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Der Israelit · 1901-02-25 · Heft 16 (25.2.1901) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 16 (25.2.1901)
Date
1901-02-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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373 Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 20. Febr. Der Schächter und Vorsänger L e v y hatte eine Invalidenrente nachgesucht, war jedoch von der Versicherungsanstalt abgewiesen worden, da ein Schächter wie ein Fleischbeschauer selbstständiger Gewerbetreibender und daher nicht versicherungspflichtig sei. Das Reichsversicherungsamt sprach aber dem Antragsteller endgiltig eine Rente zu, indem ausgeführt wurde, nach den Erhebungen stehe fest, daß Levy von der jüdischen Gemeinde mit der ausschließlichen Verwaltung des Schächteramtes in der Gemeinde beauftragt war, daß seine Gebührenbezüge von der Gemeinde geregelt wurden, und daß eine Ueberwachung seiner Wirksamleit durch den Rabbiner stattfand. Hiermit sei die Annahme, der Schächter habe seine Aufgabe nicht Kraft eigenen Rechts, sondern als ausführender Beauftragter der Gemeindeverwaltung erfüllt, hinreichend begründet. Glciwih. Dem Bericht des „Israelitischen Jungfrauen-Vereins" zu Gleiwitz über den fünfjährigen Zeitraum (1896—1900) entnehmen wir: Der „Israelitische Jungfrauen-Verein" hat in den fünf Jahren seines Bestehens durch die Wohlthaten, die er in selbstloser, opferfreudiger Gesinnung gespendet, und durch den Dank und die Anerkennung, die sein mildes, geräuschloses Wirken gefunden, seine Daseinsberechtigung glänzend bewährt. In den vergangenen fünf Jahren schwankte die Mitgliederzahl des Vereins zwischen 140 und 160. Im Jahre 1900 betrug dieselbe 144. An Jahresbeiträgen und Spenden gingen der Vereinskaffe in dem verstrichenen Zeiträume 4136 Mk. 46-Pfg. zu; aus Wohlthätigkeitsvorstellungen und Sommerfesten ergab sich ein Reinertrag von 1940 Mk. Mithin betrugen in der Berichtszeit die Gesammt-Einnahmen 6076 Mk. 46 Pfg.. Demgegenüber steht eine Ausgabe von 4162 Mk. 60 Pfg., wovon 1026 Mk. als regelmäßige, laufende Unterstützungen und 3127 Mk. 60 Pfg. für einmalige Unterstützungen, Naturalien u. dgl. Verwendung fanden. Nürnberg, im Febr. Wie schon oft, bewährte sich auch neuerdings der Wohlthätigkeitssinn der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde wieder, indeni ein Komitee, an dessen Spitze Se. Ehrw. Rabb. Dr. Z i e m - l i ch steht, eine Waggonladung gutes Weizenmehl nach Jerusalem sandte zur Vertheilung an Kranke und nothleidende Familien. Möchten doch weitere Spenden für diese Hülssbedürftigen fließen. Ltrasrbnra i. <?., 20. Febr. Auf Veranlassung des nzivrr avp" Vereins hielt am 10. d. Mts. im kleinen Anbettesaal Herr Rabbiner Dr. Ehrmann aus Baden (Schweiz) einen gelungenen Vortrag über das Thema: „Schlaglichter auf Schlagwörter." Mit gegespannter Aufmerksamkeit lauschten die überaus zahlreich erschienenen Damen und Herren den trefflichen Ausführungen. Namentlich seine Erklärung der Art und Weise, wie auf vmvn w rmav i-nvi die Welt beruhe, fand ungeteilten Beifall. Der Redner wies nach, wie wenig der Begriff Thora durch die Bezeichnung „Religion" gedeckt werde, wie rvnry mit nichten demjenigen entspreche, was man gewöhnlich linier „Kultus" versteht und wie den Anforderungen des alten, jüdischen -w so ungenügend durch unsere moderne Art der Wohlthätigkeit zum Ausdruck gelange. Seine einzelnen Behauptungen belegte der Redner mit aus dem täglichen Leben gegriffenen, zahlreichen Beispielen, die in der That ein grelles Streiflicht auf die Schlagwörter werfen, die ungeprüft, wie Scheidemünze, von Hand zu Hand wandern. Zuletzt lobte der Vortragende unseren avp Verein, der so schöne und edle Ziele verfolgt. Jeder der Anwesenden war entzückt und lauter Beifall und Händeklatschen lohnte am Schlüsse den gewandten Redner und trotz 10 Atündigem Vortrage war es Jedem leid, daß er schon zu Ende sei. Wir aber hegen den Wunsch, daß Herr Rabbiner Dr. Ehrmann uns bald wieder durch einen Vortrag belehren und erfreuen möge. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Wien, im Febr. Die Hilsner-Affaire tritt wieder an die Oeffentlichleit. Der Vertheidiger Hilsner's, Dr. Aurednicek in .Kuttenberg, hat nunmehr die Nichtigkeitsbeschwerde im Prozesse Hilsner dem Kreisgerichte wir Vorlage an den Obersten Gerichtshof übersendet. Die Beschwerde konnte erst nach der Zustellung des Verhandlunavrotokolls verfaßt werden, welches 634 eng beschriebene Bogen umfaßt. Krakau, im Febr. Die hiesige Klosteraffaire ist in ein neues Stadium getreten dadurch, daß das Bezirksgericht Wieliezla nach Einvernahme des Marcus Weiß und dessen minderjähriger Tochter Rochme, es neuerlich abgelehnt hat, das Kind seinen Eltern zurückzustellen. In der Begründung dieses Bescheides wird hervargehoben. daß der Vater keine Thatsachen angeführt habe, aus denen hervorginge, daß der Aufenthalt außerhalh des elterlichen Hauses einen schlechten Einfluß aus sein Kind üben würde; daß ferner Rochme Weiß erklärt habe, sie wolle, nachdem sie getauft sei, nicht in's elterliche Haus zurückkehren und verlange vielmehr vom Gericht die Bewilligung zum Aufenthalte im Kloster bis zu der Zeit, wo sie einen Erwerb gefunden haben werde. Das Gericht glaubt sich auf Grund dieser Sachlage berechtigt, obwohl dem Marcus Weiß nach wie vor die väterliche Gewalt über sein Kind zustebt, nach S 148 A. B. B. B., der mündigen Kindern die Wahl eines Berufes gestattet, der minderjährigen Rochme den einstweiligen Aufenthalt im Kloster der

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