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Der Israelit · 1901-03-11 · Heft 20 (11.3.1901) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 20 (11.3.1901)
Date
1901-03-11
Page
– (sequence 17)
Language
German
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für Jüdische Geschichte JS^ und Litteratur. Heraasgegeben von Dr. 1j. Ltf TOenstetn. Erscheint einigemal im Quartal in der Stärke von mindestens einem Bogen. — Alle für diese Beilage bestimmten Kanascripte und Anfragen sind an Herrn Bezirks-Rabbiner Dr. Löwenstein, Mosbach (Baden) zu richten. —-- II. Jahrgang. 2. — IBeilgtgre z-cl jfä SO des „lereielit^ Zur Gesehiohte der Maimüni’sehen dreizehn Glaubensartikel Von Dr. J. Holzer. Was die Dogmenkämpfe des Christentums oder des Islams für die Menschheitsgeschichte bedeuten, dass ihre Spuren mit dem Blute von Millionen gezeichnet, ihre Nachwirkungen noch bis zum heutigen Tage fühlbar und erkennbar sind, ist hinlänglich bekannt. Solche erbitterte Kämpfe um das Dogma, um eine OdaubensVorstellung , hat es im Judentum niemals gegeben. Der Kampf der Sadducäer gegen die Pharisäer, den man am ehesten noch gegen diese Ansicht anführen könnte, ist es nur zum geringsten Teile gewesen. Es war zunächst und hauptsächlich ein politischer Kampf, sodann ein Kampf um die Auffassung von Staat und Religion im Allgemeinen, bei dem die gegenteilige einzelne Glaubensansicht wohl die Verbitterung der Parteien vergrößerte, nicht aber erzeugte. Ebenso ist es in dem Kampfe der Karäer und Rabbaniten oder in dem der Maimünisten und Antimaimunisten nicht eine einzelne Ansicht gewesen, die die Parteien auseinander und gegeneinander brachte , als vielmehr die Gesamtauffassung der Religion, die Frage über die Grenzen und Weite ihrer Wirksamkeit, ihrer Berechtigung. Wenn wir so vorerst nur rein äusserlich die Dogmenfrage des Judentums nach ihrer Wirkung auf die Leidenschaften des Volkes, nach ihrer Erscheinungsweise betrachten, so fühlen wir uns schon versucht, ihnen einen ganz anderen Charakter, ein specifisch anderes Grundwesen zuzuschreiben, als es den Dogmen, etwa der Kirche, eignet; jedenfalls aber sind wir berechtigt, ein solches in ihnen zu vermuten. Und in der That, auch wenn wir tiefer blicken, in den Geist der Religion dringen, ändert sich das Bild nicht, im Gegenteil es erhellt sich uns, und wir erkennen es, was wir zuvor nur geahnt und vermutet haben. Die jüdische Religion ist kein blasser Glaube, bei dem es auf das Bekenntnis, die Glaubensmeinung ausschliesslich, oder auch nur hauptsächlich ankäme, sie ist es so wenig, dass dieser Umstand einen bekannten Philosophen zur Ansicht verleitete, das Judentum hätte überhaupt keine Dogmen — eine Ansicht, die noch heutzutage öfter gehört werden kann — was allerdings so falsch ist, dass es keiner Widerlegung bedarf. Die jüdische Religion ist eine Religion der That, wie man es oft und mit Recht gesagt hat, sie will das Leben, das ganze, bis in die geringfügigsten Aufgaben und Verrichtungen beherrschen, nach ewigen, göttlichen Gesetzen ordnen, es dein Ewigen weihen, es heiligen. Die Gesinnung ist das ausschliesslich Entscheidende, die Meinung, die Vorstellung ist, wenn auch wertvoll, so doch nur nebensächlich. Ein historischer Moment tritt hinzu. Die Aufstellungvon Dogmen — richtiger wäre es wohl von Glaubenssätzen oder -Grundsätzen zu sprechen — im Judentum ist ein verhältnismässig spätes Produkt. Während die Kirche seit der ältesten Zeit in ihren Päpsten und Concilien eine autoritative Organisation zur Bildung und Feststellung derselben besessen hat, hat es dem Judentum an einer solchen allseits anerkannten und zur eigenmächtigen Erlassung und Bestimmung von Glaubenssätzen befugten Behörde in dieser Zeit gefehlt. Dass das Judentum eine solche Institution nicht geschaffen hat, ja nicht

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