Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 24 (25.3.1901)
- Date
- 1901-03-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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568'’ d»n Absichten erlauchter Behörden wirken zu können, meine ganze Kraft auffordern würde. Ew. Hochwohlgeboren verzeihen, wenn ich einfach meine Bitte vorgetragen habe und um Ihre Gewogenheit ergebenst ansuche. Ich weiß, daß nicht meine Verdienste mich der Erfüllung dieser Bitte würdig machen, sondern nur etwa die Erwartung, daß ich mir solche erwerben könnte, und das lebendige Interesse, welches ich an dem Berufe nehme, der meinen inneren Bestrebungen entspricht. Ebensowenig habe ich auch, als Ausländer, äußere Ansprüche für diese Stelle geltend zu machen, und blos die Gewißheit, daß eine erleuchtete Regierung bei der Besetzung einflußreicher Stellen einen weiteren Blick hat, als auf die Grenzen des Landes, und noch mehr für die Gesammtheit ihrer Unterthanen, als für den einzelnen Inländer Sorge trägt, kann den Gedanken, daß ich auch äußerlich so wenig zu dieser Bitte berechtigt bin, von mir entfernen. Mögen dieselben mich endlich entschuldigen, wenn ich zuviel über Dinge zu sprechen mir erlaube, die denselben bester bekannt sind, als mir, und wenn ich über meine Person mehr gesprochen habe, als es sich ziemt. Ich glaubte, dies sagen zu müssen und hoffte, hierdurch nicht die vollkommenste und ehrerbietigste Hochachtung aus den Augen zu setzen, mit der ich die Ehre habe zu sein Ew. Hochwohlgeboren gehorsamster Diener D. Abraham Geiger. Sr. Hochwohlgeboren dem Herrn Ministerialrathe B e k k Präsidenten des Großherzogl. Israelit. Oberrathes in Carlsruhe. Ein Wort des Eommentars müßte den Eindruck dieses äoeumtznt humain. biefer Aeußeruna einer schönen Seele ssören! X. Zeitungsnachrichten nnd Eorrefpondenzen. Deutschland. Mainz, 24. März. Herr Grand-Rabbin I. Lehmann, Direktor des Israelit. Seminars von Frankreich zu Paris, ersucht uns, in unserem Blatte bekannt zu geben, daß er oder sonst irgend ein Mitglied des von ihm geleiteten Instituts in absolut keiner Beziehung stehe zu den Artikeln, die im „Univers Jsraelite" erschienen und mit R. T. gezeichnet seien. Das Seminar würde in streng konservativem Sinne geleitet. Da in einem unserer jüngsten Artikel behauptet war, daß die erwähnten Aufsätze aus der genannten Hochschule stammen, so nehmen wir keinen Anstand, die Berichtigung des Direktors hierdurch zur Kenntniß unserer Leser zu bringen. Mainz, 24. März. Die mit so großem Applomb in die Welt gesetzte Idee des Deutschen Judentages ist bekanntlich, sobald sie greifbare Gestalt annehmen sollte, wie das Hornberger Schießen verlaufen. Ueber die Beschlüsse, die in jener famosen Versammlung vom 27. Dezember v. I. in Berlin gefaßt worden sind, haben wir z. Z. ausführlich berichtet. Es wurde beschlossen, daß nian später beschließen wolle. Jetzt veröffentlichen Berliner Blätter über eine zweite derartige Versammlung böchst langweilige spaltenlange Berichte, in der zuletzt beschlossen wurde, daß in einer späteren Versammlung etwas, was heute noch Niemand iveiß, beschlossen werden solle. Die Ueberschrift über diesen langweiligen Bericht führt in den Berliner Blätern den stolzen Titel: „Verband der Israeliten Deutschlands." Also zu den vielen Vereinen und Verbänden ein neuer Verband auf die alte Wunde. Ob sie damit geheilt werden wird? Wir möchten es bezweifeln. Ein Antrag, zur nächsten Versammlung einen oder zwei Vertreter der Zionisten zuzuziehen, wurde mit allen gegen drei Stimmen abgelehnt. Den Zionisten wird schon lange so Angenehmes nicht mehr passirt sein. Mainz, 24. März. In der bekannten Klagesache des Bischofs von Königgrätz gegen die Redakteure der in Frankfurt erscheinenden „Kleinen Presse" und den „Freidenker" in Wiesbaden, hat das Landgericht den Beschluß des Amtsgerichts aufgehoben und ist das Hauptverfahren gegen die beklagten Redakteure an dem hiesigen Schöffengerichte eröffnet. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Ribol§bttrg, 20. März. Vor Kurzem verschied hier Herr Hermann Deutsch, Obmann der Chewrah Kadischah, im 72. Lebensjahre. Dreißig Jahre hindurch gehörte er dem letztgenannten Vereine an und zeichnete sich durch schätzenswerthe Eigenschaften, die sich in der Pflege der Kranken, dem Beiwohnen bei Sterbenden äußerten, aus. Keine noch so ekelhafte, noch so ansteckende Krankheit, hielt Hermann Deutsch ab, Lüerte der Mildthätigkeit zu üben. An dem Leichenbegängniß betheiligte sich ein ungewöhnlich zahlreiches Publikum. In der Friedhofshalle hielten der greise Rabbinats-Administrator Joseh K n o p f -n a ch e r und Rabb. Dr. F e u ch t w a n g zu Herzen gehende Reden, in welchen sie auf den großen Verlust, den die hiesige Gemeinde durch das Dahinscheiden des Herrn Deutsch erlitten, hinwiesen, seiner rastlosen Thätigkeit, die er im Dienste der Chewrah Radischah entwickelte, und seiner streng-religiösen Gesinnung gedachten. Briefkasten der Rcdaetion. M. L. in L.: Setzen Sie fick mit dem Vorstande der Gemeinde unD dem zuitändigen Rabbiner, bzw. Schulinspector, in Verbindung.