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Der Israelit · 1901-03-07 · Heft 19 (7.3.1901) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 19 (7.3.1901)
Date
1901-03-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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437 evangelischen und katholischen Kirche von ganz bestimmten Voraussetzungen in Bezug auf ihren Bildungsgang abhängig mache. Wird auch den israelitischen und altkatholischen oder freireligiösen Gemeinden, die ja vorwiegend für Hessen in Betracht kommen, durch die vorgeschlagene Ergänzung der geltenden Gesetzesvorschriften nicht völlig Genüge gethan, so bedeutet sie doch immerhin einen Fortschritt gegen den bisherigen Zustand. -Hürden. Am Sonntag, den 24. Febr., beging die ssr’-ip das 150jährige Gründungsfest. Nach dem Mincha-Gottesdienste bestieg Herr Rabbiner Dr. E o bn aus Jchenhausen, der ans ergangene Einladung erschienen war, die Kanzel und sprach in beredter, tief zu Herzen gehender Weise über die hohe Bedeutung und segensreiche Wirksamkeit der Chewra Kaddischa. Zu dem Festmahle in der Restauration von S. Weil erschienen fast sämmtliche Mitglieder der Chewra nebst einigen Gästen, und gab dieser Abend Zeugniß von dem einträchtigen und einmüthigen Zusammenleben der Gemeindemitglieder. Abermals erfreute Herr Rabbiner Dr. Cobn durch eine schwungvolle, gedankenreiche Rede, gestützt auf nruw atme die aufmerksam lauschenden Zuhörer. Reden und Toaste wechselten ab und nur allzu rasch entschwanden die Stunden. Große Freude erweckte ein Schreiben der Gemeindeverwaltung, welches in warmen Worten die Glückwünsche der Gemeinde zum Ausdruck brachte. Möge dem Verein fernerhin eine glückliche Zukunft beschieden sein. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Aus Mähren, 4. März. Mit der Dankbarkeit der Reformer ihrem Seelsorger gegenüber ist es in vielen Fällen wohl schlecht bestellt. So lange noch der Jugend Locken fein Haupt umwallen, so lange seine Gestalt noch aufrecht und kräftig dasteht, so lange er noch mit Kraft seiner Gemeinde und nach außen hin als Paradepferd vorstehen kann, so lange darf er aus die Liebe seiner Gemeindemitglieder rechnen; verschwinden aber mit zunehmendem Alter diese Eigenschaften, so verliert sich ein Freund nach dem andern, bis der einst so Gefeierte isoliert sreundelos dasteht. Das ist ja auch eine natürliche Erscheinung; denn es sind ja nur Aenßerlichkeiten, die den Reformern Zusagen, und kommen diese Aeußerlichkeiten abhanden, dann schwindet die Anhänglichkeit, die ja doch nur eine trügerische war. Das Alter, das talmudische Wissen imponirt ja nicht dem Freiaeiste, und dieser läßt seinen Rabbiner, der ihm gar oft zu Willen gesprochen, gar oft seine Nerven gekitzelt, gar oft ihm manche Stunde zerstreuen hals, iin Stiche. Den Verstheil?pi '.'v mm kennen sie eben nicht, und wenn sie ihn auch wüßten, so fällt es ihnen nicht ein, diesen empe zu sein. In einer viel besseren Position befindet sich der konservative Rabbiner in einer orthodoxen Gemeinde. Je inehr sich sein Haar bleicht, je mehr seine Kraft schwindet, und je mehr seine Gestalt von der Fülle der Jahre gebeugt ist. desto mehr Liebe, Achtung und Ehrerbietung bringen ihm seine Glaubensbrüder entgegen; sie schätzen hoch den Greis, der ihnen so oft zu Herzen gesprochen, der ihnen in allen Lebenslagen ein treuer Freund und Berather gewesen und Freud und Leid mit ihnen brüderlich getheilt hat. Nicht durch rauschende Jubiläen, nicht durch künstlerisch ausgestattete Adressen feiert der Orthodoxe seinen Rabbiner, sondern durch tiesinnigc Liebe, die sich in inbrünstigen Gebeten an Gott den Allmächtgen wegen langer Lebenserhaltung ihres Seelsorgers äußert. Wir schicken diese Betrachtung voraus, um des 40jährigen Jubiläums Erwähnung zu thun, welches verflossene Woche der Rabbiner der Brünner Gemeinde, Dr. Varuch P l a t s ch e k, gefeiert hat. Die politischen Brünner Blätter brachten die Nachricht von dem Jubiläum mit einer darauffolgenden Zuschrift eines Unbekannten, in welcher derselbe Bemerkungen machte, die zwar geschickt, jedoch bitterböse und voll scharfer Spitzen und Kanten waren. In diesem Bericht heißt es, daß sich Dr. Platschek alle Ehrungen mit dem „gewünschten" Erfolge verbeten habe, daß zwar die Cultusgemeinde diesem Wunsche, nämlich ihn nicht zu ehren, nicht entsprechen konnte, 'veil die künstlerisch ausgestattete Adresse schon fertig war, in Zukunft jedoch ihrem Rabbiner „in dieser Beziehung" willens sein werde. Der Bericht schließt mit der seinen ironischen Bemerkung, daß es schon mit dieser Ehrung, nämlich mit der Verabreichung der Adresse, sein Bewenden haben solle und daß des Menschen Wille sein Himmelreich sei. Offen gestanden, wir Conservative waren nie begeisterte Anhänger des Landrabbiners, konnten es nicht sein, weil die Kluft unserer gegenseitigen Anschauungen eine zu große ist; wir waren auch nicht seine persönlichen Gegner, weil er es verstanden, sein Amt mit Würde zu führen und weil er, speziell als Landesrabbiner, eine Haltung bewahrte, die von dem Conservativismus nicht sehr entfernt war, obschon er als Landrabbiner seiner Brünner Lieblinge eine ganz andere Richtung einschlug. Wir müssen gestehen, um ihn rnrr sp2 p zu sein, daß er die vielen verderblichen Reformen im Brünner Tempel nicht angeregt hat, obschon er nicht energisch genug dagegen Front machte. Auch unterscheiden sich seine Reden von denen anderer Resormrabbiner durch den kräftigen, jüdischen Ton. der in diesen zur Geltung kommt, in welchen keine Spur von Ermunterung zu einer Reform vorhanden ist. Trotz alledem können wir nicht sachlich seine Freunde sein, da unter ihm und nicht ohne seine Schuld, das Brünner Judenthum in religiöser Beziehung tief, sehr tief gesunken ist. Aber jene, die diesen Zustand so gewollt, sollten doch heute dem nunmehrigen Greise, der seine ganze Jugend und Manneskraft in ihrem Dienste verwendet, achten und schätzen. Und nun erscheint am Jubiläumstage ein so stacheliger Artikel,

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