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Der Israelit · 1901-03-07 · Heft 19 (7.3.1901) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 19 (7.3.1901)
Date
1901-03-07
Page
– (sequence 21)
Language
German
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447 wie manche Unwissende glauben — der ste von na1? m:n genüge geleistet wäre! Bis heute konnte ich mich noch nicht überzeugen, daß zu den trip '-ns ts auch Gräh' Geschichte der Juden beizuzählen sei. Aber andererseits darf man nicht einseitig sein und zu derartigen Borträgen, die doch sicherlich auf manches jüdische Herz anregend wirken, sich gleichgiltig oder sogar antipathisch verhalten. Eine ebensolche Wendung zum Bessern bedeutet das hiesige, neugegründete, israelitische Sanatorium für Lungenkranke, das ich schon drei Wochen zu beobachten Gelegenheit habe. Ich glaube, daß mancher jüdische Leser und namentlich derjenige, der im Interesse seiner Gesundheit es für wünschenswerth findet, einige Monate hier in den sonnigen Höhen zu verbringen und an den Reizen der Natur, mit denen Davos in übermäßiger Fülle ausgestattet ist. sich zu laben, gewiß mit Behagen „eine frohe Kunde" aus diesen „allerhöchsten Kreisen" vernehmen wird. Nicht die hohen und malerischen Gletscher, nicht die reichen Schneegefilde und andere Naturschönheiten, auch nicht das üppige Sportleben der hiesigen, von allen Herren Ländern herbeigeströmten Gäste, oder die imposanten Winterfeste mache ich mit zum Gegenstand ineiner Betrachtung. Solche Schilderungen würden sich sicherlich schön ausnehmen in einem Feuilleton einer volitischen oder wissenschaftlichen Zeitschrift, gehören aber nicht in den Rahmen eines spezifisch jüdischen Blattes, das nur die einzige Aufgabe hat, jüdische Interessen zu verfechten. Das einzige, was in Davos ein spezell jüdisches Interesse verdient, ist das erwähnte Sanatorium. Als mir in Folge einer Lungenentzündung der Arzt eine Winterfrische rieth, da richtete ich gleich mein Augenmerk — in Befolgung des Satzes brr 'j*j> stw auf die Davoser Landschaft. Zwei Bedenken hinderten mich jedoch lange, mein Vorhaben in die That umzusetzen: es sind dies die allzugroße Furcht vor Ansteckung und der Zweifel, ob man in dieser durch die hohen Alpen von aller Welt isolirten Gegend seinen religiösen Pflichten in allen Punkten geniigen könne. Es bedurfte jedoch nur des Verweilens eines Tages im hiesigen israelitischen Sanatorium, um diese Bedenken vollständig zu zerstreuen: Die Gesichter, die man hier wie in ganz Davos zu sehen bekommt, zeigen nur sehr selten Spuren von Krankheit, und wo wirklich eine ernsie Krankheit festgestellt wird, sind schon derartige umfangreiche ärztliche Schutzmaßregeln getroffen, daß eine Infektion außer Bereich der Möglichkeit erscheint. Was aber den anderen Zweifel betrifft, so bietet die wohlgelungene Einrichtung des Sanatoriums die besie Garantie dafür, daß man hier nach bestem Wissen und Gewissen sein religiöses Bedürfniß befriedigen?ann. In der Küche iss ein streng-religiöses Mädchen, versehen mit Empfehlungen von berühmten orthodoxen Rabbinen, angestellt. Außerdem versieht die nnrr»n über das ganze Sanatorium ein von Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. Eohn in Basel hierher empfohlener Mann. Alle Fleischwaaren und dgl. werden von strengortbodoxer Duelle bezogen und werden hier von der Köchin und auf's sorgfältigste geprüft. Aber auch an jüdischem, geselligem Leben fehlt es hier nicht, namentlich sind es die russischen Gäste, darunter sehr fromme Leute, die den Unterhaltungen den jüdischen Charakter aufprägen. Piquante Geschichtchen von dem Leben und den Verhältnissen der Judenheit im ganzen Erdenrunde werden hie und da vorgetragen. Herr Hirsch, der Besitzer des Sanatoriums, beabsichtigt noch, wie er mir versichert, im Sanatorium eine Svnagoge zu bauen. Dies wäre gewiß ein löbliches Unternehmen. Was aber an diesem Sanatorium am meisten hervorgehoben werden darf, ist dessen Bau und Einrichtung. Die Beguemlichkeit, Räumlichkeit und Schönheit, die diese Anstalt überall schmücken, besonders aber die zweckmäßigen hygienischen Einrichtungen unter Leitung des Anstaltarztes dürfen thatsächlich unter allen christlichen Sanatorien ihresgleichen suchen. Wer gegen jüdische Restaurationen das bekannte Vorurtheil begt, dem möchten wir nur rathen, sich nach Davos-Dorf zu begeben und den Speisesaal, das Rauchzimmer, das Billardzimmer, den Damen- und Musiksalon und die Lesesäle der erwähnten Anstalt mit seinem Besuche zu beehren: er würde dann sicherlich zur Ueberzeugung gelangen, daß Reinlichkeit und Kaschrus nicht nur keine Gegensätze sind, sondern sie können sich vielmehr, wenn sie vernunftgemäß betrieben werden, einander ergänzen. Ein beredtes Zeugniß hierfür liefern die hier untergebrachten christlichen Gäste, die diese Heilanstalt allen christlichen vorgezogen haben, und die sich bei jüdischer Kost ganz behaglich und munter fühlen. Alldies ist ein untrügliches Zeichen, daß die Verhältnisse der Schweizer Judenschaft in der neuesten Zeit, trotz des Schächtverbotes, einen merklichen Aufschwung genommen haben. Sie gewähren uns einen sehr schönen Ausblick auf eine noch günstigere Zukunft. Fr. vermischtes. Jnowrazlaw. Die Erbauung eineSSiecben- Haukes für altersschwache Personen seitens der jüdischen Gemeinde ist nunmehr als gesichert zu betrachten, da Herr Ziegeleibefitzer R. S ch w e r s e n z sich bereit erklärt hat, ein dafür geeignetes Haus aus eignen Mitteln zu erbauen. Lemberg. In Lemberg wurde Frau A nn a L o zinSka, welche das elfjährige jüdische Mädchen Golda Revsler entführt bat. um es gegen den Willen der Eltern in ein Kloster zu bringen und taufen zu lassen, von den Geschworenen schuldig gesprochen und vom Gerichtshof zu drei Jahren schweren, durch Fasten verschärften Kerker verurteilt.

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