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Der Israelit · 1901-08-01 · Heft 60 (1.8.1901) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 60 (1.8.1901)
Date
1901-08-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1325 Weihung nicht mehr erlebt. Sie ist vor Kurzem unerwartet verstorben. Das Gotteshaus enthält auch zugleich Räume für die Schule, Lehrerwohnung und sonstige Gemeindeeinrichtungen. Es hat eine eigene Gasbeleuchtung, Wasserleitung und wird eine Zierde für die Gemeinde bilden. Zu den Feierlichkeiten trifft der ganze Ort Vorkehrungen. Es ist eine eigene große Festhalle errichtet, ein Theil der Regimentsmusik des Leibgarderegiments Nr. 116 in Darmstadt gewonnen, und da ein großer Zuzug fremder Gäste erwartet wird, so verspricht es einen glänzenden Verlauf zu nehmen. Aus« dem Elsasr. Am vergangenen Rosch Chodesch Aw fand in Altkirch i. E. eine jüdische Trauung statt. Der daselbst amtirende Rabbiner Levy hat die Trauung vollzogen. Commentar überflüssig. — In einer der letzten Nächte wurde in der neuerbauten Synagoge in Mülhausen eine größere Scheibe eingeschlagen. Der Schammes fand den Stein am darauffolgenden Morgen auf dem Almemor. Der ruchlose Thäter ist bis zur Stunde unbekannt. Oester r. - Ungar. Monarchie. Wien, im Juli. (Nur für Menschen.) Eine recht lehrreiche Geschichte erzählt das „Jüd. Volksbl." Es schreibt: Die Freimaurer haben ihre gute Seite. Sie betreiben Wohlthätigkeit im großen Stil, ohne viel Marktschreierei; es fällt ihnen das allerdings nicht schwer, denn der Begriff des „freien Mannes von gutem Rufe" hat sich bei ihnen zu dem Begriffe des Mannes mit goldgefüllter Kaffe oder wenigstens mit goldgesticktem Kragen verdichtet. Für uns Juden kommt ein anderer, viel schmerzhafterer Umstand in Betracht. Die Wiener Freimaurer bestehen zu neun Zehntel aus Juden; Grund genug, daß sie ihre Wohlthätigkeit nur auf Christen beschränken. Es war vor einem Jahre; der große Kohlenarbeiterstreik war zu Ende; ich unterhielt mich mit einem Mitgliede der Loge „Humanitas," das mir erzählte, welche große Summen für die Kohlenarbeiter von Seiten der Freimaurer gespendet tvurden. Ich erzählte ihm nun von dem Elend der rumänischen Juden, die sich zur Auswanderung vorbereiten. Da zuckte er die Achseln: „Ich weiß davon, aber wir Freimaurer dürfen für Juden nichts thun; nur für Menschen." Als ich fragte, ob denn die Juden ferne Menschen seien, blieb er die Antwort schuldig. Also aus lauter Formalismus, aus blödem Firlefanz lehnen reiche Juden jede jüdische humanitäre Thätigkeit ab. Das ist die Kehrseite des Freimaurerthums für uns Juden." England. London. Im Auswärtigen Amte fand am 4. Juli eine Audienz englischer Antisemiten bei Lord Salisbury statt. Die Herren Antisemiten beschwerten sich über den unlauteren Wettbewerb der „Fremden," sowie über die von denselben in den Arbeitervierteln Londons hervorgerusene Wohnungsnoth. Sie forderten das Eingreifen der Gesetzgebung und gaben dem englischen Premierminister in verblümten, aber doch ziemlich unzweideutigen Worten zu verstehen, daß sie die Regierung, falls diese sich weigern sollte, gegen die fremden Einwanderer die Klinke der Gesetzgebung in die Hand zu nehmen, durch große Volksdemonstrationen zur Nachgiebigkeit zu zwingen wissen werden. Die Antwort des Lord Salisbury lautete sehr diplomatisch. Ohne den Ernst der Lage verkennen zu wollen, niüffe er doch sagen, daß die Sache „lange nicht so schlimm sei." Die ganze Fremdenfrage sei übrigens eine Angelegenheit, die sich auf gesetzgeberischem Wege nur schwer erledigen lasse. Im Uebrigen wolle er die Sache nicht aus den Augen lassen. Bezeichnender Weise wurde während der ganzen Dauer der Audienz von keinem der Anwesenden da? Wort „Jude" ein einziges Mal in den Mund genommen. Es wurde immer nur von den „fremden Pauper" gesprochen, obgleich einer der Wortführer der englischen Antisemiten, Mr. Dewar, in einer Versammlung der britischen „Brüder", wo er sich weniger genirt fühlte, ausdrücklich erklärt hat, daß er weder gegen die Fremden, noch gegen die „Paupers" etwas hätte, insofern diese keine Juden wären. Der Umstand, daß die Judenfeinde in England einstweilen nicht als Antisemiten, sondern als harmlose „Antiitalienisten" auftreten, verleitet manchen kurzsichtigen Juden dazu, sich dieser durch und durch antisemitischen Bewegung anzuschließen. Man braucht sich daher nicht allzuschwer zu wundern, daß unter den Parlamentariern, welche von Lord Salisbury in Audienz empfangen wurden, neben dem bekannten Mr. Guthrie, sich auch der jüdische Abgeordnete H. S. Samuel einfand, der von den Juden East Londons in's Unterhaus gewählt wurde. In einer Unterredung mit einem Vertreter der „Jewish Chronirle" gab er vor, durch sein Eintreten für die Erschwerung der Fremdeneinwanderung die ureignen Interessen seiner jüdischen Wähler wahrgenommen zu haben. „Geht es mit der Einwanderung so weiter, so kann ich mich nicht dafür verbürgen, daß die Bevölkerung Londons sich nicht eines Tages gegen die Juden erhebt." Damit gab aber Air. Samuel indirekt selber zu, daß die Deputation, welche in der Audienz bei Lord Salisbury nur von den „Fremden" gesprochen, eigentlich nur die Juden gemeint hat. Einer gegen die Juden gerichteten Bewegung darf sich aber ein ehrenhafter Jude unter keinen Umständen anschließen. Im Uebrigen ist and) Mr. Samuel mit Lord Salisbury der Ansicht, daß hier aus gesetzgeberischem Wege wenig zu machen sein wird. Er schlägt daher als das einzige Mittel, England vor der andrängenden antisemitischen Hochsluth zu schützen, vor, alles aufzubieten, um das große Ghetto von London zu evacuiren. Dieses läßt sich aber erst recht auf gesetzgeberischem Wege nicht erreichen, und

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