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Der Israelit · 1901-02-28 · Heft 17 (28.2.1901) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 17 (28.2.1901)
Date
1901-02-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Ephraim, ihn als Kassier zu wählen, welchem Amte er mit größter Gewissenhaftigkeit viele Jahre oblag. Betont muß werden, daß er der religiösen Erziehung seiner Kinder die größte Aufmerksamkeit zuwandte, und ihm das seltene Glück zu Theil wurde, dieselben als gesetzestreue Juden herangebildet zu sehen. K e u i X \ c i 0 tu Wenn RNinister. Von WobevL KLntein. 9s Bensew fuhr tiefaufathmend fort. „Die Andern haben sich von dem Willen Gottes und seinem Gesetz losgesagt, sie erfüllen es entweder gar nicht melw oder doch auf eine Weise, die der Vorschrift nicht entspricht. Sie glauben aber nicht mehr an die Göttlichkeit und Verbindlichkeit des Gottesgesetzes und erklären dasselbe für veraltet und der Reform bedürftig. Dieser Richtung huldigt ein großer Theil der Kasseler Synagogengemeinde. sogar ein Theil der Mitglieder des Landrabbinats und leider der Herr Landrabbiner selbst." Nach kurzer Pause fuhr Bensew fort: „Würden diese Herren sich damit auf sich beschränken. so ginge das Niemand etwas an, sie hätten das, was sie thun und zu lassen für gut finden, nur für sich, vor ihrem Gewissen und vor Gott zu verantworten. Aber die Herren mißbrauchen ihre amtliche Stellung, um den Geist des Abfalles in die Kreise der hessischen Judenheit zu tragen. Sie können nun G. s. Dank Niemanden zwingen, irreligiös zu leben, wenn sie auch die treue Anhänglichkeit an Gott und seinem Gesetz als überwundenen Standpunkt belächeln und verspotten. Sie sind nun auf den Gedanken gekommen. die einzige Stätte, die ihrer Aufsicht und Verwaltung untersteht, zum Versuchsfeld ihrer Neuerungen zu macken, das ist der synagogale Gottesdienst. Ich kann Ew. Eminenz nicht sagen, mit wie vielen innigen Fäden die jüdischen Herzen an ihren Gotteshäusern und dem Gottesdienst hängen, der sich darin vollzieht. Jeder Brauch, jedes Gebet, jede Einrichtung, ja säst jede Melodie gilt ihnen als ein seit undenklichen Zeiten von den Ahnen überliefertes Heiligthum. Wenn ein Kind in den Abrahamsbund eingesührt wird, so vollzieht sich diese Einführung dort und die ganze Gemeinde nimmt an der Freude des Einzelnen Theil. Wer sein Theuerstes durch den Tod verloren hat, haucht an dieser Stätte vor der ganzen Gemeinde seinen Schmerz in ergreifenden Gebeten aus, auf deren Schwingen sich das gedrückte Gemüth hoch * über die Mühen und Leiden dieses Lebens emporschwingt. Es gibt nichts zwischen der Wiege und dem Grabe, an dem das Gotteshaus nicht innigen Antheil nähme. Draußen im Leben gedrückt und geächtet, finden wir uns hier wie eine große Familie im Vaterhause zusammen. Der Hunderte von Meilen entfernte Fremde, der diese Stätte betritt, hört auf, ein Fremder zu sein, er fühlt sich als Bruder. Die trauten Laute der heiligen Sprache treffen das Ohr, rühren das Herz und schlingen das Bruderband um alle zerstreuten Glieder des Gottesvolkes. In dieses Heiligthum wagt das Landrabbinat einen rohen Eingriff durch seine neue Synagogenordnung. Diese Ordnung will die heilige Sprache verdrängen und durch die Landessprache ersetzen, sie streicht die heiligsten Gebete, sie verletzt die theuersten Empfindungen und glaubt — nicht mit Unrecht — wenn die Entweihung dieses Allerheiligsten erst gelungen ist. daß dann auch die Heiligkeit des jüdischen Lebens außerhalb der Synagoge dem Moloch der Aufklärerei und des angeblichen Fortschrittes, der aber in Wirklichkeit ein beklagensiverther Rückschritt ist, ganz von selbst zum Opfer falle. Daß dieser Willkür nicht noch die landesherrliche Bestätigung durch die Unterschrift des Ministers werde, das ist es, worum ich Seine Excellenz ganz unterthänigst bitten möchte." Der Herr Prälat hatte dem Sprechenden aufmerksam Zugehört und nickte ihm nun zustimmend entgegen. als er geendet hatte. „Ihr habt mir da Vieles gesagt, was mir ganz neu war und von dem ich glaube, daß es auch Sr. Excellenz gänzlich unbekannt ist. Ihr seid also ein entschiedener Gegner dieser Neuerer und möchtet ihrer Neuerungssucht gern einen Riegel vorschieben, nicht wahr?" „So isl's, Eminenz." „Da muß ich mich denn doch über Euch wirklich wundern. Wenn Ihr schon denjenigen gram seid, die nur einen Theil Eurer Gesetze nicht erfüllen, was müßt Ihr erst von uns denken, die wir uns im praktischen Leben ja gar nicht an das Gesetz Mosis halten. Wie könnt Ihr ein Gegner Eurer eigenen Brüder sein und gleichzeitig eine so treue, aufopfernde Freundschaft für einen Christen, für Euern Pfarrer in Eurem zwiespältig getheilten Herzen tragen? Das verstehe ich nicht." „Verzeiht. Eminenz, aber ich glaube, daß hier keinerlei Zwiespalt vorliegt. Wie sollte ich gegen einen Christen und gar gegen unseren Herrn Pfarrer irgend etwas haben, weil er ein Gesetz nicht erfüllt, zu dem er ja gar nicht verpflichtet ist. Ich hätte ja auch gegen meine Brüder nichts, wenn sie ihren Abfall nur auf sich beschränken und ihn nicht in's Volk tragen wollten. Ich verlange ja auch nicht, daß ihnen auch nur ein Haar gekrümmt wird, nur das Unheil möchte ich zu rückhalten, das sie mit vollen Händen in die Massen zu streuen im Begriffe sind. Wenn mir das nicht möglich

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