Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 13 (14.2.1901)
- Date
- 1901-02-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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42. Jahrgang. M 13 Der Israelit. Ein Kenlrat-Hrgan für das orthodoxe IudentHum. Begründet von Vr. Jfc&ttmmt in U&ainf. Donnerstag, den 14. Februar 5661 (1961). Leitender Artikel. Die Gesinnung. Line halachische Betrachtung. Von Oderrabb. De. M. Lerner—Altona. II. Einen Fall hat die Thora verzeichnet, in welchem m-y vor nxvdargebracht wurde (Numeri 16, 22). -,:L>7> Wenn Ihr in die irrthümliche Auffassung des Judenthums gerathet, daß Ihr Euch nicht mehr für verpflichtet haltet, all die Gebote zu erfüllen, die Gott zu Moses gesprochen, so bringe die ganze Gemeinde einen-r als Ganzopfer, dann einen any-pyir als Sündopfer! rf?iy diente allerdings nicht nur als Geschenk, sondern auch als Sühne, aber im Unterschied von nxsn das die Sünden des praktischen Lebens sühnte, sollte T'h'v rein geistige Verirrungen sühnen. -d->- ’Tmrt bv nxz wurde dargebracht wegen Gedanlenirrthümer und verkehrter Gesinnungen. Ehe also die Gemeinde an die Sühne der Sünden herantreten tonnte, die im praktischen Leben begangen wurden, mußte sie an die Quelle aller ihrer Vergehen denken, an die Läuterung der Gedanken und Gesinnungen. Daher mußten sie zuerst darbringen, um rwvab imsrne die theoretischen Jrrthümer zu bekennen, die zur tatsächlichen Verleugnung der Gottesgesetze geführt hatten. Vor allem mußte sie sich Gott und seinem Gesetze im Geiste wieder nähern und unterordnen, dann erst konnten sie mit die thalsächlichen Vergehen, die Folgen irrtümlicher Äufassuna der Gottesgesetze, vor Gott, dem Leiter ihres Lebens, zu sühnen suchen. Heute daher cp dtd fon wo Tempel und Opserdienst geschwunden, kann nunpn -ro uns nur an die Opferideen erinnern. Darum müssen wir zuerst mit niriD all unsere Gedanken und Gesinnungen Gott ganz hingeben, und dann erst können wir mit "xcr: nere unsere Thaten und unser Leben dem Dienste Gottes weihen. Wir ersehen hieraus, daß einerseits die praktische Ausübung der sogenannten Ceremonialgesetze die richtige Anschauung von Gott und unserem Beruf in uns erneuert, andererseits aber auch, daß die wahre Auffassung des J-udenthums, die richtigen Ideen es sind, die uns zur rechten That führen. Von diesem Gesichtspunkt aus werden wir leicht eine Lösung für eine Frage finden, welche jüdische Geschichtsforscher öfter beunruhigte. Warum hat Gott den bereuenden David gnädig ausgenommen, nicht aber den bereuenden Saul? War doch David's Sünde unj vergleichlich schwerer als Saul's? Als Samuel Saul! gefragt hatte: n bipa »6 .ncSi. „Warum hast! Du nicht gehört aus die Stimme des Ewigen, Amalek! und die Seinen zu vernichten?" erwiederte Saul: -.r« *jwcb>. „Ich habe j a gehört auf die Stimme des Ewigen. Die amalekischen Schafe und Rinder, die Du schreien hörst, das ist die Kriegsbeute, die das Volk ergriffen " (Sam. 16, 19—21.) Es fehlte also Saul das Bewußtsein, eine Sünde begangen zu haben. Als ihm jedoch Samuel die Schwere seines Vergehens vorgehalten, das er als Schmähung des Gotteswortes brandmarkte, gestand wohl Sanl seine Sünde ein, entschuldigte sich aber sofort mit der Furcht vor dem Volk, auf dessen Stimme er gehört. Das erwachte Gewissen hat Saul schnell mit einer Entschuldigung beruhigt. Da zerriß Samuel den Zipfel von Saul's Mantel und sprach: „Herabgerissen bat der Ewige heute das Königthum Jsrael's von Dir! Saul wiederholte sein „Ich habe gesündigt!", war aber eifrig bemüht, sich nicht von der Schuld selbst,