Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 17 (28.2.1901)
- Date
- 1901-02-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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48. Jahrgang. M 17 Der Israelit. Ein AenLrat-Hrgan für das orlhodore IudenIHum. Begründet von »». fe^munn in Mains« Donnerstag, den 2«. Februar 5661 (1961). Leitender Artikel. WW Win. ritiH uni) jetzt. Mainz /27. Februar. So reich die Erzählung der Purimrolle auch an goldenen Winken für unsere und jede Zeit ist, so erschließt sich ihr ganzer Reichthum doch erst denjenigen, welcke die Darstellung in dem Lichte lesen, welches unsere großen Weisen über sie verbreitet haben. Aus der Fülle dieser weisen Winke wollen wir hier einen einzigen herausgreifen, dessen Beherzigung unserer Zeit besonders noth ihut, weil wir die ihm zu Grunde liegende Wahrheit gerade in den jüngsten Erlebnissen unserer Tage so vielfach verkannt sehen, daß ein gewisser Muth dazu gehört, dieser Wahrheit ungeschminkt Ausdruck zu geben.' Gleich in den ersten Sätzen der Estherrolle wird bei dem Bericht von der Widersetzlichkeit der Königin gegen den Willen des Königs von letzterem erzählt, daß dieser sich an die Weisen der Zeit gewandt habe, um deren Rath einzuholen, ob und wie dieser Ungehorsam zu ahnden sei. Daran knüpft der Talmud Megillah Fol. 12 b. folgende Bemerkungen: D'fiin 'p-w .pn?o’c2n fxo .cornb “[‘jen iexv ni08 ny*n rn^ iox .ongnn jrap^ n’jtp syitv ,-6 toi xion r\'b poo inod n^top rv^ xc':? top: '2'n Dl'C iS 1108 ,87>12b02 xMlC 8p? np2B> N'b XCO ,P'0 pjrjv '08 pxi i:co NW n^v'2 usixo irSii enpan ri'2 air» x:is>i2 i^x onpni to 121 2x101 siov 'z:b bi nitro: 'jh pib 1081 121 io«: maip ow bv nt piDE bi ib n 108 121 7ii:r>iivb pw pico 100* 8ip: nobi pn ,11 pioo x:ri ,pioo ,B>812 pBlp vl'NNV |820 8:N2 21 108 „Es sprach der König zu den Weisen, welche die Zeiten verstehen" (Esther I. 13). Die Weisen sind unsere Lehrer, welche es verstehen Schaltjahre einzusetzen und die Monate festzustellen. Der König sprach zu ihnen: Fällt mir das Urtheil über sie. Sie aber sagten sich, wie sollen wir hier verfahren? WerlWM wir ihren Tod fordern, so wird der König, lvEM morgen seine Weinlaune der nüchternen Erwägung gewichen ist, uns dafür verantwortlich machen. Plaidiren wir für ihre Straflosigkeit, so wird das als Geringschätzung des Königthums angesehen werden. Sie sagten deßhalb: „Seitdem das Tempelheiligthum zerstört ist, und wir unseres Landes verwiesen sind, ist uns jede Einsicht benommen und wir können nicht mehr über Leben und Tod aburtheilen, wende Dich an die Weisen von Ammon und Moab, die noch in ihrem Lande weilen und sich der ungetrübten Ruhe erfreuen, wie der klare Wein, der ungetrübt auf der Hefe ruht, so lange er nicht von seinem Platz bewegt wird. Darauf nahten sich ihm (die heidnischen Weisen): Karschena, Schetar, Admatha, Tharschisch, Meres, Marsana, Memuchan. Diese sämmtlichen Namen, bemerkt R. Levi, enthalten eine Andeutung der Opfer, die Israel einst in seinem nun zerstörten Gottesheiligthum darbrachte, in Gleichklang und Wortanalogie, die sich durch keine Uebersetzung in einer anderen Sprache wiedergeben lassen. — Da sprach Memuchan (ibid. V. 16). Memuchan ist nach einer Ueberlieferung Haman. Er wird Memuchan (der Bereitstehende) genannt, weil er schon damals für das Verhängniß bereit stand, das ihn am Ende ereilte. In dem Umstande, daß Memuchan, obwohl er unter den sieben Weisen zuletzt ausgeführt wird und also im Rang und Bedeutung der Letzte unter ihnen war, dennoch zuerst und allein das Wort ergriff, erblickt Rab Kahana eine Bestätigung der Erfahrung, daß gerade unbedeutende, minderwerthige Streber es sind, die gewöhnlich nach den höchsten Ehren und Würden trachten." Zur richtigen Würdigung dieser Sätze erinnern wir zunäckst daran, daß sie eine Zeit zum Gegenstand haben, in welcher die im großen Perserreich ansässigen jüdischen Zerstreuten nicht nur vollkommen emancipirt.