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Der Israelit · 1901-02-25 · Heft 16 (25.2.1901) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 16 (25.2.1901)
Date
1901-02-25
Page
– (sequence 19)
Language
German
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381 Zeitungsnachrichten und Eorrefpondenzen. Deutschland. Berlin, 21. Febr. Die Unterrichtskommission des Abgeordnetenhauses hat beschlossen, über eine Petition jüdischer Volksschullehrer um Zulassung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst zur Tagesordnung überzugehen. KorriK, 24. Febr. Aus dem Plaidoyer des Ersten Staatsanwalts war sehr der Passus bemerkt worden, „daß zur Zeit keine genügenden Verdachtsmomente vorliegen, um gegen die Familie Levy wegen Theilnahwe am Morde vorzugehen." Es ist daraus vielfach der Schluß gezogen worden, als ob solche Verdachtsmomente, wenn auch noch nicht in genügender Zahl, vorlägen, 'und demnächst gegen die Familie Levy vorgeganaen würde. Es wird nun von der Vertheidigung mitgetheilt, daß diese sofort nach Schluß der Verhandlung beim Ersten Staatsanwalt angefragt habe, ob der Entfernung der Familie Levy aus Könitz mit Bezug auf seine obige Aeußerung irgend welche Bedenken entgegenständen. Darauf ist der Vertheidigung eine amtliche Mittheilung vom 18. Febr. 1901 zugegangen, daß der Erste Staatsanwalt „keine Bedenken gegen die Entfernung der Familie Levy aus Könitz geltend zu machen habe." Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Prag. (Vom alten jüdischen Friedhof e.) Die städtische Assanirungskommission hielt dieser Tage eine Sitzung ab, welcher die Anträge des Herrn Dr. Thomas Cerny, als Vertreter der isr. Beerdigungs-Brüderschaft, Vorlagen, wonach dem Assanirungszwecke ein kleiner Theil des alten jüdischen Friedhofes zum Opfer fallen würde. Auch der vom Baurathe Herrn Jensovsky ausgearbeitete neue Lagerplan dieser Partie lag der Commission vor. Herr Dr. Cerny bot Namens der erwähnten Brüderschaft der Stadtgemeinde den nach seinen Anträgen wegzurassirenden Theil des hiostrischen Friedhofes unentgeltlich an und versprach, daß die isr. Beerdigungs-Brüderschaft den neuen Eingang in den Friedhof auf ihre Kosten Herstellen und beim Ministerium die Erlaubniß erwirken werde, daß das Gebäude für das czechische Altstädter Gymnasium auf dem geänderten Blocke errichtet werde. Auch die Verfertigung der hierdurch bedingten neuen Pläne für dieses Gymnasialgebäude wolle die Brüderschaft aus Eigenem besorgen lassen. Nach längerer Debatte wurde mit allen gegen die Stimmen der Herren Dr. Ruzicka und Dr. Gros beschlossen, das Anerbieten der isr. Beerdigungs-Brüderschaft abzulehnen und dem Stadtrathe zu empfehlen, die weiteren Verhandlungen mit der Brüderschaft abzubrechen und bei dem ursprünglichen Enteignungsprojekte zu beharren. England. London. (Lionel Alexander.) Am 3. Februar wurde hier unter kolossaler Betheiligung der für das Londoner Judenthum allzufrüh verstorbene Mr. Lionel Alexander zu Grabe getragen. 1862 zu London geboren, begann der Verblichene schon frühzeitig sich in hervorragender Weise für die jüdischen Wohlthätigkeitsinstiiutionen Londons zu interessiren, denen er, obwohl ein vielbeschäftigter Mann, den größten Theil seiner kostbaren Zeit opferte. Sein großes Arbeitsfeld bildete in der ersten Zeit das Board of Guardians, in das er 1881 eintrat, und dessen Ehrensekretär er bis 1893 war. In dieser Stellung hat er sich namentlich um die verfolgten russischen Juden in hervorragender Weise verdient gemacht. Um für die vertriebenen Glaubensgenossen besser wirken zu können, übernahm er das Amt eines Ehrensekretärs des Mansion House, dessen Mitglied er blieb, auch nachdem dasselbe in das Komitee für die russischen Juden umgewandelt wurde. Zum Schutze der vertriebenen russischen Juden hat Mr. Alexander eine größere Arbeit über die Einwanderungsstatistik, über die Zahl der russischen Juden in England, sowie über die jüdischen Armen verfaßt. Diese Zahlen waren für das Unterhaus bestimmt, welches schon 1888 eine Kommission zum Studium der Ein- und Auswanderungssrage eingesetzt hatte. 1894 wurde er Vizepräsident des jüdischen Siechenhauses, der jüdischen Altersversorgungsanstalt, des Waisenhauses, des Jewish College und einiger jüdischer Unterrichtsanstalten Londons. Außerdem war der Verstorbene Präsident des jüdischen Arbeiterklubs. Ueberhaupt gab es in London keine jüdische Wohlthätigkeitsinstitution, mit der Lionel Alexander nicht innig liirt gewesen wäre. In allen diesen Aemtern hat sich der Verstorbene, welcher eine ungewöhnliche Arbeitskraft besaß und ein ungewöhnlicher Organisator war, mit einer beispiellosen Hingebung gewidmet. Namentlich verdankt ihm das jüdische Siechenhaus seine jetzige mustergiltige Organisation. Seiner Energie und Hingebung ist es auch gelungen, in verhältnißmäßig kurzer Zeit, die zur Errichtung eines eigenen Heims für die jüdischen Siechen erforderlichen 30,000 Pfd. St. aufzubringen. Trotz der großen Arbeitslast, welche auf seinen Schultern lag, fand er noch Zeit und Muße, sich im politischen Leben zu bethätigen. Er stand Jahre hindurch an der Spitze der konservativen Partei East-Londons. Noch bei den letzten Parlamentswahlen trat er in Leeds für die Wahl des Staatssekretärs Balfour ein. Es war zwei Tage vor Jom Kippur. Bier Wochen später wurde er krank und Anfangs November ward er genöthigt, sich von allen privaten und öffentlichen Geschäften zurückzuziehen, um in Brighton, wo er, der Junggeselle geblieben war, von seiner Mutter und Schwester gepflegt, die letzten Tage seines thatenreichen Lebens zu verbringen.

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