Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 32 (25.4.1901)
- Date
- 1901-04-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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42, Jahrgang. M SS Der KenLrat-Hrgan für das orthodoXe Iudentyum. Begründet von Di* feftmatrn in Httainf. Donnerstag, de« 2 5. April 5661 (1901). Jf,r Biuet Msvk abonntrt man bei allen Postanstalten für die Monate Mai & Juni auf den „Israelit" Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-ZeitungSfchalter des Wohnsitzes des Bestellers oder bei dem betreffenden LandbrieftrLaer a'ffqeaeben werden. VW- Die Briefträger find berechtigt den Abonnements-Betrag in den ersten 25 Tagen deS Monats gegen Quittung in Empfang zu nehmen. Ausland entsprechend höher. » Mr Erprüition -es„Israelit^. Leitender Artikel. —DmergeüanKen. 4- Von Dr. S. Roth-Wic». „Wenn Andere zu zählen aufhören, fängst Du Deine Zählung an."*) Mit diesen Worten hat einmal der hervorragende Denker die Bedeutung des göttlichen Gebotes der Omerzählung ausgesprochen. Noch ehe der Wundermonat mit feinen Lehren und erziehenden Gedanken vorüber ist, tritt an Israel eine neue Pflicht heran, die seinen Anschauungen jene Tiefe und Innigkeit verleiht, die seiner Stellung in der Geschichte die rechte Beleuchtung gibt, und aus diesen Auffassungen heraus das jüdische Pflichtleben zu nie versiegendem Trostquell gestaltet. Mit den Erinnerungen des Pesach haben wir auf's Neue die Ueberzeugung gewonnen von Gott, unserem Gotte, als Allgestalter des Geschichts- und Volkslebens. Den Werth der persönlichen Freiheit hat uns Nissan, der Wundermonat, nahe gelegt und indem wir das Fest *) Hirsch Pentateuch. III. 23. 15. der Freiheit und der Befreiung unseres Stammes feiern, so lernten wir die hohe Bedeutung kennen, die Bolkssreiheit für das geschichtliche und kulturelle Leben der Völker birgt. In der Volkssouveränität liegt die Bürgschaft eines gedeihlichen Lebens, das Gedanken entfalten und entwickeln kann. Die Bevormundung eines Volkes durch ein anderes ist gleich mit der Negation jener Fähigkeit, Culturaufgaben zu stellen und gestellte zu verwirklichen. Die Unverletzlichkeit der Völlerversönlichkeit hat Gott in Mizrajim dokumentirt. Indem er sein Volk aus dem Schmelztiegel der alten Eulturwe" zu neuem Volksdasein berief, ist das Heiligthum des Voltsberufes und seiner ihm von der Vorsehung zur Verwirklichung gestellten Ideale vor aller Welt klar ausgesprochen. Mizrajim, das mächtige Eulturvolk der Geschichte, gehört längst dieser an. während Israel seine Laufbahn beginnt, um lernend und lehrend ewige Wahrheiten Gottes zu verkünden. Und jeder neue Ansatz der Völkerentwickelung muß Israel bei seiner Aufgabe wieder finden. Während der Inhalt im Eimer der Völkergeschichte Tropfen um Tropfen abrinnt und nur so viel bedeutet, wieviel in den Fluß der Culturentwickelung ein- und aufgegangen, — bleibt Israel zählend und denkend das ewig junge. ,Menn Andere zu zählen aufhören, fängst Du Deine Zählung an." Die Freiheit der Volksgemeinschaft, die sich in der Thatsache des Auszuges aus Mizrajim ergibt, ist die Grundbedingung für die Möglichkeit des nationalen Auslebens und seiner Ideale. Aber nicht bloß die äußere Freiheit der Volksgemeinschaft, sondern die innere Freiheit und die sittliche Selbstständigkeit des Individuums sind die Bürgen fiir ein Gedeihen und Aufbliihen des Lebens. Als „Heerschaaren Gottes" ist Israel aus Egvvten gezogen. In Seinen Dienst, der Verwirklichung Seines Gesetzes und der Anforderungen der Menschenbildung und Befreiung ist Israels Gemeinschaft gestellt. Aber die Verwirklichung der Pflichtideale, das Sichtbarwerden des waltenden Gottes in