Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 22 (18.3.1901)
- Date
- 1901-03-18
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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42. Jahrgang. Zweite Anlage zu M 22 des „Israelit". Literarisches. Dchinoth. Andachtsbuch für jüdische Frauen und Mädchen, von Fanny G.r. Mainz. I o h. Wirth 'sche Hofbuchdruckerei A.-G. Der Mangel an guten jüdischen Erbauungsschriften, die den hellen jüdischen Geist und das warme jüdische Gemüth in zeitgemäßer Form zum Ausdruck bringen, macht sich besonders bei den häuslichen Andachtsbüchcrn für Frauen und Mädchen empfindlich bemerlbar. Die alten hierhergehörigen Schriften, welche das Denken und Empfinden unserer Frauen in den gehobenen Momenten des Lebens zum treuen Ausdruck bringen, sind durch die äußere Form und Sprache veraltet. Die neuen Versuche, welche nach dieser Seite hin gemacht wurden, erreichen die alten Vorbilder nicht und die meisten verrathen nicht einmal das Streben und das Verständniß, das für eine Nachbildung und Neuschaffung dieser Litteratur erforderlich wäre. Es machen sich hier die Schwierigkeiten noch viel intensiver geltend, als bei der Erbauungslitteratur im allgemeinen. Ein rechtes, volksthümliches Andachtsbuch für Frauen und Mädchen muß eine Dame zur Verfasserin haben, muß ans der Tiefe eines edlen Frauenherzens fließen, wenn feine Worte die Geister und Gemüther unserer Beterinnen ergreifen und erheben sollen. Es gehört dazu eine Höhe des Geistes und eine Tiefe des Geniüthes, verbunden mit einer vielseitigen Kenntniß unserer heutigen Quellenschriften, ferner eine Beherrschung der Svrache und des Gedankens, kurz Eigenschaften, welche eine Verfasserin sehr selten vereinigt. Ilm so freudiger hat uns das vorliegende Andachtsbuch überrascht, welches eine Verfasserin verräth, die alle diese Anforderungen in schönster Harmonie vereinigt. Es spricht aus diesen Gebeten für die ernsten und heiteren Momente des Lebens eine ungemein hohe Auffassung des jüdischen Lebensberufes im Allgemeinen und des Frauenberufes im Besonderen. Die Fruchtbarkeit der Gedanken, die Gluth des Empfindens, das zuversichtliche Gottvertrauen, getragen von einer edlen, schlichten Einfachheit der Sprache, haben in diesem Buche eine Ensemble geschaffen, das unsere kühnsten Erwartungen übertrifft. Es ist der Geist Samson Raphael Hirsches, der uns aus dem Buche entgegenweht, gefaßt in die edle, milde Sprache einer im Gebet zu Gott stch emporringenden Gattin und Mutter, welche mit ihrem Sinnen und Denken, ihrem Lieben und Hoffen, das gewöhnliche, alltägliche Leben und Streben verklärt und auf den Schwingen ihrer Andacht die mitlebende Schwester zu der Höhe ihrer geläuterten Lebensanschauung, ihres unerschütterlichen Gottvertrauens, hoch über die großen und kleinen Freuden und Leiden des Lebens zu Gott empor hebt. — Wir wünschen dem auch äußerlich geschmackvoll ausgestatteten Buche recht viele Beterinnen und sind ihres Dankes sicher, sie auf diese kostbare Perle aufmerksam gemacht zu haben. Zeitungsnachrichten und Correspondenze«. Deutschland. Köln, 10. März. Ueber „Judentage" schreibt die „Kölnische Zeitung": In den Kreisen der deutschen Juden machen sich seit einiger Zeit die Bestrebungen geltend, eine Organisation aller deutschen Juden zum Zwecke des Protestes gegen die antisemitischen Angriffe vorzubereiten. Das Beispiel der Katholiken und deren Erfolge legen einzelnen jüdischen Persönlichkeiten den Gedanken nahe, wie jene auf Katholikentagen Musterung über die Kräfte halten, so alle Kräfte der deutschen Juden auf Judentagen zu vereinigen. Kaum daß dieser Gedanke zur Diskussion gestellt wurde, so zeigte sich, daß ein großer Theil der Juden selbst dagegen Front machte. Eine Versammlung, die im Dezember v. I. in Berlin zu dem Zwecke stattsand, den Judentag zu organisiren, sprach sich mit großer Mehrheit gegen den Vorschlag der Einberufer aus und bereitete den Anträgen ein sanftes Begräbniß. Nur bei den Zionisten, die aber innerhalb der deutschen Juden eine verschwindende Minderheit bilden, fand der Gedanke Anklang. Allein die Väter der Idee nahmen den Gedanken in veränderter Form wieder auf und, wie wir hören, soll in kürzester Frist neuerdings eine Versammlung von angesehenen jüdischen Persönlichkeiten sich mit dem Plan beschäftigen. Diesmal wird, wie der „Israelit" meldet, vorgeschlagen, eine Organisation aus Vertretern aller größeren jüdischen Vereine zu bilden, zu denen als Hauptbestand noch die Delegirten der jüdischen Gemeinden hinzukommen. Unter den Vereinen sind die wichtigsten die Rabbinerverbände, die Lehrervereine, der Deutsch-Jsr. Gemeindebund u. der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Diese neue Formulirung des Gedankens scheint aber noch unglücklicher, als der frühere Vorschlag. Grade wer ein Verständniß dafür hat, daß die Juden durch die antisemitischen Angriffe zur Abwehr gedrängt werden, und wer ihnen dabei Erfolg wünscht, wird das jetzt vorgeschlagene. Mittel für so ungeeignet halten