Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 15 (21.2.1901)
- Date
- 1901-02-21
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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158 falsche Borfkellungen von den Quellen ferner Religion erwecken müßte. Will man aber im systematischen Religionsunterricht doch wieder auf den Schristbeweis zurückgehen (wie dies z. B. in n von Stern geschieht), so schöpfe man doch gleich aus der Quelle und nicht aus Cisternen. (Uebrigens schreibt der genannte Verfasser in der Vorrede zu seinem Buche — das. nebenbei bemerkt, die Fehler der Katechismen nicht theilt — er müßte wünschen, sein Buch nicht geschrieben zu haben, wenn durch dasselbe nur ein Vers des hebräischen Unterrichtsstoffes verdrängt werden sollte.) Schon die biblische Sprache kann in ihrer Frische und Anschaulichkeit auch nicht durch das beste Religionsbuch ersetzt werden. Meistens, auch wo es sich um allgemeine Lehren handelt, spricht die Bibel in konkreten Beispielen (dem Blinden sollst Du keinen Anstoß in den Weg legen!) Diese Sprache ist so recht geeignet, die Sittengebote in das Bewußtsein der Jugend tief einzuprägen. „Bor dem grauen Haupte sollst Du aufstehen!" — „Koche nicht das Böcklein in der Milch seiner Mutter" — das ist doch präciser, klarer und faßlicher, als die modernen Gebote „über die Verehrung des Alters und die Hochschätzung der Thoragelehrten," als das Verbot des gleichzeitigen Milch- und Fleischgenusses." Durch die eingehendere Beschäftigung mit dem Bentateuch müßte „der bei den Israeliten eingetretene Jndifserentismus gegen ihre heilige Sprache" schwinden, durch den Anschluß der Religionslehren an den Pentateuch wird es dem Schüler klar, daß, und wie aus den Quellen geschöpft wird; das Merken seiner Pflichten wird durch die leicht zu memorierenden, knappen Bibelverse auch noch erleichtert. („Bibelverse, sagt Salzmann, sind gleichsam die Haken und Nägel zum Gebäuve; sie sind's vorzüglich, die tief eindringen und die Lehre fest und haltbar machen.") Mag auch der Religionsunterricht aus dem Pentateuch für den Lehrer schwieriger sein, so wird er für den Schüler umso interessanter und leichter. Glänzendere Prüfungsparaden lassen sich freilich mit den aus dem Religionsbuch eingepaukten Kapiteln abhalten. Steht aber im Religionsbuch wirklich mehr von Nächstenliebe etc., als im Pentateuch? Wenn man aber behouvtet. die dem Religionsunterricht knapp bemessene Zeit dränge dazu, die Mizwoth den Kindern in extrahierter Ausgabe zu verabreichen, so sieht man die Sache im falschen Lickte: denn in Wirklichkeit wird der Pentateuch-Unterricht durch den besonderen systematischen Religionsunterricht verkürzt. Oder sollte das Erklären irgend eines Gebotes im Anschluß an den Pentateuch mehr Zeit erfordern, als wenn dies in einer besonderen Religionsstunde geschieht? Unterläßt man hingegen im Pentateuckunterrichte die Erklärung, dann muß dieser Unterricht eben werden, was er in den meisten Fällen leider ist: ein Uebersetzungsdrill. In diesem Unterrichte ist für's warme lebendige Wort des Lehrers, das zum Herzen des Kindes dringt, wenn es aus dem Herzen des Lehrers kommt, kein Raum. Da wird das Pensum abgehasvelt, von erziehlicher Einwirkung aui den Schüler, dem vor dem eisigen Hauche, der über der Religionsstunde lastet, jede Frage im innersten Busen schon wieder erstarrt, keine Spur. Im äußersten Falle kommt es zu einer fruchtlosen grammatischen Analyse des hebräischen Textes. Wenn der Unterricht aber eingeht auf die natürliche, naive Anschauung der Kinder und ihre Fragen, wenn er z. B. den Moses auf der Flucht, wie er den Töchtern Jitros hilft, als den Mann zeigt, der sein Leben einsetzt, um dem Bedrückten zu helfen etc., dann werden sie menschlich verstehen, warum er den Aegypter hat erschlagen können, dann werden sie zu diesem Buche, das überall so menschlich und verständlich zu ihnen spricht, sich hingezogen fühlen. Ihr Interesse an dem Schicksal ihrer Helden (ich spreche bier aus Erfahrung!) wird sie sogar antreiben, in der Uebersetzuna des Textes dem Unterricht vorauszueilen. Der Einwand, daß die ungleichmäßige Berthei lung der Mizwoth im Pentateuch den besonderen Religionsunterricht erforderlich mache, ist hinfällig, weil der Pentateuch auch da, wo er blos erzählt, religiös belehren tvill. Und andererseits: es ist auch alles darin enthalten. Die Schrift liefert uns auch den besten Beweis für ihre Lehre. Man kann, wie es der systematische Religionsunterricht will, dem Kind die Messiaslehre einprägen, indem man den 12. Glaubensartikel von Maimonides auslvendig lernen läßt. Wird aber die Stelle im 1. B. M., Kap. 49, B. 8—12, im Sinne der Herrschaft des Davidstammes, der messia- Erlösung erläutert, dann kann das Kind, das ja steht, wie die Prophetie Jakob's zum größten Theile sich schon verwirklicht hat, gar nicht daran zweifeln, daß Er einst kommen muß. Was der Pentateuch-Unterricht durch die eingehendere Behandlung an Interesse, durch Wegfall des besonderen systematischen Religionsunterrichte? an Zeit gewinnt, kann er beides sehr wohl brauchen. Ich komme daher zu dem Schlüsse, daß der systematische Religionsunterricht (im landläufigen Sinne) als besonderer linterrichtsgegenstand aus den Lehrplänen der Volks- und Religionsschulen auszuscheioen bat. Das schließt jedoch jeden, vom Geschichts- und Pentateuch-Unterrichte unabhängigen, gesonderten Religionsunterricht nicht aus: Schon der Grundsatz y-e-n verpflichtet uns, das jüdische Kalenderjahr in der Schule mitzufeiern, d. h. einen jeden Fest-, Fall- oder Gedenktag zur treffenden Zeit in der Schule zu besprechen, die Kinder darauf vorzubereiten. Wenn diese Vorbereitung in den meisten Fällen wiederum von der biblischen oder geschichtlichen Grundlage ausgehen wird, so kann sie doch dem jeweiligen Gange des Pentateuck-Unterrichtes nicht folgen. Hingegen wird diese Art des besonderen Unterrichtes Fühlung mit dem