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Der Israelit · 1901-03-14 · Heft 21 (14.3.1901) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 21 (14.3.1901)
Date
1901-03-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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M M 48. Jahrgang. Der Israelit. GenLrat-Hrgan für das orlhodoXe IudenLHurn. Begründet von . Dr. in IRInin}. Donner ft ag, vev 14. März 5661 (1901). Leitender Artikel Nshklttb u«i> iiir peiinilifdr WeltsiWms. Von Dr. Mendel Hirsch Unter allen Schriften unseres heiligen biblischen Kanons nimmt Koheleth eine ganz besondere, eigenartige Stellung ein. Es spricht aus ihm die Stimme eines Weisen, der mit philosophischem Blicke die Welt und die Natur betrachtet, in der Flucht der wechselnden Erscheinungen aus dem Besonderen das Allgemeine, in dem ewig gleichen Wechsel den Fortschritt zu erkennen sucht; der vor allem aber seinen Blick auf die Menschenwelt richtet, die sozialen Verhältnisse durchschaut, den Staat und die Gesellschaft, und vor allem den Menschen und d i e Menschen mit kritischem Blicke prüft und überall die Fragen nach dem Bleibenden, dem Dauernden, dem Wirklichen, dem Errungenen, dem Fortschritte aufstellt. Sein Blick bleibt nie auf der Oberfläche haften, sondern dringt in das Innere der Dinge und Personen; er bleibt nicht auf den Eindrücken des Augenblicks ruhen, er überblickt den Verlauf und das Ende — und da sieht er denn vielfach unter der schimmernden Oberfläche einen sehr dunklen Kern, unter dem Glanze der Blüthe das Morsche, in seinem Lebensmarke Kranke, unter dem Gewände der Tugend und der Nespektabilität das Laster, unter der würdevollen Pose der Großen und Geehrten, die würdelose Gier der niedrigen Leidenschaften; er sieht, wie auch das reichste Leben ein inhaltlich unbefriedigendes und leeres — und da scheint denn allerdings vieles *) Anm. d. Red. Angesichts des bevorstehenden ersten Jahrzeitstages des Verfassers, ist uns aus feinen nachgelassenen Schriften diese Abhandlung gütigst überlassen worden. Sie ist die Niederschrift des letzten Vortrages, den der Verewigte im Verein Ben Usiel gehalten hat. in Frage gestellt, mit dem der Mensch sich so gern beruhigt, und grauer Nebel senkt sich allmälig nieder auf die Welt, die wir so gerne als eine im sonnigen Strahle erglühende betrachten. Und trotz der sehr häufigen Erwähnung Gottes (nicht weniger als 37 Mal kommt o’pbxn der Name Gott vor) scheint es, als ob in seiner Anschauung alles auf Erden in Nichts ende und die Summe seiner Erfahrungen, das Ergebniß seiner Beobachtungen und seines Nachdenkens und Forschens sich zu einem großen Fragezeichen verdichte. Betrachten wir zunächst den Verfasser. Er nennt sich V. 1 th fr ribnp, König in Jerusalem. Und V. 12: ich bin König gewesen in Jerusalem. Wie z’z 15a berichtet wird, haben Chiskija und seine Genossen oder das von ihm berufene Kollegium Koheleth niedergeschrieben, d. h. jedenfalls schriftlich zusammengestellt als das überkommene, während es also bis dahin mündlich oder vielleicht in einzelnen Theilen und in partiellen Niederschriften erhalten war. Im Jalkut 1,1 heißt es. Salomo habe es vupr nsz geschrieben. In der Mischnah B'T und nny erfahren wir, daß in dem Jahrzehnt vor dem Untergang des Reiches übereinstimmend der Lehrsatz ausgesprochen wurde, daß «mp die Hände verunreinigen, ein Satz, der zum Schutze der heiligen Bücher festgesetzt wurde, daß aber die Frage, ob dies auch von Koheleth gelte, von den Schülern Schammais verneint, von den Schülern Hillels bejaht wurde. Ausgenommen in den Kanon der heiligen Schriften aber war. es schon nach der angeführten Stelle aus z’z zur Zeit Chiskijah und die Frage in der Synode von Jabne war nur, ob es mit Recht ausgenommen sei. Gleichwohl heißt es, mr 30b und 7a, man habe eigentlich daran gedacht, das Buch Koheleth der allgemeinen Kenntniß zu entziehen, weil es, wie dort ausgeführt wird, scheinbar innere Widersprüche enthalte, an der einen Stelle etwas bejahe, was es an einer anderen verneine. Jdenfalls fürchtete man, diese Widersprüche könnten zu Jrrthümern Anlaß ge-

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