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Der Israelit · 1901-04-18 · Heft 30 (18.4.1901) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 30 (18.4.1901)
Date
1901-04-18
Page
– (sequence 19)
Language
German
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697 Leser von Interesse ist. So käme ein Jude, der ernstlich die Vorbereitungen für seinen Peßach trifft, wohl kaum auf die Idee, das Glühen und Käschern der Chomezgefäße, wie es der Verfasser thut, eine Desinfektion nennen. Diese Vorbereitungen werden in allen Einzelheiten in anschaulicher Weise geschildert und selbst der Chomez-Vertauf wird nicht vergessen und ihm folgender Passus gewidmet: „Alle im Besitze befindlichen Vorräthe an Gesäuertem, mit solchem in Berührung Gekommenen, man möchte sagen, an Gesäuertes Erinnerndes: Mehl, andere Lebensmittel, Spirituosen u. s. w., werden in aller Form Rechtens an einen Nichtjuden verkauft. Es wird ein vollständiger Kaufvertrag aufgesetzt, der Käufer zahlt ein Angeld und erhält die Schlüssel zu den Räuinen, in denen die betreffenden Vorräthe sich befinden, sowie das vollständige Verfiigungsrecht über sie. Nach dem Feste wird freilich das Geschäft rückgängig gemacht. Aber thalsächlich handelt es sich um ein nach den Landesgesetzen durchaus rechtsgültiges Kaufgeschäft, und der Käufer ist in der Lage, auf Grund des Vertrags über das Gelauste nach seinem Ermessen zu verfügen." Bei der Schilderung des Festes selbst verräth sich der Verfasser als ein Jude, der seine Peßach-Eindrücke östlich von der Elbe gesammelt hat, indem er den Hausherrn als mit dem Sterbehemd bekleidet am Sedertische schildert. Das ist weder bier noch in der ganzen Umgebung der Fall. Auch für den Ruf: „Im kommenden Jahre in Jerusalem!" und die verschiedenen Variationen, in welche dieser Wunsch in der Peßachhagada wiederkehrt, wird der Nachweis erbracht, daß er nichts enthält, was etwa mit dem Patriotismus deutscher Bürger collidirt. Wenn derselbe unter demselben Gesichtswinkel betrachtet wird, in dem fromme deutsche Christen auf die Zeit des tausendjährigen Reiches blicken, so trifft er hier mit Macaulen zusammen, der diese Paralelle wohl zum ersten Male bei der Bekämpfung der Argumente zog, die man zu seiner Zeit gegen die Emanzipation der Juden geltend gemacht hat. Ganz einwandfrei ist diese parallele nicht, wenn sie auch zutreffender ist, als die Bezeichnung eines Traumes, wie ihn Herzl nennt und den unser Verfasser ebenfalls adoptirt. Nicht ganz korrekt ist dagegen die später folgende Bemerkung, daß die Thüre für den Propheten Elia weit geöffnet werde. Das ist nicht die eigentliche Veranlassung. Das Definen der Thüre ist ein symbolischer Ausdruck dafür, daß wir uns in dieser Nacht unter Gottes Schuh und Hut wissen und daher die Thüren nicht nur nicht oerschließen, sondern sie weit öffnen. Es ist die Bekundung dieser Nacht als Lel Schimurim, als eme Nacht der besonderen Goiieshui. Auch das Blutmärchen wird gestreift und in seiner ganzen Sinnlosigkeit und Nichtswürdigkeit mit einigen wenigen, aber so kräftigen Zeilen gezeichnet, daß diese Povularisirung des Geistes unserer Feste in dem großen Leserkreise eines angesehenen politischen Weltblattes mit Freuden von jedem Juden zu begrüßen ist. E>crmtfct?tes Berlin. Die Landes-VersicherungSanstalt Berlin, welche zur Zeit große Heilstätten in Beelitz errichten läßt, hat den dankenswertheil Beschluß gefaßt, außer einer für die christlichen Pfleglinge bestimmten Kirche auch einen Betraum für jütischen Gottesdienst einzurichten. Bravo! Hamburg. Der hiesige Verein zur Gesundheitspflege schwacher israelitischer Kinder eröffnet im Juni d. I. an der Nordsee in Cuxhaven ein israelitisches Ktnderhospital und wird solches bis nach Schluß der Rheinland-Ferien für monatlich ca. 60 Kinder im Alter von 6—14 Jahren geöffnet halten. Rituelle Verpflegung, ärztliche Aufsichgt Schwester, Lehrer und Lehrerinnen zu steter Beaufsichtigun, der Kinder im Hospital. München, 15. April. Für die am 29. April beginnende dritte ordentliche Sitzungsperiode des Schwurgerichts beim k. Landgericht München 1 wurde H»rr Oberlandes-Gerichtsrath Epstein zum Vorsitzenden bestimmt. Budapest. Herr Arnim Gero ist zum Oberstadthauptmann von Großwardein ernannt worden. Lebensversicherungs-Gesellschaft zu Leipzig, auf Gegenseitigkeit errichtet 1890 (alte Leipziger). Im ersten Viertel des Jahres 1901 sind 1714 Anträge über M. 1.9 649 400 Versicherungssumme (M. 1 346 500 mehr als in der gleichen Zeit des Vorjahres) eingegangen und 1463 Versicherungen über M. 11 166 600 (M. 668 000 mehr als in der gleichen Zeit des Vorjahres) abgeschlossen worden. Es hat sich damit der Versicherungsbestand auf 604 Millionen Mark gehoben, wahrend das Vermögen aus 200 Millionen Mark angewachsen ist. Bei der alten Leipziger Gesellschaft, die eine reine Gegenseitigkeitsanstalt ist. fliesen alle Ueberschüsse in Gestalt von Dividenden den Versicherten wieder zu, die auf diese Weise bis jeizt 69 Millionen Mark erhalten haben. Im laufen' den Jahre beträgt die Dividende für die länger als fünf Jahre bestehenden Versicherungen beim Dtvioendenplan A, wie seit mehr als einem Jahrzehnt, 42% der ordentlichen Jahresbeiträge, bei abgekürzten Versicherungen außerdem noch 1,5 ,o der Summe der gezahlten Zu'atzprämien; beim Dividendenplan 11 gelten steigende, nach der Dauer der Versicherung abgestuite Dividendensätze, die die Leipziger Gesellschaft in der von Anfang an in Aufsicht gestellten Höhe fortgewährt, während viele andere Gesellschaften sich gezwungen gesehen haben, ihre steigende Dividende herabzusetzen. Könitz, den 1. April. Wohl keine liberale Zeitung im ganzen Reiche hat einen so schweren Stand, wie die seit dem 1. panuar in Könitz erscheinende „Ostdeutsche Tageszeitung". Die Aufgabe, die sich die „Ostdeutsche Tageszenung" in erster Linie gestellt hat, ist die Bekämpfung der Lügen des Antisemitismus und die Aufklärung des von der „Staatsbürgerzeitung" und dem antisemitischen „Konitzer Tageblatt" verhetzten Volkes. — Der Kampf ist schwer, und darum müßte es Pflicht eines jeden liberalen Mannes fein, die „Ostdeutsche Tageszeitung" dadurch zu unterstützen, daß er selbst Abonnent wird und in seinem Bekanntenkreise für Verbreitung sorgt. Jede Postanstalt nimmt Bestellungen, pro Quartal 1.10 abgeholt, 1.82 frei Haus, entgegen. Poftliste 5744a

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