Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 23 (21.3.1901)
- Date
- 1901-03-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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42. Jahrgang. M% 3. Der Israelit. Ein Kenlrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Begründet von »r. IT* Jj manu in Iffltaiuf. Donnerstag, den 21. März 5661 (1S61). fflfldÄlBr** Da mit dem 1. April 19oi ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1901 eingetragen unter Ar. 3762. sJteu eintretende Abonnenten (Postabonnenten gegen Vorlage der Postquittung) erhalten das Blatt bis Ende dieses Monats gratis. leitender Artikel. $i)ii Wbi bis M W iiiib Miial von Rabbiner Dr. Bondi M a i n z, 19. März. II. Das Sterbejahr R. Juda des Heiligen ist naturgemäß das Ausgangsdatum für denjenigen, der die große Evoche unserer Geschichte vom Abschluß der Mischna bis zum Abschluß der Gemara erforschen und schildern will. Dieses Datum, der Grund- und Eckstein für sein Gebäude, mußte Herr Halevy zuerst sicher stellen. Nachdem Rappaport ziemlich richtig das Jahr 192 d. g. Z. als das Jahr des Hinscheidens Rabbi's angesehen hatte, haben Neuere, besonders Grätz und I. H. Weiß, indem sie sich auf falsch verstandene Agadastellen stützten und besonders auf eine falsche Lesart im Jeruschalmi herausgerechnet, daß Rabbi nicht vor dem Jahre 210 gestorben sein könne. Für den Leser, der die Quellen nicht nachschlägt, scheint der Beweis stichhaltig und so haben die neueren Schul- und Hausbücher für nachbiblische Geschichte kritiklos dieses nachgeschrieben und die Lebenszeit Rabbi's bis 210 oder gar 220 reichen lassen. Der Beweis lautet folgendermaßen: R. Simon b. Gamliel sagt von sich, daß er bei der Zerstörung der Festung Bether ein Kind gewesen sei. Das Jahr der Zerstörung Bether's ist 135. Damals war R. Simon *) Vergleiche Nummer 15. den Gamliel 6 Jahre alt. R. Simon's Sohn Rabbi kann also nicht vor 150 geboren sein, ungefähr das 20. Lebensjahr seines Vaters. Nun wird in der bekannten Boraitha Kinjan Thora dem Rabbi und seinen Söhnen Greisenalter zugesprochen. Rabbi wäre demnach das Allermindeste 60 Jahre alt geuwrden. Zählen wir zu 150 diese 60 Jahre hinzu, so haben wir als das Früheste für den Tod Rabbi's das Jahr 210. Quod erat demonstrandum. Dieser scheinbar unumstößliche Beweis giebt Herrn Halevy gleich zu seiner Einführung die Gelegenheit, uns die fast beispiellose Leichtfertigkeit von Grätz und Genoffen in einem neuen Bilde zu zeigen. Was die dem Beweis zu Grunde liegende Agadastelle betrifft, so meift uns Herr Halevy auf zwei verschiedene Aussprüche des R. Simon ben Gamliel hin. In dem einen, Baba Kama 83, sagt R. Simon, daß nur er und ein Brudersohn seines Vaters nach den schrecklichen Zeiten des Hadrianischen Krieges übrig geblieben sei von tausend jungen Leuten, die sich im Hause seines Vaters zur Hälfte dem Thorastudium und zur andern Hälfte griechischer Wissenschaft hingegeben hätten. In Gitin 58 klagt R. Simon über die Millionen von Schulkindern, die beim Falle von Bether vom Feinde in die Rollen ihrer Schulbücher eingehülli, grausam hingemordet wurden. R. Simon sagt mit keinem Worte, daß er unter diesen Schulkindern von Bether gewesen sei. Ein Parallele zu der zitirten Stelle aus dem Vabli Gitin findet sich fast wörtlich im Jeruschalmi Taanit 4, nur daß dort durch einen Fehler der Abschreiber, wie Halevy überzeugend nachweist, die Worte xv c'r.aoi „Von allen diesen Kindern bin nur ich übrig geblieben" aus der Vablistelle Baba Kama hereingekommen sind. R.