Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 23 (21.3.1901)
- Date
- 1901-03-21
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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554 schulbigunq verbreiten. Denn derlei antisemitische Agitationen sind ebenso verabscheuungswürdig als gefährlich. Sie bezwecken, den patriotischen Juden das Brandmal eines Mordes auf die Stirne zu drücken. „Alkotmany" schloß eine seiner Besprechungen des Nameßtoer Falles mit den Worten: „Oder wissen die „Alkotmany" mich und jeden Juden vor der Welt brandmarken. — Präs.: Was veranlaßte Sie, einen so starken Ton in Jbrem Artikel anzuschlagen? — Angel!.: Die Tendenz, die in den Artikeln des „Alkotmanv" deutlich ausgedrückt ist. Präs.: Welche Tendenz ist das eigentlich? — Angekl.: Die Entsachung des konfessionellen Hasses. Ich habe und hatte dabei nicht die Person des Herrn Bonitz im Auge. Präs.: Weßhalb erklärten Sie denn nicht in Jbrem Blatte, daß Sie Herrn Bonitz nicht beleidigen wollten? Angekl.: Ich habe dies ja gleich bei meinem ersten Verhör bei Gericht erklärt, daß ich in meinem Artikel nur eine allgemeine große Wahrheit ausdrücken woMe. Ich wollte Niemanden in seiner Privatehre verletzen. Präs.: Das Gericht kann einen Menschen nicht in Stücke theilen, um zwischen seiner privaten und seiner anderweitigen Ehre zu unterscheiden. Privatkläger Bonitz, lagen Sie, welche Tendenz verfolgt das Blatt „Alkotmany." Privatkl. Bonitz: „Alkotmany" ist das Organ der Volkspartei und verfolgt christlich-ungarische Tendenzen. Schließlich zieht Vrivatkläger in Folge der Erklärung der Angeklagten, daß sie Herrn Bonitz in dessen Privatebre nicht beleidigen wollte und daß sie es unter voller Aufrechterhaltung ihrer Grundsätze bedauere, wenn Bonitz ihre Auslassungen auf sich beziehe, die Klage zurück, worauf der Gerichtshof das weitere Verfahren in dieser Angelegenheit einstellte. Käniggräfi, 18. März. (Eine scharfe V e r u r t h e i l u n g des „R i t u a l m o r d es".) Der hiesige Bischof Dr. Vrynych hat beim Schöffengericht in Mainz gegen die verantwortlichen Redakteure der Frankfurter „Kleinen Presse" und der Wiesbadener Zeitung „Der Freidenker" eine Verleumdungsklage eingebracht, die folgende, mit dem Hilsner-Prozeß zusammenhängende Vorgeschichte hat: In einigen reichsdeutschen Zeitungen, darunter in den genannten Blättern, erschienen vor kurzer Zeit Artikel, die den Polnaer Mord behandelten. Unter Anderem wurde in den Artikeln ausgeführt, daß der Bischof von Königgräh, Dr. Brynych, von der Kanzel herab gevredigt habe, es liege im Falle ein erwiesener „Ritualmord" vor. Dr. Brynych beauftragte den Centrumsabgeordneten Dr. Schmitt in Mainz, gegen die erwähnten zwei Blätter einen Strafantrag zu stellen. Die Klage, welche beim Schöffengericht in Mainz eingebracht nnrrde, enthält wörtlich folgende Stellen: Der Privatkläger ist seit dem Jahre 1894 in der .Kirebe von Polna überhaupt nicht gewesen, und hat weder in Polna, noch in Königgrätz über den „Nitualmorv" gevredigt. Die Beschuldigung gegen das Judenthnnr, als ob in seinem Ritus irgendwelche Vorschriften bestünden, welche den Gebrauch von Ehristenblut verlangen, ist seit jeher von den Juden bestritten worden, ilt von hohen Autoritäten der Wissenschaft und den höchsten Würdenträgern der katholischen Kirche als unwabr bezeichnet worden. Sicherlich hat noch „Niemand eine Vorschrift des jüdischen Ritus Nachweisen können, in der auch nur die geringste Andeutung für das Vorhandensein eines solchen barbarischen Gebrauches gefunden werden könnte." Die Klage führt dann weiter aus, daß die Beleidigung, die in der Insinuation liegt, ein katholischer Bischof könne eine derartige Aeußerung gethan haben, eine schwere ist, da er damit die ihm anvertrauten Gläubigen in bewußter Weise täuschen und Bürger gegen Bürger aufreizen würde, was eine abscheuliche Handlung wäre. (Das Mainzer Gericht hat sich inzwischen als ineompetent erklärt.) Anzeigen. -W» Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. Schluß der Inseratenonnahme ist stets: für die Montagsnummer, Sonntag Früh s Uhr, für dke Donnrrstagsnummer, Mittwoch Mittag IS Uh«. Unser Klatt gelangt regelmäßig Montag und Donnerstag in den Abendstunden xum Versandt. Reklamationen wegen ru späten Eintreffen« »■ neve man bei der betreffenden postanstalt ju machen. Effecten ans Thifferannoncen werden täglich, mit Ausnahme von Samstag und Könnt«-, wciterbcfordert. Knaben, welche eine-der hies. Vorzug!, höheren Schulen besuchen wollen, finden in m. Familie liebevolle Aufnahme und gute Verpflegung. Gewissenhafte Beaufsichtigung sämmtl. Schularbeiten. Beste Referenz. Joseph Marx, Gießen, Religionslehrer und Cantor. [6000] Isreie Bereinigung für die Interessen des orth. Jndenthrirns. Theflllin und 9Kegusoth, unter Aufsicht Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiner Dr. Brener in Frankfurt am Main angefertigt, sind zu beziehen durch A. J.H o f«r a nn, Buchhdlg., Frankfurt a. M., Allerheiligenstraße 87. ThefUlin, kleinere Sorte, Mk. S., die größeren zu entsprechend höherem Preis. Die Thefillin und Mesusoth sind mit dem Siegel der Freien Vereinigung versehen. [890 Tn besserer Familie findet rl Schüler oder Schülerin liebevolle Pension mit Beaufsichtigung der Schularbeiten, bei mäßigem Preis. [2213 Leopold Kurzweg, Posen, Brertestraße 20 I. Bruxelles. 28 Rue Dafacqz (Avenue Louise). Pensionnat israelite de demoiselles dirigi par [27a Mlle. Bloemendal.