Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 11 (7.2.1901)
- Date
- 1901-02-07
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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WWWWMMWWW 363 seine von Lasies entstellte Rede richtig stellt und den Kammerpräsidenten bittet, diesen Brief zur Kenntniß der Abgeordneten zu bringen. Der Sekretär der „All. isr." hat seinerseits einen Brief an Lasies gerichtet, in dem er ihm mit vollein Rechte die Grund- und Haltlosigkeit seiner gemeinen Verdächtigungen beweist, tlebrigens ist es keine schwere Aufgabe: Jeder halbwegs vernünftige Mensch weiß, was man von den Anschuldigungen eines Lasies zu halten hat. Beide Briefe sind im „Siecle" abgedruckt. Es ist sehr charakteristisch, daß, wenn ein antisemitischer Abgeordneter über die „Alliance" spricht, er immer mit falschen und grundlosen Märchen kommt. Hätte Lasies der „Alliance" vorgeworfen, daß sie, die die offizielle Vertreterin des Judenthums zu sein behauptet, trotzdem nichts für die armen rumänischen Auswanderer gethan hat, hätte er gesagt, daß Bernard Lazare sich mehrmals an die „Alliance" gewandt, um etwas für diese unglücklichen Glaubensgenossen zu erlangen, und stets nur taube Ohren gefunden hat, so hätte er den Beifall aller rechtschaffenen Männer, Juden und Christen, gefunden. Dann allerdings hätte er nicht als antisemitischer Abgeordneter, sondern als Freund der Wahrheit und der Gerechtigkeit gesprochen. Herr Lasies scheint jedoch die erstere Qualität, die allerdings mit der zweiten unvereinbar ist, vorzuziehen. Wenn Jemand künftig über die „Alliance" sprechen will, so kann ich ihm nur den guten Rath geben, sich nach dem hiesigen russisch-jüdischen Viertel (in der Nähe der Bastille) zu begeben. Dort wird er eine Unsumme von Elend, Hunger, Roth. Jammer und Thränen linden. Bleiche, blaffe Gesichter, von Hunger und Leiden entstellt, sind da keine Seltenheit. Und wer einen dieser bedauernswertsten Menschen fragt, ob nicht die „Alliance isr.", diese so reiche und mächtige Gesellschaft, etwas zur Verbesserung seiner Lage gethan habe, so dürfte er gar oft die Antwort bekomrnen, daß dieser unglückliche Mann oder diese bejammernswerthe Frau nicht e i n Mal von demselben Sekretär beschimpft und hinausgeworsen wurde, der jetzt im „Siecle" gegen die Ungerechtigkeit des Herrn Lasies so energisch auftritt! Das ist wirksameres Material gegen die „Alliance," als die lügnerischen Verleumdungen des antisemitischen Abgeordneten. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, die „Alliance" unaufhörlich an ihre Pflichten zu erinnern und ich werde nicht eher ruhen, als bis sie ernstlich beweist, daß sie ihren Pflichten in vollem Umfange nachzukommen gedenkt. Weder Verfolgungen noch Beleidigungen werden mich cinzuschüchtern vermögen, ich werde den Herren in der deutschen, französischen und englischen Presse die bittere Wahrheit wiederholen und erst dann das Feld räumen, wenn ich sehe, daß diese hohen Herrschaften ihren Pflichten Nachkommen, was natürlich mein höchster Sieg wäre. Meine Herren, ich sende Ihnen ein Ultimatum: an die Arbeit! Beginnen Sie mit dem hiesigen russisch-jüdischen Viertel, Sie werden da ein reiches Wirkungsgebiet finden, sonst bitte ich Sie, gegen meine Angriffe auf der Hut zu sein, sie werden nicht lange auf sich warten lassen. Ich hab's gewagt! Pi. Rußland. Petersburg. Von hier wird der „Pol. Corr." eine Entscheidung des Senates angekündigt, wonach den fremden Juden, die ausnahmsweise die Erlaubniß erhielten, Handel und Industrie in Rußland zu betreiben, die Verpflichtung auferlegt wird, sich mit speziellen Erwerbscheinen, entsprechend den Erwerbscheinen der Kaufleute erster Gilde zu versehen, und zwar ohne Unterschied der von ihnen in Rußland betriebenen Geschäfte und ohne Rücksicht darauf, ob die russischen Geschäftsleute gleicher Kategorie eine niedrigere Steuer zu entrichten haben. Mlttyeilvllgen aus Den iiiü. änncnomincn und für dieselben. (Lärrrmtiiche jüb. Wauberbettelvereiue irr»- Kassen für Durchreisende sind gebeten, uns Mittheilnngen über Erfahrungen, die sie auf dem Gebiete ihrer Thätigkeit machen, zukommen zu lasse«.) Fulda, o. Febr. Zur gefl. Kenntnißnahme der Herren Kollegen tbeile mit, daß sich ein Individuum lein Mann von großer Statur, mit langem, braunen Seitenbart und ausrassirtem Kinn) aus der Gegend von Schlüchtern, welches seinem Aeußern nach die größte Aehnlichleit mit einem Jehudi hat, unter dem Ramen Simon Schwarzschild herumtreibt und die israelitischen Nntersiützungskassen in Anspruch nimmt. Aufgefordert, aus einer ihm vorgelegten Tefila zu oren, erklärte er, „so weit lasse er sich nicht herab, daß er für Geld bete." Als er sah, daß er entlarvt war, ergriff er schleunigst die Flucht. H. Lion, Kassirer. 'jScrmifdjicc. Der bekannte antisemüi'che Agitator Graf Pückler theilte in einer antisemitischen Versammlung mit. daß er von dem Oberverwalinngsgericht endgilt'g seines Postens als Amtsvorsteher enthoben worden ist. Marburg. Herr st,ml. med. Simon Edelberg von hier, hat die von der hiesigen med. Faculrät ausgeschriebene Preisaufgabe zu deren, Fu'riedenheie gelöst und ist ihm der Preis zuertheilt worden.