Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 30 (18.4.1901)
- Date
- 1901-04-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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689 mit Justiz und Gerechtigkeit absolut nichts zu schassen haben. Und doch werden immer vernehmlicher Stimmen laut, die die Gesetzgebung zurückschrauben wollen auf das 1?. Jahrhundert, da der Schwabenspiegel vom dichter verlangte: „Er fall auch nit ein Jude sin, noch ein Ketzer sin, noch ein Heiden sin." — Man verlangt konfessionelle Färbung der Justiz: Es soll der Protestant nur vom Protestanten, der Katholik nur vom Katholiken abgeurtheilt werden. Damit wäre es aber nicht nur mit allem konfessionellen Frieden, sondern auch mit der Gerechtigkeit vorbei. Denn wenn der Staat einmal durch Aufstellung konfesiioneller Voraussetzungen nir das Nichteramt offiziell die Meinung sanktionirt, dast das Glaubensbekenntnis^ des Urtheilenden betheiligt fei bei der Entscheidung darüber, was blecht und Unrecht ist, dann raubt er selbst seinen Rich' tern die Objektivität ihres Urtheils, dann öffnet er dem religiösen Fanatismus den Eingang in die Justiz, dann trägt er selbst die Schuld, wenn an Stelle ruhiger, streng-rechtlicher Erwägung subjektive Gefühle die Entscheidungen beherrschen. Mit dem Niedergange der Gerechtigkeit aber schwanken die Säulen des Staates." Es wäre zu lvünschen, dast diese hochbedeutsamen Worte aus fruchtbaren und nicht auf steinigen Boden sielen! O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Mcrm», im April. (T e m p c l w e i h e.) Wenn man sich der schonen Zeiten erinnert, wo die vereinzelten jüdischen Kurgäste die verborgensten, entlegensten Winkel aufzusuchen pflegten —■ der Zeiten, wo die jüdischen Reisenden in Linz und Innsbruck nicht übernachten dursten -- wo für jüdische Marktbesucher in Graz ein eigenes Paßburau bestand — wo ein mit achtzehn Kreuzern Konventionsmünze täglicher Apanage bestallter Volizeidiurnist jeden Juden per Er ansprach und die politischen Beamten unterster Rangordnung s'ch der jüdischen Gemeindevorstände zu allerhand Missionen bedienten — so muh man sich sagen, dast die Zeit nicht stille gestanden. Das Verdienst, den Tempelbau ermöglicht und durchgeführt zu haben, gebührt dem Kuratorium der Konigswarterstiftung. Es sind dies die Herren Saniiätsrath Dr. Hausmann, Banquier Stransky, — dem Praktischen Arzte Dr. Koref und Adolf Weil. Sie haben die sich selbst gestellte Ausgabe in eminenter Weise vollfübrt. Der Tempel ist ein einfacher Bau, Außen und Innen ohne Prunk, aber ernst und würdig gehalten, .zweckmäßig eingerichtet und mit reichem elektrischen Lichte versehen. Was noch hie und da fehlen wird, dürfte bald von wohlhabenden Kurgästen Merans zusammengetragen werden. So hat unmittelbar nach der Einweihung das Mitglied des Wiener Gemeindevorstandes, Herr Salo Cohn, sich erboten, gottesdienstliche Gegenstände, die ihm seitens der Tempelverwaltung als erforderlich bezeichnet werden, als Spende zu beschaffen. Die Einweihung selbst war sehr solenn und wohnten derselben ein zahlreiches Publikum, Vertreter der Gemeinden Meran und Untermais, der Kurkommission, der politischen und Gerichtsbehörden, der evangelischen Gemeinde bei. Leo Herzberg-Fränkel in „Bloch's Wochenschrift". Herr Rabbiner Dr. Tänzer aus Hohenems hielt eine herrliche Festrede, die wir aus Mangel an Raum leider hier nicht wiedergeben können. England. London. (Von den Beni-Jsrael.) Wie dem „Jewish Chronicle" aus Bombay geschrieben wird, hat Lord Curzon, der Vizekönig von Indien, gelegentlich seines Besuches des Rajah von Cochin auch die dort seit 300 Jahren bestehende Synagoge besucht. Bei dieser Gelegenheit richtete der Vorstand der Gemeinde im Namen der „weißen Juden" von Cochin an den Vicekönig eine Adresse, in welcher u. A. mitgetheilt wird, daß die Juden von Cochin nach der Zerstörung des zweiten Tempels nach Indien gekommen sind und sich zunächst an der Malabas-Küste niedergelassen haben. Mit der Entdeckung des Seeweges nach Indien und dem Eindringen der Portugiesen an der Westküste von Indien hat sich ihre Lage verschlimmert. Weil in ihrer Mitte Zwistigkeiten ausgebrochen waren, zog ein Theil von ihnen gegen Cochin, wo sie vom Rajah gut ausgenommen wurden. Derselbe schenkte ihnen nahe bei seinem Palaste ein umfangreiches Grundstück, auf dem ste die Judenstadt, sowie die noch jetzt bestehende Synagoge errichteten. Gegenwärtig zählt die Gemeinde von Cochin ca. 200 Seelen, die sich vom Handel ernähren. Ihre Bildung ist nicht sehr hoch, weil „wir," so heißt es in der Adresse, „als Juden unseren Knaben unmöglich die Erlaubniß ertheilen können, den Sabbat zu verletzen und an diesem Tage an der Universität von Madras zur Aufnahmeprüfung zu erscheinen." Vermischtes. Worms. Unlängst brachten die Blätter die Nachricht, daß ein Herr Abraham Wolfs von NewG)ork gestorben und daß er die wohlthätigen Anstalten daselbst testamentarisch mit wahrhaft fürstlichen Gaben bedacht habe. Auch die hiesige jüdische Gemeinde, auf deren Friedhof t Verwandte Wolfss beerdigt liegen, hat ein Legat von Mk. 6000 erhalten, aus dessen Zinsen die Gräber für ewige Zeiten erhalten werden sollen, wäh end der Rest wohlthätigen Zwecken gewidmet werden darf. Tie Stiftung liegt zur Zeit Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog zur landesherrlichen Genehmigung vor. Briefkasten der Redaktion. ft. <*. in Mad.: Wenden Sie sich an Herrn Dr. Korn bl um, Wiesbaden, Taunusstr. 33,35. I. R. in H.: Stellenvermittelungsverein in Hamburg, Steinwegpassage. Verein zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit, Fankfurt a. M., Schützenstraße 14.