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Der Israelit · 1901-02-28 · Heft 17 (28.2.1901) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 17 (28.2.1901)
Date
1901-02-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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4L. Jahrgang. Erste Aeikage zu Jf* 17 des „Israelit". Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, 24. Febr. Der „Zionist", das Organ der Breslauer zionistischen Vereinigung, wollte erfahren haben, in Zukunft sollten die medicinischen Fakultäten mir noch Dozenten zngelaffen, die zuvor Assistenten in einer Königlichen Klinik gewesen sind. Im Zusammenhänge damit sei an die Leiter der Königlichen Kliniken die Aufforderung ergangen, in Zukunft jüdische Assistenten nicht mehr anzustellen. Wie die „Kreuz-Ztg." hört, ist diese Nachricht von Anfang bis zu Ende erfunden. Hannover. Mit Bezug auf die Landtagsdebatte über die Anstellung jüdischer Assessoren als Richter schreibt man: „In dem hannoverischen Städtchen P. mit spezifisch katholischer Bevölkerung war ein jüdischer Amtsrichter etwa neun Jahre thätig; er erfreute nch in allen Kreisen der Bevölkerung großer Beliebtheit und zählte zu seinen nächsten Bekannten unter Anderen eine Anzahl Geistlicher aus dem Amtsgerichtsbezirk. An Stelle des nach K. versetzten Richters trat ein eben zum Amtsrichter ernannter Astestor H. aus <0. Eben war seine Ernennung erfolgt, als in dem Kreisblat! von der Hand eines hohen Verwaltungsbeamten ein Artikel erschien, welcher eine vortreffliche Illustration der Landtagsverhandlung vom 81. Jan. d. I. bildet. Die Notiz lautete: „Dem Vernehmen nach ist die durch den Fortgang des Amtsrichters L. erledigte Stelle wiederum durch einen Amtsrichter iüdischen Bekenntnisses beseht worden. Da sich in der Stadt P. wie in dem Amtsgerichtsbezirf Juden nicht in nennenswerther Zahl aushalten, so kann hierin der Grund für diese Erscheinung nicht gefunden werden, wir sind vielmehr nachgerade genöthigt, in letzterer ein Zeichen besonderen Wohlwollens der Justizverwaltung für unsere Stadt zu erblicken. Wir mästen hierfür den maßgebenden Instanzen in Eelle und Berlin um so dankbarer sein, als es stch um den einzigen jüdischen Amtsrichter der ganzen Provinz H. handelt." Diese Worte fielen auf fruchtbaren Boden, einige Antisemiten gingen, ermuthigt durch den hohen Verwaltungsbeainten des Bezirkes, daran, eine Antisemitenversammlnng in P. zu veranstalten, in welcher gegen die Anstellung des jüdischen Richters losgedonnert werden sollte. Der Plan fiel in's Master, da man keinen geeigneten Saal zur Abhaltung der Kundgebung finden konnte. Den maßgebenden Stellen in Celle und Berlin wurde damals je eine Nummer des Kreisblattes mit dem famosen Artikel unter Nennung des Namens des Verfassers eingesandt. Der Oberlandesgerichtspräsident S ch ö n st e d t in Celle, der heutige Justizminister, nahm gelegentlich eines Besuches in P. Veranlassung, über dieses Vorkommniß mit dem jüdischen Amtsrichter zu sprechen. Ueber etwaige, gegen den Herrn Verwaltungsbeamten unternommene Schritte verlautete jedoch nichts, vielmehr gestaltete stch das Verhältniß zwischen diesem und dem Richter zu dem denkbar besten. Als Herr H. später seine Versetzung nach H. nachsuchte und erhielt, wurde die Amtsrichterstelle in P. einem katholischen Astestor übertragen. Dieser Herr war jedoch nicht im Stande, sich auch nur annähernd die Sympathien der Bevölkerung in dem Maße zu erwerben, wie es dem jüdischen Richter gelungen war. Das Beispiel lehrt, wie ungerechtfertigt der Vorwand ist, der gegen die Anstellung jüdischer Richter offen oder versteckt vorgebracht wird: die Behauptung nämlich, jüdische Astestoren eigneten sich für den Richterberuf nicht in dem Maße und wiirden von der Bevölkerung als Richter nicht so gern gesehen wie christliche. Wiesbaden, 22. Schwat. Gestern Abend nach dem Mincha Gebet fand in der überfüllten Synagoge der altisraelitischen Gemeinde eine erhebende Trauerfeier zur Erinnerung an den unvergeßlichen Herrn Baron M. E. von Rothschild s. A. statt. Nachdem Herr Cantor B l o ch e m ein herzergreifendes Gebet zum Vortrag gebracht, bestieg Herr Rabbiner Dr. K a h n die Kanzel und hielt einen von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Hesped. 'Aach der Einleitung, tvorin Redner an der Hand von Talmudstellen dem Schmerz über den Verlust des mm nns Ausdruck gab, verglich er den "nyj mit der mwe, von brr es heißt ums am nnx mrpö. Unendliches Licht ging aus vom -ny: für min n-nss und geradezu Unzählbaren hat er das Licht des Trostes gesvendet und sie neu belebt. Wer ist mehr im Leben beschäftigt, als Baron von Rothschild es war, und doch batte er Zeit, täglich Zeit für Thora und n^a nier. Ja, a-vrc 12 -"iina E'im Wer hätte es mehr als er in seiner Hand gehabt, diese Welt zu genießen, und doch hat er nur für rran cSiy leben wollen. Sein ganzes Leben war ein ununterbrochener 'n rniax. Seine geistigen Kräfte, sein Denken, Tühlen und Wollen, alle seine Seelenvermögen bilden ein harmonisches Ganzes n^pv am Er war ein Mann von goldreinem Adel, ein Zadik aus einem Guß. Es würde zu >veit führen, die fast einstündige Rede mit ihren zahlreich eingeflochtenen Talmud- und Midraschstellen annähernd wiederzugeben. Mit dem

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