihren Thränen freien Lauf lassen. Als ffe ihre Zwiesprache mit Gott gehalten, war es ibr leichter um's Herz: sie schaute jetzt um sich. Da saßen schon all die bekannten grauen, die Jittel Abraham, die Leah Simches, die Reffke Jüterbock etc. „Warum Haff Du geweint, Aranka?" fragte ihre Nachbarin, die schöne Ruth Heigel. „Um Aladar Lazzlo brauchst Du Dich nicht zu härmen? Er ist kein guter Jude; ich weiß es von meiner Schwester, die in Pest im selben Hause wie er wohnte." „Was weißt Du von ihm?" fragte Aranka aufhorchend. „Daß er intim mit dem Jesuiten — Pater Jeremias verkehrt, stets seine Predigten besucht, schon mehr Christ wie Jude ist!" „Da lügst Du," sagte Aranka erregt; „ich verbiete Dir einfür allemal, Ungünstiges über Aladar zu sprechen?" „Gedenk', was ich Dir sagte," meinte Ruth Heigel; „ich meine es gut mit Dir?" ..Ich danke Dir für Deine gute Meinung," sagte Aranka, ffand auf und wandte sich zum Gehen. Es war ihr. als hätte ffe Jemand mitten durch's Herr gestochen. Aladar — ein Ungläubiger! Aladar, der Abgott ibrer Seele, im Verkehr mit einem Jesuitenpater! Was würde Rabbi Lazzlo sagen, wenn er davon börte! Sie konnte, wollte es nicht glauben. Dennoch beschloß sie, Erkundigungen einzurieben. Sie schrieb an Eli, er md'ae Aladar, der, ohne Abschied von ihr zu nehmen, abqereiff, durch einen gemeinsamen Jreund beobachten lasten, ibr mittheilen, ob für die von Ruth Heigel erhobene schmähliche Beschuldigung ein Anhalt vorhanden sei. Aranka's Brief versetzte Eli in hochgradiae Aufregung. Der Bruder baite das Vaterhaus verlassen, ohne ibm davon Mittbeiluna zu machen; zu welchem Zweck weilte er in Pest? Mit wem verkehrte er? Ohne viel zu überlegen, fuhr er nach Pest und direkt in Aladar's Wohnung. Die Wirtbin sagte ihm, daß der Bruder ffch sehr krank gefühlt habe, als er anlangte, und daß ihn Pater Jeremias zu sich in das Kloster genommen, um ihn zu vflegen. Eli stand wie vom Donner gerührt. „Wer ist dieser Pater Jeremias?" fragte er. ..Ein guter freund vom Herrn Doktor," meinte die alte Frau, „ein sehr würdiger Herr, der beim Erzbischof in hoben Ebren siebt." Jetzt erst wurde es Eli klar, weßbalb der Bruder sich im letzten Jahre ostentativ von allen Jugendfreunden zurückgezogen. (Fortsetzung folgt.)

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