Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 14 (18.2.1901)
- Date
- 1901-02-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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WWWWWWWNWWWWWWWWWW WWWWWWMWWW^WMWWMWNW SSI „Nun, Herr Pfarrer, schließt das alles nicht aus, ' daß wir dach ein Glas Wein zusammen trinken können,! aber hier bei mir! Nüdesheimer habe ich zwar nicht, sondern nur guten Landwein, von dem ich jeden Sabbat ein Glas zu jeder Mahlzeit trinke. Ich würde Euch herzlich gerne zu einer gemeinsamen Flasche einladen, aber ein Bedenken hält mich zurück." „Und das wäre''" fragte lächelnd der Pfarrer. „Meine Frau und meine Kinder wissen von den jüngsten Bargängen kein Wort; wenn wir die glückliche Wendung der Dinge bei mir durch eine Flasche Wein i'eiern wallten, so müßte ich nachher Rede und Antwort stehen über die Veranlassung zu einer solchen ungewöhnlichen Feierlichkeit." „Ja, warum wollt Jhr's denn eigentlich Eurer Familie verheimlichen, was uns so glücklich macht? Daß Ihr vorher nicht darüber sprechen wolltet, finde ich bei Eurem zartsinnigen Takte begreiflich und danke Euch herzlich dafür, aber jetzt könnten wir's doch öffentlich vor der Kirche Jedem erzählen." „Wenn Ihr es gestattet, mache ich meiner Familie recht gerne die Mittheilung, aber ohne Eure Erlaubnis, durste ich nicht darüber mit einem Dritten sprechen. Nach den Vorschriften des Talmud ist es uns untersagt, eine Mittheilung, die Einer dem Andern unter vier Augen macht, einem Dritten mitzutheilen, ohne spezielle Erlaubniß des Betreffenden." > „Ihr habt wunderbare Gesetze, je mehr ich davon höre, desto mehr ahne ich den göttlichen Ursprung, dem sie entfließen. Aber ich werde es selbst Eurer Frau mittheilen, kommt nur mH in Eure Wohnstube." j Bensew folgte der herzlichen Aufforderung und in . kurzer Zeit war auch die Flasche Wein aus dem Keller geholt, durch deren Leerung die merkwürdige Begebenheit ihren äußeren Abschluß erhielt.;! Fast zwei Jahre waren seit den in den vorigen Kapiteln geschilderten Vorgängen dahingegangen. Der Herr Pfarrer hatte wiederolt persönlich bei dem Konsistorium in Eassel Vorgesprächen, um seinen Danl mündlich auszusprechen, aber auch um zu er fragen, wieso lein Geschick eine so rasche, erfreuliche , Wendung genommen habe. Er konnte darüber nichts , erfahren. Herr Prälat Schellenberg hatte Wort ge-; halten. Leutseliger als ie zuvor verkehrte der Konsistorialrath mit dem fälschlich verdächtigten Dorfpfarrer, und er erkundigte sich eingehender als sonst über alle Verhältnisse seiner Gemeinde. Auch ob es in Mals-; 'eld Juden gäbe und wie dieselben mit der christlichen Bevölkerung lebten und verkehrten. Der Gefragte war ganz glücklich, nur Gutes da- , rüber berichten zu können und benützte diesen Anlaß,! das Lob des Gemeindeältesten Bensew verkünden zu! können. i In sein Dorf zurückgekehrt, erzählte der Pfarrer seinem jüdischen Freunde, daß in der Unterhaltung mit dem Präsidenten des Konsistoriums auch von ihm die Rede gewesen wäre. Bensew hatte seine stille Freude daran, daß sein Edelsinn dem Freunde ein Geheimniß geblieben war. Er hätte dos Geheimniß mit in's Grab genommen, wenn nicht in den nächsten Tagen etwas eingetreten märe, das Bensew selber veranlaßte, es Preis zu geben. — —- Ein Geschäftsgang führte ihn ganz in die Nähe von Gudensberg und eine solche Gelegenheit ließ Bensew nicht vorübergehen, ohne seinen verehrten Lehrer und Berather, Herrn Rabbiner Wetzlar, zu besuchen. Eine gewisse Scheu, über sein verdienstliches Thun selber viel Worte zu machen, hatte ihn zurückgehalten, dem Rabbiner von dem Freundschaftsdienst zu erzählen, den er dem Pfarrer geleistet hatte. Auch über das. was er seiner Zeit im Bureau des Vorsteheramtes der Jsraeliken unfreiwilliger Weise gehört hatte, war ihm aus Rücksichten der Diskretion niemals ein Wort über die Lippen gekommen. Jetzt lag die Sache schon so weit zurück, daß er sie gewiß nicht mehr zur Sprache gebracht hätte, wenn nicht Folgendes eingetreten wäre: Er traf den Rabbiner in einer seelischen Aufregung, wie er sie noch niemals bei ihm gefunden hatte, die sich aber jetzt in Stimme, Haltung und in jeder Bewegung ko auffallend bemerklich machte, daß Bensew nach der ersten Begrüßung sofort den Rabbiner darüber befragte. „Ist Euch irgend etwas passirt, Ihr seht so aufgeregt aus. daß Ihr mir wohl die Frage verzeiht. Ist in der Familie und in der Gemeinde Alles wohl?" „Alles wohl! Es fehlt mir gewiß auch lveiter nichts, als ein wenig Ruhe. Wenn Ihr zwei Stunden früher gekommen, hättet Ihr mich nicht zu Hause getroffen; ich komme gerade von Eassel zurück und die Reise hat mich wohl ein wenig angestrengt." Als Bensew von Eassel hörte, wurde er aufmerksam. — „Es war gewiß eine Sitzung des Landrabbinats. Da kann bei dem Kurs, der dort herrscht, schon Manches vorGmmen, was einen Rabbiner Eures Schlages nicht gerade angenehm aufregt. Was geht denn da wieder vor?" „Es gehen Dinge vor, die nicht nur einen Rabbiner. sondern auch den letzten gewissenhaften Juden im letzten hessischen Dorfe beunruhigen können." „Und das wäre?" „Das Schlimmste dabei ist, daß ich es weder Euch, noch einem Andern sagen kann, denn wir haben uns reaenseitia das Ehrenwort gegeben, daß nichts davon über unsere Livven kommen darf, bis das Unglück geschehen iss." „Das Unglück, welches Unglück?" „Ja. das darf ich eben nicht sagen und das drückt mich am nlcisten, daß ich mich durch dieses Versprechen selber zum Schweigen verurtheilt habe. Wir gehen