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Der Israelit · 1901-02-18 · Heft 14 (18.2.1901) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 14 (18.2.1901)
Date
1901-02-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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S4. Jahrgang. Aeikage zu M 14 des „Israelit". Leitender Artikel. Joselmann von Rosheim. Frankfurt a. M., 10. Februar. Im hiesigen „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" sprach am 21. v. Mts. Herr Rabbiner Dr. Löwenstein aus Mosbach über obiges Thema. Das Verdienst, das Leben dieses Mannes zuerst gewürdigt zu haben, gebührt Rabb. Lehmann-Mainz, der das vorhandene Material zu einem historischen Roman verarbeitet hat, in welchem Wahrheit und Dichtung in interessanter Weise verwoben sind. Der Redner aber hielt sich an Joselmann's eigenes Tagebuch, das er einzusehen Gelegenheit hatte. Ende 1394 wurden die Juden aus Frankreich vertrieben und wunderten meist nach Deutschland und Italien aus. Unter den Ausgewanderten befand sich eine Familie aus Loans, die sich in Endingen niederließ. 1471 wurden hier auf Grund des unsinnigen Blutmärchens drei Juden zum Feuertode verurtheilt, der vierte flüchtete nach Ober-Ehnheim im Elsaß. Dieser hieß Gerson Loans. Auch hier war seines Bleibens nicht lange; denn entlassene Söldner Ludwigs XI. überfielen bei ihrer Rückkehr nach der Schweiz das Elsaß, beraubten und tödteten alle Juden, die sich weigerten, zum Christenthum überzutreten. Gerson floh in die Feste Lützelstein und ließ sich dann in Nosheim nieder, wo ihm von Roselin, die ihren Stammbaum auf David zurückführte, ein Sohn geboren wurde, der den Namen Joseph erhielt, aber gewöhnlich Joselmann, Josel, Joselin genannt wurde. Der Knabe ragte unter seinen Altersgenossen durch Schärie des Verstandes hervor. 32 Jahre alt, wurde er zum Vorsteher der Gemeinde ernannt und führte als solcher den Titel Parnaß u. Manhig, den er, weil er viel mit Fürsten zu verkehren hatte, mit Regierer oder Befehlshaber übersetzte, ein Titel, der ihm offiziell mcht zulam, aber in vielen Urkunden vorkommt. 1614 wurde er mit sieben anderen Juden in Werthheim gefangen genommen, wahrscheinlich auch in Folge einer Blutbeschuldigung. Nach siebenwöchentlicher Haft wurde die Unschuld der Eingekerkerten erwiesen. Kurz nachher sollten die Juden von Ober-Ehnheim vertrieben werden; Joselmann verhinderte dies durch seine Fürsprache bei Kaiser Maximilian. Auch in Dangolzheim, wo am 2. Febr. 1519 die Juden vertrieben wurden, gelang es ihm, zu helfen. Kaum war Kaiser Karl V. gekrönt, so eilte Joselmann vor die Stufen des Thrones und erhielt Privilegien für die gesammte deutsche Judenheit. Einen jüdischen Angeber widerlegte er in einer Audienz beim Kaiser in Nürnberg. Dann hatte er wieder Gelegenheit für Ober-Ehnheim zu wirken. Bei 'Ausbruch des Bauernkrieges geriethen die Juden zwischen zwei Feuer. Joselmann wagte sich in eine Versammlung der Bauernführer beim Kloster Altdorf unb erlangte das Versprechen, daß die Juden geschont werden sollten. Auch die Schonung von Rosheim wußte er durchzusetzen. 1528 betraute Karl V. seinen Bruder Ferdinand mit seiner Vertretung. Joselmann machte sich zu Pferd nach Prag auf, um Ferdinand günstiger für die Juden zu stimmen; allein in Folge eines Unfalles mußte er den Weg zu Fuß fortsetzen. Durch seine Vermittlung wurde die Ausweisung der Juden aus Hagenau zurückgezogen. Im folgenden Jahre wurden in Ungarn einer Blutlüge wegen dreißig Juden mit dem Feuertode bestraft und viele eingekerkert; man wandte sich an Joselmann, dieser begab sich zum Kaiser nach Günzburg und überzeugte ihn von der Unschuld der Gefangenen. 1629 überreichte er in Augsburg Karl und Ferdinand eine Denkschrift gegen die Beschuldigung, die Juden stünden mit den Türken im Bunde. Zugleich gelang es ihm dort, das Verbot des Geldverleihens zu verhindern. Aber auch unter den eigenen Glaubensgenossen Mißbräuche abzuschaffen, beniühte er sich, berief eine jüdische Synode aus Rabbinern und Vorstehern von ganz Deutschland, vereinbarte einen Gesetzentwurf, der sich gegen sämmtliche Mißbräuche in Handel und Wandel, besonders im Geldgeschäfte richtete und redliches Verfahren gegen Nichtglaubensgenossen vorschrieb. Am 16. Nov. 1630 legte er diese „Artikel" den versammelten Fürsten und Ständen in Augsburg vor. Seine Aussagen vor einer Kommission hatten den Erfolg, daß ein Convertit Namens Antonius Margarita wegen seiner lügnerischen Anklagen aus Augsburg verwiesen wurde. Als der Kaiser in den Niederlanden weilte, forderten die deutschen Protestanten, daß er die Juden aus Deutschland vertreibe. Sofort machte sich Joselmann nach Brüssel auf, mitten im Winter. Erst nach drei Monaten erhielt er die erbetene Audienz; seine Muße verwendete er dazu, ein Buch zu schreiben (Derech hakodesch). 1633 eilte er abermals zum Kaiser, diesmal nach Regensburg, wo die Protestanten auf dem Reichstag von Neuem gegen die Juden auftraten, und erlangte günstige Bedingungen für Eigenthum, Wohnrecht und Geschäftssübrung. Bald darauf intervenirte er bei der Blutanklage in Ratibor. Drei Juden waren schon verbrannt worden, die übrigen gelang es ihm, mit schweren Geldopfern frei zu bekommen, wobei der Markgraf von Brandenburg erklärte, daß er sich von der Unschuld der Juden vollständig überzeugt habe. Auch zur Schlichtung von Streitigkeiten zwischen den

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