Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 22 (18.3.1901)
- Date
- 1901-03-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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517 ran die Mahnung an den Ernst knüpften, welchen gerade das Chomezgenußverbot beansprucht. Im östlichen Europa steht bei der großen Mehrzahl der jüdiscben Zerstreuten der Peßach ganz in der hohen Beachtung da, die sonst dem Jom Kippur entgegen gebracht wird; und zwar nicht etwa nur bei den Gelehrten und durch besondere Frömmigkeit Ausgezeichneten, sondern auch bei solchen, die das Jahr hindurch sich nicht durch besondere religiös Gewissenhaftigkeit auszeichnen. Es ist uns ein ganz notorischer Fall bekannt, der sich vor einigen Jahren in Rudolfsstadt (Gr. Baden) zugetragen hat und der nach dieser Seite hin geradezu klastisch ist. In diesem Orte, in welchem kein Jude wohnt, wurde am Erew Peßach ein armer russischer Jude gefänglich eingezogen, weil er sich angeblich gegen die Polizei widersetzlich benommen habe. Dieser arme Mann, der sich weder durch Thorakunde, noch durch einen frommen Lebenswandel irgendwie auszeichnete, hat die ganze Peßachzeit weder Speise noch Trank zu sich genommen und erst am letzten Peßachtage von dem Wasser getrunken, das ihm in seine Zelle gebracht wurde! Der Amtsrichter interestirte sich für den merkwürdigen Gefangenen und suchte ihn persönlich auf, um ihn zu befragen, warum er jede Annahme von Speise und Trank verweigere. Als er die Ursache erfuhr, ließ er von Karlsruhe einige Mazzos für den Häftling kommen, aber auch von diesen weigerte er sich etwas zu genießen, weil sie durch einen nichtjüdischen Conditor besorgt worden waren, dessen Firma auf dem Paquet angegeben war. Der Amtsrichter ließ daraufhin der nächstgelegenen jüdischen Gemeinde — Randegg — von dem Fall Mittheilung machen; aber so spät, daß man dort wegen der letzten Feiertage sich nicht mehr an Ort und Stelle begeben konnte. Erst nach dem Feste konnten sick Glaubensgenossen des armen Mannes annebmen, der dann aber nicht wenig erstaunt war, als man ihm Worte aufrichtiger Anerkennung für fein heldenhaftes Martyrium aussprach. . Er konnte gar nicht begreifen, daß ein Jude in diesem Falle anders handeln könne und daß man so viel Aufhebens davon mache, wenn er seine Pflicht gethan habe. Wie steht aber dieser Held thurmhoch über allen jenen Genuß- und Lebemenschen, die für die Befriedigung ihres Magens und den Kitzel ihres Gaumens skrupellos das Heiligste hingeben, während dieser Mann, ohne Zeugen für sein Heldenthum, sieben qualvolle Tage, Angesichts von Speise und Trank, lieber in Hunger und Durst dahinschmachtet, als daß er seinem Gott durch Entweihung des Peßach die Treue bricht! Den blasirten Kindern unserer Zeit den Schwung der Seele und den Flügelschlag des Geistes wiederzugeben, die Genuß und Erwerb so vielfach gelähmt und so 'n '2i-i 'n Dy1? rvrnS dem Volke Gottes wieder die Wege Gottes, den Aufpfad zu zeigen, der über alle Niederungen und Miseren des Lebens empor zur lichten Höhe und Nähe Gottes führt, das ist die Vorbereitung, der unsere Altvordern in ihren Derafchoth vor Peßach und für Peßach das Wort geredet haben. Unsere Zeit lechzt nach diesem Worte, je länger und je entschiedeMr man es ihr vorenthält. Und wenn das geschriebene Wort das warme, gesprochene nicht ersetzen und in seiner Bedeutsamkeit nicht einmal zu erreichen vermag, so wäre es doch unrecht, es deßhalb zurückzuhalten. Vielleicht bahnt es sich doch einen Weg zu den Herzen derer, die dieses Wort zu sprechen berufen sind und bestimmt sie, in ihrem Kreis die Anregung zu einem ersprießlichen Ende zu führen, welche die folgenden Zeilen einleiten möchten. (Frts. f.) Zeitungsnachrichten nnd Corrcfpondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M. Dem sechsunddreißigsten Rechenschaftsbericht der „Achawa" für das Jahr 1900 entnehmen wir: Wenn auch die Zahl der Unterstützungsbedürftigen und somit die an den Verein gestellten Ansprüche ganz außerordentlich gestiegen sind, so sind wir zu unserer Freude doch in der Lage gewesen, die im vorigen Jahre auf Mk. 150 erhöhte Unterstützungsquote auf dem gleichen Stand für die diesmalige Jahresvertheilung zu erhalten. Während im Jahre 1899 die Zahl der Pensionäre 86 betrug, die in 103% Theilen 15,562.50 Mark erhielten, stieg die Zahl der Pensionäre diesmal auf 96 und die Unterstützungssumme mit 116*4 Theilen auf Mk. 17,475. Rechnen wir hierzu die während des Jahres an außergewöhnlichen Unterstützungen aus dem Reservefonds verabreichten Mk. 1685, so ergibt sich der Betrag von Mk. 19,060, der im letzten Jahre für Unterstützungen verausgabt wurde. Diese erhebliche Summe vermochten wir nur dadurch aufzubringen, daß uns zahlreiche Geschenke von unseren wohlthätigen Glaubensgenossen, ganz besonders aus Frankfurt a. M. und München, zugeflossen sind. Das Vereinsvermögen beträgt jetzt nach Abzug der zur Vertheilung kommenden Summe Mk. 245,686.69 gegen Mk. 240,082.75 im vorigen Jahre. Die Zahl der aktiven Mitglieder beläuft sich jetzt auf 371. Die Zahl der Ehrenmitglieder hat sich auf der Höhe von 1100 erhalten. Briefkasten der Redaction. Abonnent in Wie«: UnS ist keine Anstalt in Deutschland bekannt, in der geistig lurückgebliebene Kinder Aufnahme finden. Herr Moritz Grünebaum in Crumstadt bei Darmstadt nimmt, soviel uns bekannt, derartige Kinder gegen geringe Vergütung in Pflege. I. B. in P Kaspar Schneible, Mainz. Briefkasten der Expedition. Davy K. $ 9t. K.: Jablowicz (Ungarn.)