Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 13 (14.2.1901)
- Date
- 1901-02-14
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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813 Beamte, Professoren, Kaufleute, Pensionirte, kurz, was so in die Bäder geht, um Geld und Fett loszuwerden. Gestern lernte ich einen alten Major mit seiner treuen Gicht und seiner veralteten Frau kennen, charmante Leute. Nur einige jüdische Familien —" „Was ist mit denen?" fragte die Brünette mit einiger wegen ihrer Plötzlichkeit schwer zu verbergenden I Nervosität. j „Diese Familien sind mir odios," fährt die ganz! lebhaft werdende Blonde fort, sich länger als nöthig! auf der Silbe os aufhaltend. „Sie müssen die Damen! sehen! Juwelierlädenschaufenster sage ich Ihnen, und - täglich zweimal andere Dekorationen, selbst für den - Ball zu auffallend. Und die Männer nach dem Frühstück und nach Tisch mit ihrem ewigen Tarock, während die Kinder in ihren Matrosenanzügen zwischen den Tischen herumtrompeten. Wenn sie fallen, so schreien die Männer, weil sie wahrscheinlich glauben, es sind die Course. Fürchterlich! Sie mögen meinetwegen ganz brave Leute sein, aber ich kann sie nicht ausstehen.? Genua, daß man ihnen in Berlin nicht ausweichen! kann, aber da sollen sie bleiben und Einem nicht in die - Bäder verfolgen!" [ Die Brünette überläuft's. Schon bei den ersten [ Worten hat sie unwillig gedacht: „Ach, eine Antise- [ mitin!" Sie ist keine polemische Natur, sie überläßt! ovferfreudig Zank und Streit über das Recht oder Un-! recht in dem „Sozialismus der dummen Leute" den! Männern, aber auch diese hört sie nur mit Widerwillen darüber debattiren. Die Blonde, die nicht zu wissen scheint, daß die Brünette eine Jüdin ist, — aber sie müßte es ihr doch ansehen! — fängt an, ihr sehr unbequem zu werden. Soll sie ihr's sagen? Soll sie Farbe bekennen? Aber die Farbe bekennt ja selbst genug. Um ihre Verlegenheit zu verbergen, sagt sie etwas Anderes. „Wie heißen die Leute?" j „Wie werden sie heißen! Meier werden sie! heißen!" schauspielert die Blonde, indem sie mit den l Händen und dem ganzen Oberkörper Bewegungen macht, über die sich die Brünette ärgert. Der Brünetten ist der ganze Vormittag verdorben. Am andern Vormittag treffen sich die beiden Damen wieder. Die Blonde hat nichts gemerkt, und die Brünette will nichts merken lassen und ist deshalb so höflich wie möglich. Eine gebildete Frau wird immer höflich sein, wenn sie unhöflich sein möchte. Sie plaudert wieder das lebhafte Nichts mit der Blonden, die sie sehr gut unterhält, bis auf die Momente, wo sie über die Juden spricht. Da ist sie unduldsam, ungerecht, spottsüchtig. Jetzt klagt sie plötzlich über Hunger, und es ist noch so lange hin bis zum Speisen. „Verehrte Frau", sagt sie zur Brünetten, „unsere Kinder haben genug gespielt, wir schicken sie nach Haus, und wir gehen in's Frühstückszelt nebenan und essen eine Kleinigkeit." Die Brünette lehnte nicht ab, weil sie fürchtet, für verletzt gehalten zu werden. Nun sitzen sie im Frühstückszelt. Die Blonde läßt sich ein Wasserbrödchen, die Brünette ein Stück Braten geben. „Sie hätten sich auch Braten geben lassen sollen, wenn Sie so großen Hunger haben," sagte die Brünette. „llm keinen Preis." betheuerte die Blonde sehr energisch und verdrießlich auf den vor der Brünetten stehenden Braten sehend, „meine Eltern waren sehrorthodox, und ich bin sehr streng erzogen, ich esse nur koscher." pr Anzeigen. Für den folgenden Theil ist die Rcdaction nicht verantwortlich. ichiuh der Inseraten»,lnahme t|t Rtt*: für die Wontagsnummer, Sonntag Früh 9 Uhr. für die Dounerstagsnnmmer, Mittwoch Mittag 12 Uhr. laser flott gelangt reqelmästig Wontag und Donnerstag in den Rbenc>stnnc>rn;utn versandt. Deklamationen wegen k« späten Eintreffen« oeede mau der der betreffenden postanstalt }u maLen. Offerten auf (Ctjilfrrunnoncen werden täglich, mit Ausnahme von Samstag und Sonntag, weiterbefördert. Verlag von J. Kauft mann WvsnSfurt s. M. Rülf I., Aruchas Bas- Ammi: Israels Heilung Mk. 1.-. Rülf 3 , Drei Tage in Jüdisch.Rußland Mk. 1.30. [84c Jfruxelles. a8 Rue D&facqj (avenue Louise.) Pensionnat.de demoiselles dirige par ~ [27a Mlle. Bloemendal. Schlacbtmesser (D’S7n) in allen Größen von feinster Qualität har stets auf Lager [1418 G. Grnnewa'd, M sserfaörikanl, Königsberg i. Kr.» Münzstraße M 28. Spezielle Preislisten gratis u. franco tfochjeiten, streng rituell, werden in sachgemäßer Weise ausgeführt. Allerbeste Referenzen. [3105 8. Charig, vorm. J. Well Wwe , Friedrichroda i. Thüringen. 5 Psd. Kochwurst, 4 Pfd. Cervelatwurst, zu Mk 9 franco Nachn. [1328 H. Z. Pels, _Emden._ Le Raseur. Aestes Snih aarun gsmitlel! Kein Verbrennen! Kein unangenehmer Geruch! Dose Mk. 9.80— Kilo M. 5.—. Wiederverkäufer erhalten Vorzugspreise. I. Emanuel, Frankfurt a. M, Langestr. 3. [8294]