Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 20 (11.3.1901)
- Date
- 1901-03-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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469 Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Mainz, im März. Vergangenen Sonntag wurde den Mitgliedern des hiesigen Jungvereins (Lewias Chen) ein geistiger Genuß geboten, wie er nur selten anderwärts dargereicht werden dürfte. Herr Ludwig Krauß, Lehrer an der Schule der Jsr. Religionsgesellschaft dahier, hielt einen Vortrag über Targum Onkelos. Redner verstand es meisterhaft, Alles, was der jüdischen Geschichte über den herrlichen und heiligen Uebersetzer der Heiligen Schrift und dessen Werk bekannt, so zu gruppiren und so anschaulich zum Vortrag zu bringen, daß das Ganze wie ein spannendes Feuilleton sich anhörte. Auch denen, die niemals etwas über die hohe Bedeutung des großen Fremdlings gehört, mußte es klar werden, daß Onkelos einer der größten Männer gewesen, die das an großen Männern gewiß nicht arme Judenthum jemals besessen. Den lichtvollen Ausführungen des Vortragenden verdanken wir viele neue Gesichtspunkte in der Beurtheilung der Geschichte des Targum und es wäre zu wünschen, daß die fleißige und geistvolle Arbeit einem größeren Kreise zugängig gemacht würde. -r- Mainz, 10. März. Wir haben der Kaiserin Friedrich ein s. Z. in unserer Offizin hergestelltes Gedenkblatt übersandt, das das Bild Kaiser Friedrichs und die Namen derjenigen jüdischen Knaben enthält, die im Todesjahr des edlen Dulders geboren, dessen Namen empfingen. Darauf erhielten wir vor einigen Tagen aus dem Kabinet Ihrer Majestät ein Schreiben, in dem uns Graf Seckendorf, der Oberhofmeister der Kaiserin, mittheilt, daß derselbe von Ihrer Majestät beauftragt, auszusprechen, daß Höchstdieselbe das überreichte Gedenkblatt huldreichst wie unter dem Ausdruck Allerhöchst Ihres Dankes entgegengenommen habe. Berlin, im März. Die jüdischen Elementarschulen sind nacki einer eben bekannt gewordenen wichtigen Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts öffentliche Volksschulen: die an diesen Schulen angestellten Lehrer sind dementsprechend hinsichtlich ihres Dienfteinkommens von der Zahlung der Gemeindesteuern befreit. Veranlaßt ist diese Entscheidung dadurch, daß ein jüdischer Lehrer von seinem Magistrat > in einer hannoverschen Stadt) zur Zahlung von Gemeindesteuern herangezogen wurde. Der Lehrer erhob Cinsvruch bei dem Kreisausschuß und dem Bezirksausschuß, jedoch ohne Erfalg. Das nun angerufene Oberverwaltungsgericht kaffirte die Entscheidung der Vorinstanzen und führte aus, daß die Befreiung von der Zahlung der Gemeindesteuern allen an öffentlichen Volksschulen angestellten Lehrern ohne Rücksicht auf den religiösen Charakter der Schule und ohne Rücksicht auf das Bekenntniß des Lehrers zukommt. Nordhauser,, im März. Jacob Plaut, Ehrenbürger unserer Stadt und ehemaliger Leiter des gleichnamigen Bankhauses, ist in Nizza im 86. Lebensjahre gestorben. Magistrat und Stadtverordnetenversammlung unserer Stadt widmen dem Verstorbenen folgenden Nachruf: „Wohlzuthun aller Orten war sein Lebenszweck. Insbesondere uns wurden Beweise seiner hochherzigen Gesinnung. Die Schwachen und Bedürftigen unserer Stadt verdanken seiner Opferwilligkeit Linderung der Sorgen des täglichen Lebens. Durch die hier unter seinem Namen im Jahre 1879 begründete Stiftung hat er sich in hervorragendem Maße ein Denkmal edler Menschenfreundlichkeit gesetzt. Sein Andenken wird dankbar geehrt von seinen Mitbürgern in unserer Stadt allezeit fortleben." Wie die „Nordh. Ztg." schreibt, soll der Verstorbene in seinem Testamente der Stadt Nordhausen ein weiteres Vermächtniß zugedacht haben. Von anderer Seite werden 260,000 Mark als Betrag dieses Vermächtnisies angegeben. Der Verstorbene hatte bereits am Tage der goldenen Hochzeit Kaiser Wilhelms I. der Stadt Nordhausen einen Betrag von 300,000 Mark übergeben, zur Gründung des konfeffionslosen „Plaut- Stiftes," in welchem alte, unbemittelte, würdige Personen Unterkunft finden sollten; nach einigen Jahren wendete er dieser Anstalt weitere 100,000 Mark zu. In unserer Zeit konfessioneller Verhetzung gab Plaut, der Israelit, ein leuchtendes Beispiel des Wohlthuns, ohne konfessionelle Fesseln und Schranken. Viele Jahrzehnte werden vergehen, und noch immer wird das stattliche Gebäude für Arme und Alte am Hange des Taschenbergs Jacob Plaut's Namen als den eines edlen Menschenfreundes kommenden Geschlechtern überliefern. München, 7. März. Der israelitische Lehrer Friedmann in Ingolstadt hatte vor einigen Monaten eine kurze Geschichte der Juden in Ingolstadt herausgegeben. Ueber dieses Merkchen, das einen Theil des 24. Heftes des Sammelblattes des historischen Vereins für Ingolstadt bildete, erschien in der Nummer 249 des „Bayerischen Vaterland" ein längerer Artikel. In demselben war Friedmann als „Geschichtsjud" bezeichnet und mit Bezug auf ihn gesagt, „das bringe wirklich nur jüdische Frechheit und Unverschämtheit fertig." Durch schöffengerichtliches Urtheil ist nun dieserhalb der Redakteur Otto Schoy des „Bayerischen Vaterland" wegen öffentlich verübter Beleidigung des Lehrers Friedmann zu einer Geldstrafe von fünfzig Mark verurtheilt worden, und die Veröffentlichung des UrtheilS in dem „Baverischen Vaterland" und den „Münchener Neuesten Nachrichten" angeordnet worden. Briefkasten der Redaetion. M. Bl. in C.: Der Artikel war nicht verwendbar. Briefkasten der Expedition. I. H. Amsterdam.: Karte erhalten. A. S. in Amsterdam: Mk. 10.20 dankend empfangen.