Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 32 (25.4.1901)
- Date
- 1901-04-25
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Novelle von Ida Barber—Wien. ^Fortsetzung aus Nr. 26/27. Orthodoxe MuderrthumÄ O 5 E S V-Q-- 25.2ty*U190i] eimgefunden. - -fc? Der Zufall wollte es, daß er am folgenden Abend einen Besuch bei seinem Jugendfreunde Jmre Szegö machte und Aranka bei dessen Schwester Janka traf. „Gut, daß Du kommst," sagte diese, dem Doktor die Hand reichend, „so haben wir Aranka, die sich eben verabschieden wollte, doch noch ein Stündchen! Sie wollte Jmre's Begleitung nicht annehmen, Deiner Begleitung vertraut sie sich gewiß gerne an!" Aladar warf einen fragenden Blick auf das schöne Mädchen. „Ja, ich bleibe, so lange Du bleibst," sagte Aranka; in ihrer Stimme lag eine ganz eigene Melodie, etwas einschmeichelnd Süßes, das Aladar bezauberte. Man plauderte, musicirte, Aranka sang mit ihrer klaren, glockenreinen Stimme einige Nationallieder — in denen sie die ganze Tiefe ihres Gemüthes zum Ausdruck brachte. Des Mondes Silberschein erhellte die Landschaft, als man zum Heimgang rüstete. Schweigend ging Aladar eine Weile neben Aranka einher. „Du darfst mir Deinen Arm reichen," sagte sie, „es ist Glatteis; man geht sicherer zu Zweien!" Für was für einen Tölpel mußte sie ihn halten, daß er die einfachsten Gebote der Schicklichkeit vergaß. Als sie jetzt an seiner Seite dahinschritt und er, indem sie zu ihm sprach, fast den Hauch ihres Mundes spürte, war ihm, als müffe er ihr sagen, welchen Zwang es ihn koste, gleichgiltig zu scheinen, doch er wußte, daß es dann auch mit seiner Selbstbeherrschung vorbei war, daß sie ihm auf halbem Wege entgegenkommen würde. Entsetzliche Pein, seine Liebe nicht gestehen zu dürfen! Vor dem Hause angelangt, fragte Aranka, des jungen Mannes fieberheiße Hand in der ihrigen haltend: „Sage, Aladar, was ist Dir? Du bist so scheu, so verstört? Sieh' in mir eine Schwester, die es gut mit Dir meint, die keinen sehnlicheren Wunsch kennt, als Dich glücklich zu sehen! Willst Du mir nicht vertrauen? Sag', lieber Aladar, was bedrückt Dich?" „Last' mich, last' mich," rief der junge Mann, seine Hand aus der ihrigen befreiend. Und schon war er mit einigen Sätzen die Stiege hinan und in seinem Zimer verschwunden. „Sonderbar!" sagte Aranka, indem Thronen ihre Wangen netzten; „mein Herzblut gäbe ich dafür hin, ihn glücklich zu sehen, mich von ihm geliebt zu wiffen! Aber er meidet mich! Weßhalb nur? Was habe ich ihm gethan?" II. Des andern Tages langte ein Brief von Eli an, in dem er mittheilte, Rabbi Lipmann, der Prediger einer orthodoxen Gemeinde in Prag, sei eines plötzlichen Todes gestorben. Er lege es dem Bruder nahe, sich um die gut dotirte Stelle zu bewerben. „Prediger einer orthodoxen Gemeinde!" sagte Aladar, nachdem er gelesen, „nein, Freund Eli, das ist keine Stellung für mich!" Der Vater, der diese Worte gehört, stutzte. „Bedenke," mahnte der alte Mann, „welch' ein Glück es für Dich wäre, in einer großen Stadt ein Amt bekleiden zu können! Du weißt nicht, wie schwer die