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Der Israelit · 1901-03-21 · Heft 23 (21.3.1901) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 23 (21.3.1901)
Date
1901-03-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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537 Die oft zu Tage tretende Eigentümlichkeit, daß gerade das am nächsten Liegende so leicht übersehen wird und nicht zur Verwerthung kommt, tritt auch bei der Auswahl der Gegenstände zu Tage, welche das Gros unserer Prediger und Redner ihren Vorträgen zu Grunde legen. Daß die Worte der Thora und die Aussvrüche unserer Weisen in Agava und Midrasch seit undenklichen Zeiten den festen Punkt bilden, von welchem alle homiletischen Betrachtungen ausgehen und ut weichem sie zurückkehren, beruht naturgemäß darauf, daß diese heiligen Schriften Gemeingut des ganzen Volles ßnd und sie somit die leichteste Gelegenheit vieten. an Bekanntes anzuknüpfen, um einem neuen Gedanken eine entsprechende äußere Fassung zu geben. Bei der großen, systematisch großgezogenen Unwissenbeit, auf die wir heute so vielfach stoßen, ist die Vertrautheit mit der Thora und gar mit den Ausspriichen unserer Weisen bei weitem nicht so groß, als z. B. mit dem Inhalt unferer Tefilla. Diese homiletisch zu ver- 'verthen, sie zum Gegenstand der Betrachtung zu machen und an ihren Inhalt die zum Ausdruck zu bringende Gedanken zu kniivfen, wie es allgemein mit den Anssprüchen von Thora und Midrasch geschieht, dürfte sich aus verschiedenen Gesichtspunkten sehr empfehlen. Schon der Verfasser des wW' hat in diesem seinem Werke einer solchen Behandlung der n^en das Wort acredest im wu r"von Rabbi Jonathan Eibeschütz finden mir in dessen rtr'-T die Schemone Esre fortlausend erklärt, in neuerer Zeit hat auch Rabbi Schalomo Pleßner den Inhalt unserer Tefilla vielfach hoiniletisch verwertet, aber allgeniein hat diese Anregung nicht diejenige Beachtung gefunden, die sie doch in boheni Grave verdient. Die Gründe dafür aufzusübren, würde uns zu weit von dem Gegenstand dieser Betrachtungen entfernen, ivelche eine Würdigung der Hagada schel Peßach, wenigstens für die Woche vor Peßach, zur Erlvägung nahe legen möchten. (Schluß folgt.) Heituirgsrsachrichteu und Correfpondenze,». Deutschland. .^nlderskadt, IS. März. Es dürfte, zumal bei dein erfreulicher Weise wachsenden Interesse, das die Gegenivart dem Turnwesen entgegenbringt, auch die roeitcrc Desfentlicksteit interessiren, daß seit Kurzem in unserer Stadt ein Turnklub jüdischer junger Kauflcnte besteht; ein erfreuliches Zeichen mehr, daß auch in Kreisen unserer Glaubensgenoffen, die, wir müssen es leider gestehen, in dieser Beziehung sich etwas im Hintertrefsen gehalten, das Interesse und Verständniß für di^se vielleicht größte pädagogische Errungenschaft des 19. Jahrhunderts sich zu regen beginnt. Unser Turnklub, der im Juli v. I. auf Anregung des jetzigen Vorsitzenden, Herrn Moritz Kayser, gegründet wurde, veranstaltete am 2. März sein erstes Schauturnen, bei welchem die durchweg äußerst schneidig und erakt allsgeführten Darbietungen ein schönes Zeugniß ablegten für den Eifer und den Ernst, mit dem der junge Verein seine Aufgabe betreibt. Die schöne Feier, der ra. 300 Personen beiwohnten, wurde durch Auffiihrungen und fröhlichen Tanz beschlossen. Unsere Gemeindemitglieder interessiren sich lebhaft sin die Bestrebungen des Vereins, was daraus hervorgeht, daß bereits 45 derselben dem Klub als passive Mitglieder beigetreten sind. München. (I s r. F r a u e n v e r e i n — eingetr. Verein.) In dem im Juni vorigen Jahres verstorbenen .Herrn Eommerzien- und Magistratsrath Louis Reichenberger verlor der Verein seinen langjährigen ersten Eontrolleur und einen überaus eifrigen Förderer der Vereinsbestrebungen. Die Einführung des bürgerlichen Gesetzbuches und die Gründung des Israelitischen Krankenschwesterheims, an welcher sich auch der Israelitische Frauenverein betheiligte, erforderten eine Revision der Satzungen, tvelche in der Mitgliederversammlung vom 7. Juni 1000 beschlossen wurde. Die Vorstandschaft des Vereins betont im Rechenschaftsbericht pro 1000, daß sich die Aufgaben des Vereins fortgesetzt großer und mannigfacher gestalten und richtet daher an die Mitglieder das Ersuchen, für Gewinnung neuer Freunde und Förderer der VereinsbeiGebungen eitrig zu wirken. Gleichzeitig wird den Sernm Aerzten, welche für den Verein thätig sind, der aufrichtigste Dank für ihr verdienstvolles Wirken ausgedrückt, ebenso den edlen Spendern von Schenkungen und Legaten. Unter Anderen spendeten: Mk. 300 Herr Amtsrichter Ansbacher anläßl. des Ablebens seiner sel. Mutter, Mk. 1000 Herr Commerzienrath Louis Reichenberger (Legat), Mk. 300 Herr Justizrath Dr. Julius Rau (Legat). Vereinnahmt wurden I960: An Mitgliederbeiträgen Mk. 6781.97. Schenkungen Mk. 3246.60, Legaten Mk. 1300, zusammen Mk. 11,328.47. Verausgabt wurden: An Kranke, Wöchnerinnen, für Apotheke und Aerzte Mk. 4616, für regelmäßige Unterstützungen Mk. 3800. außerordentliche Unterstützungen Mk. 730, Feiertags-Unterstützungen Mk. 10.66, Victualien, Eßbillete, Weine Mk. 634.60, Fremdenunterstüßungen Mk. 146, an das Israel. Schwesternheim Mk. 600, Miethe und Regie Mk. 914.60, Diverses Mk. 133.40, zusammen Mk'. 12,438.60. Das Vereinsvermögen weist aus: In Effekten einen Rominalwerth von Mk. 80,900, sowie 1629.61 Mark Eassa und Bankguthaben. Die Vorstandschaft pro 1901 bilden: Die Damen Frau Johanna Kohn, erste Vorsteherin, Rabb. Rosa Werner, zweite Vorsteherin, Rahel Fränkel, Bernhar-

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