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Der Israelit · 1901-02-14 · Heft 13 (14.2.1901) · page 29

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 13 (14.2.1901)
Date
1901-02-14
Page
– (sequence 29)
Language
German
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düS (A ^orthodoxe -NuderrthunÄ morn WM! mim kWXj' ®te Monde und die Wrünette. Line wahre Geschichte aus der Sommerfrische. Von Julius Stettenheim. Die Brünette ist jung, liebenswürdig, intelligent, und trotzdem bescheiden und zurückhaltend. Eine seltene Frau. Ich würde auch sagen, daß sie angebetet wird, wenn sie von dergleichen etwas wissen wollte. Aber sie will nicht außer dem Hause angebetet sein, .md so bleiben ihr die Anbeter sern. Sie wird von vielen Männern, welche keine anderen Götter neben ihren Frauen dulden wollen, wegen dieses Selbstboykotts als Muster aufgestellt. Sie ist auch eine vortreffliche Mutter, die mit ihren Kindern in die Sommerfrische geht, und zwar weniger zu eigener als zur Erholung der Kleinen. Es giebt bekanntlich Mütter, welche wenigstens vier Sommerwochen lang kinderlos sein wollen. Nachdem ich der Wahrheit gemäß so von ihr gesprochen habe, theile ich noch zum allgemeinen Erstaunen der Antisemiten mit, daß sie eine Jüdin ist. Die Sommerfrische, welche sie in diesem Jahre ausgesucht hotte, war so recht eine für die Kinder, auch für die ihrigen, die sie mitgebracht. Der Ort hatte einen eigenen Spielplatz für die Kleinen, die daselbst allerlei Turngeräthe und Sandhaufen in allen Größen linden, w.omit sie sich vortrefflich die glückliche Zeit noch glücklicher gestalten können. Das ist ein Gegrabe und Gespringe und Gejauchzt! Da stehen auch Bänke für die Mütter, Bonnen und Dienstmädchen, welche die Kinder beaufsichtigen. ^Nachdruck untersagt.! Auf einer dieser Bänke saß auch regelmäßig die Brünette und las und beaufsichtigte, oder beaufsichtigte und las, und neben sie setzte sich eines Mittags eine Blonde, eine schlanke, elegante Semmelblonde, eine distinguirte Erscheinung. Auch sie ist Mutter, und auch sie beaufsichtigt ihr spielenden Kinder. . Das ist kein kurzweiliges Geschäft. Im Gegentheil. Nichts weiter zu thun, als dann und wann warnend oder bändigend den Namen eines Kindes zu rufen, das ist ja auf die Dauer nicht sonderlich unterhaltend. Also plaudern die Blonde und die Brünette miteinander. Was Damen so plaudern. Ueber nichts oder über noch weniger. Damengeplauder, namentlich das lebhafte, besteht ja im Grunde aus nichts Anderem. „Wie gefällt Ihnen der Ort?" fragte die Brünette. „Vortrefflich," versicherte die Blonde, während sie mit dem Sonnenschirm Runen in den Sand gräbt. „Gute Luft, gute Verpflegung, civile Preise, — keine steile Umgegend, — was will man mehr?" „Nun, gute Gesellschaft," sagte die Brünette, als sei sie wirklich nach mehr gefragt worden. „Ich kenne die Gesellschaft noch nicht, ich bin erst angekommen und lebe sehr zurückgezogen. Was für eine Gesellschaft ist denn da?" „Eine nicht üble," berichtete die Blonde, „sie ist nicht gerade aufregend, aber sie gefällt mir ganz gut.

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