Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 11 (7.2.1901)
- Date
- 1901-02-07
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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953 Fleisch und Blut, zum Theil durch nahe Angehörige zum Ruhme geführt wurde. Er hat die letzten Jahre in stiller Zurückgezogenheit verbracht. Was er im Leben geleistet, hat Früchte getragen und wirkt nach. Bei den Trauerfeierlichkeiten für . den Dahingeschiedenen vertraten den Vorstand der Gesellschaft der Freunde Kommerzienrath Kopetzki u. Regierungsrath Magnus, die Aeltesten der Kaufmannschaft Stadtrath Weigert und General-Direktor Goldschmidt. Vom Vorstand der jüdischen Gemeinde bemerkte man Justizrath Dr. Meyer und Herrn Julius Jakobi. Der Brüderverein, die Magule Reeim, der Vorstand des Geselligen Vereins der Gesellschaft der Freunde, der Hilfsverein für Märkisch-Friedland, die Assistenten des organischen Laboratoriums der königlichen Hochschule waren durch Abordnungen vertreten. Nach der Feier wurde die Leiche nach dem Friedhofe in der Schönhauser Allee üuergesührt, wo die feierliche Bestattung erfolgte. Ansbach, 1. Febr. Herr Distriktsrabbiner Dr. P. Ko h n sendet uns zu unserem Referat über seinen Vortrag in München folgende Berichtigung: 1) Ich habe selbstverständlich nicht gesagt, daß alles Uebersinnliche nur ein Gleichniß für das Sinnliche sei, sondern umgekehrt, aber auch hierbei betont, daß damit keine Verflüchtigung der materiellen Welt gelehrt wird. 2) Es ist mir vn nicht in den Sinn gekommen, zu sagen, daß R. Obadja Sforno ein „mäßiger Kenner der hebräischen Litteratur" sei, sondern habe gerade im Gegentheil seine Bibelkommentirung vertheidigt im Gegensatz zur „modernen" historischen Forschung, „die in Sforno nur einen mäßigen Kenner" ete. sehen wolle. England. London, 3. Febr. Die National-Trauer macht sich auch in dem von eingewanderten russischen jüdischen Glaubensbrüdern bewohnten östlichen Stadttheile bemerkbar, da sämmtliche jüdische Ladenmädchen schwarz gekleidet find und während des gestrigen feierlichen Tages des Leichenbegängnisses Ihrer Majestät der Königin Victoria waren die Fenster der ärmlichsten Mohnbäufer mit dunklen Vorhängen bedeckt, und in allen kleineren Synagogen wurde, ebenso wie in den großen aller Stadttheile. nach Sabbat-Ausgang Trauergottesdienst veranstaltet. Ein Magid bemerkte, daß am heutigen natr '«re die rpSo mtoa im buchstäblichen Sinne ausgeführt werde, indem wir unsere leider dahingeschiedene Königin mit Klageliedern und Gebeten in's Jenseits hinüberbegleiten. Auch wurden in voriger Woche von den Armen Pfennige gesammelt, um einen Kranz aus das Grab der Königin als Tribut der Huldigung und letzten Ehre von den armen Israeliten des Eastend, zu legen. Die angeheftete Karte trug die Inschrift: From the Shopkeepers, Stallkeepers and Street Vendors in London Jewisli Poorest Quarter A Tribut of profound sorrow and Respect their Beloved Queen. .atea Kar Höipo hs (Von den Läden- und KioSkinhabern u. Straßenverkäufern in London's ärmstem jüdischen Stadttheile als Tribut tiefsten Leidwesens und Ehrerbietung für ihre geliebte Königin. „Möge ihre Seele in Frieden ruhen!") Der Hauptgottesdienst fand nach Sabbat-Ausgang in der Hauptsynagoge — Dukes Place — statt, deren Inneres mit kostbaren schwarzen, vtolet und weißen Draperien umhängt war; die Leuchter und Lampen waren mit Crepe umschlungen und die heilige Lade hatte, wie am Versöhnungstage, einen weißen Vorhang, so daß die elektrisch beleuchtete Synagoge mit den anwesenden schwarz gekleideten Herren u. Damen, einen höchst imposanten, aber Wehmuth erzeugenden Eindruck gewährte. Nachdem das Mariw-Gebet vorgetragen wurde, sang der Chor den Psalm 16, nach einer speziell von dem Oberkantor Herrn M. H a st komponirten Melodie. Der Herr Oberkantor trug alsdann in ergreifender Weife das 'hvt rcn *iucn vor; dann folgte die Predigt des Cbief-Rabbi Dr. Adler. Der Redner wählte den Text aus den Sprüchen 31, 28, und bemerkte, daß, nachdem er bereits in der vorigen Predigt über die wohlwollenden Gesinnungen Ihrer Majestät zu uns Israeliten Englands während ihrer 63jährigen glorreichen Negierung eingehend gesprochen hatte, er heute eine allgemeine Betrachtung als englischer Bürger der Königin widmen wolle. Die geistvolle und Gefühl erweckende Predigt fand ein getreues Echo in den Herzen aller Anwesenden. Heute, Sontag Nachmittag, wurde ein Spezial- Trauergottesdienft für Kinder in der Dukes-Place- Synagoge abgehalten. Der Rev. Singer hielt eine sehr eindrucksvolle Ansprache und erzählte den Kindern die Lebensgeschichte unserer hochseligen Monarchin. In der Westend-Svnagoge der Portugiesen wurde u. A. rühmlichst erwähnt, daß die Königin Victoria sogleich nach ihrer Thronbesteigung den sel. Sir Moses Montefiore in den Adelsstand erhob und dieser der erste von Ihrer Majestät Geadelte war. Im Herzen Aller, gleichviel welcher Confession angehörig, bleibt das Andenken dieser edlen Monarchin unverlöschlich, wie es heißt: das Andenken der Gerechten verbleibt zum ewigen Segen! vermischtes Tiberias (Palästina). >lur größten Freude der israelitischen Gemeinde, wurde der seit drei Ja'ire n provisorischer Eigenschaft functionirende Chacham-Pascha Rabbi Bechor Aron El Chadöf durch ein Decret unseres hochgeliebten Sultans in defenitiver Eigenschaft ernannt.