Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 26-27 (2.4.1901)
- Date
- 1901-04-02
- Page
- – (sequence 62)
- Language
- German
- Belongs to
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dass die Schale, die gegenwärtig hundert Schüler zählt, eine grosse Zaknnft hat. Einige Schüler, die Djedeida verlassen haben, ich meine diejenigen, die vier Lehrlingsjahre hinter sich hatten, haben bereits gute Anstellungen gefunden. Herr Pariente hat die Zuhörerschaft auch über die Association der ehemaligen Schüler der Alliance aufgeklärt, über die Abendkurse für die älteren und die mit diesen erzielten Resultate im Laufe von acht Jahren. Der Redner fand allgemeinen Beifall; Herr Machuel antwortete darauf folgendermassen: „Wir folgen mit dem grössten Interesse Ihrem Werke, und seien Sie versichert, auch mit dem grössten Wohlwollen den Fortschritten, welche die israelitische Bevölkerung in Tunis macht. Wir beglückwünschen Sie zu dem neuen grossen Erfolge, und erkennen freudig ihren unermüdlichen Eifer an. Herr Pariente, dessen Ausdauer seiner Thätigkeit nicht nachsteht, hat wie sein Vorgänger es verstanden, die jungen israelitischen Leute zu einem Handwerk zu erziehen; es war nothwendig, dieselben auf das Handwerk hinzu weisen, um sie vor dem Bettelstab zu bewahren. So leistet Ihr Lehrlingswerk, die Ackerbauschule zu Djedeida, grosse Dienste, und verspricht Grosses für die Zukunft. Die Gründung dieser Handelsschule, die wir heute einweihen, entspricht nicht nur einem Bedürfnisse, sondern bedeutet auch einen moralischen Erfolg. Der Fachunterricht wird Ihre jungen Leute lehren, dass der Kaufmann in seinem Geschäfte nicht nur Ordnung und Thätigkeit, sondern auch eine genaue Kenntniss alles dessen besitzen muss, was zum Verkehr erforderlich ist. Ich beglückwünsche daher die Alliance Israölite und Herrn Pariente zum Schaffen dieses verdienstlichen Werkes, und spreche meine besten Wünsche für den Erfolg und das Gedeihen desselben aus." Diese Ehrung hat grosse Sensation gemacht. Eine neue Organisation und ein spezielles Programm mussten ausgearbeitet werden für jeden Bezirk und für jede Scbulgruppe, um den Bedürfnissen, Ansprüchen und selbst den Vorurteilen der verschiedenen Bevölkerungen, deren Kultur-, Lebens- und Denkweise so verschieden sind, Rechnung zu tragen. Man muss auch, wenn man die durch die Schulen erzielten Resultate betrachtet, zuerst daran denken, dass einige der ersteren neue Schöpfungen sind, die darum noch keine grossartigen Erfolge aufweisen können, und dass die begabten und willigen Schüler inmitten vieler anderen, die Halbbarbaren sind und denen der Unterricht widerstrebt, arbeiten müssen. Gewisse Schichten der Bevölkerung haben die Schulen, womit man ihnen eine Wohlthat erweisen wollte, mit Misstrauen, ja sogar mit Feindseligkeit aufgenommen, und lange haben sie dieselbe mit scheelem Auge angesehen. Später jedoch sahen sie ein, dass die Alliance nicht gekommen, um das religiöse Leben zu schwächen, sondern im Gegen* 1 heil bemüht sei, dasselbe zn kräftigen und die religiösen Gefühle zu reinigen, dass sie sich allein zum Ziele gesetzt, den Kindern den Geschmack an nützlicher Arbeit beizubringen, sowie ihnen das Gefühl für moralische Würdigkeit einzupflanzen und ihnen ein sicheres Fortkommen zu schaffen. Ueberall beginnen jetzt die jüdischen Glaubensgenossen einzusehen, welchen Werth das Werkzeug besitzt, das die Alliance ihren Kindern in die Hände gegeben, und wie die Zöglinge der Schulen ihren älteren Kindern, die keinen Unterricht genossen haben, weit überlegen sind; die Vorurtheile weichen vor dem wohlverstandenen Nutzen ihrer Kinder. Sie geben die bestimmtesten Zeichen ihrer Befriedigung; sie bringen sogar Opfer für die Erziehung ihrer Kinder; sie steuern immer mehr zu den Kosten der Schulen bei. Man muss nun nicht glauben, dass diese Veränderung der Haltung der Gemeinden dem Wunsche entsprungen sei, sich bei der Alliance beliebt zu machen. In gewissen Gemeinden haben sich die Beiträge für die Schulen verdoppelt, ja, seit einigen Jahren verdreifacht, und doch fällt es Keinem ein, sich jetzt der für den Unterricht zu tragenden Last zu entledigen. Im Jahre 188 5 betrug die Gesammtausgabe für die Schulen 515,000Francs, wozu die Gemeinden 250,000 Francs beitrugen. Im Jahre 1890 war die Gesammtausgabe 625,000 Francs, der Gemeindebeitrag 300,000 Francs; im Jahre 1895 trugen die Gemeinden bei einer Gesammtausgabe von 740,000 Francs 350,000 Francs bei; im Jahre 1899 leisteten die Gemeinden einen Beitrag von 465,000 Francs bei einer Totalausgabe von 996,000 Francs. Diese Zahlen sprechen beredter als alle Worte. Ein Eiziehungswerk wie das der Alliance kann keine Feinde haben, aber es hat Verleumder, welche, da sie das Ganze der Einrichtung nicht zu beurtheilen vermögen, das Prinzip verdammen oder die Organisation tadeln, weil sie dar in einen Mangel oder einen Missgriff der Verwaltung entdeckt zu haben glauben, weil sie einer jungen vertrockneten Frucht oder irgend einem aus der Schule der Vereinigung hervorgegangenen faulen Handwerker begegnet sind. (Fortsetzung folgt.) Dreck der Jeh. Wirth’schen Hofbuchdruokerei Aetien-Gesellschaft, Mainz.