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Der Israelit · 1901-02-07 · Heft 11 (7.2.1901) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 11 (7.2.1901)
Date
1901-02-07
Page
– (sequence 12)
Language
German
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handle, sondern daß Simm den Klenovec nur zur Erfüllung seiner Amtspflicht anspornen wolle, was den Entscheidungen des Cassationshofes entspreche und nicht strafbar sei. Umgekehrt stehe das Gebühren des Klenovec mit der Bestimmung des Paragraphen 26 der St.-P.-O., sowie der Instruktion für die k. k. Gendarmerie im Widerspruch. Der Gerichtshof schloß sich den Ausführungen des Lertheidigers vollinhaltlich an, hob das erstinstanzliche Unheil auf und sprach den Angeklagten vollständig frei. Damit ist wieder eine antisemitische Lüge aus der Welt geschafft, die Behauptung, daß Juden Geld geboten hätten, um den Thatbestand des Mordes an der Agnes Hruza zu verdunkeln. Rußland. Odessa. Die großen Judenkrawalle, welche Ende Juni drei Tage lang in Odeffa gewüthet haben, fanden am 23. und 24. Jan. vor dem aus Laien und Berufsrichtern bestehenden Gerichtshof ihren gerichtlichen Abschluß. Nachdem bereits einige Hundert Personen wegen Aufruhr, Diebstahl und Plünderung theils von der Polizei, theils von den ordentlichen Gerichten zu je drei Monaten Gefängniß verurtheilt wurden, sind nun die Anstifter und Rädelsführer an die Reihe gekommen. Der Prozeß gestaltete sich zu einem Monstreprozeß, da nistt wcNiger ans 38 Personen angeklagt und über 160 geladen waren. Außerdem sind sehr viele Inden, :j8 ,c zu stimm w. einen Schaden von 200,000 R'Ael d.memcwc: haben, als Zivilkläger zugelassen inorden. Die Verhandlungen werden vom ersten Gerichtspräsidenten B. I. Witte, dem Bruder des russiichen Finanzministcr, geleitet. Das Odessaer Publikum, welches diesem Prozesse seit Wochen mit großer Spannung entgegensah, bekam jedoch von der ganzen Sache wenig zu hören, da auf spezieller Anordnung des Justizministers der ganze Prozeß hinter verschlossenen Thüren geführt wurde. T. Amerika. Buenos-Aires. Aus den jüdischen Kolonien in Argentinien wird aus zuverlässiger Quelle berichtet: Die Kolonisten sind bestrebt, an Stelle des Weizens, für den man bei den niederen Preisen kaum noch 8 Mk. für den Doppelzentner erzielen kann, Flachs zu bauen, welcher pro Doppelzentner 21 Mk. abwirft. Es wurden daher in sämmtlichen jüdischen Kolonien Argentiniens im vorigen Winter nur noch 13,700 Ha. statt 160,000 Ha. des Winters 1899—1900 mit Weizen besät, während der Anbau von Flachs in dem gleichen Zeiträume von 11,200 Ha. auf 13,600 Ha. gestiegen ist. Leider ist aber der Flachskultur in Argentinien ziemlich enge Grenzen gesetzt, da man daselbst Flachs nur dreimal hintereinander auf demselben Boden bauen kann, während der Weizen hier keinen Kulturwechsel erfordert. Viele Bauern suchen daher den in Folge der niederen Weizenpreise erlittenen Schaden durch die Menge des unter Weizen genommenen Bodens wieder auszugleichen. So ist es gekommen, daß mancher Kolonist gegenwärtig nicht weniger als 19 Ha. Land in Bearbeitung nimmt. Es ist selbstverständlich, daß ein einzelner Bauer, ohne Hilfe von Taglöhnern, so viel Land unmöglich mit der nöthigen Sorgfalt bearbeiten kann. Die Arbeit fällt in Folge dessen unordentlich aus, es wird nur leicht gepflügt u. oberflächlich geeggt, die Ernte wird mit großer Haft vom Felde heruntergenommen, wobei viel verstreut wird. So geht dem Kolonisten aller durch den vermehrten Anbau erzielter Gewinn durch die liederliche Arbeit wieder verloren. Der russische Jude ist eben selbst in Argentinien noch ein klein wenig Spekulant geblieben, «nd es wird noch viel Zeit vergehen, bevor er dahinter gekommen sein wird, daß wenig und gut besser, als viel und schlecht ist. Um die Kolonisten von dem weniger rentablen Getreidebau zu emanzipiren, ist die Verwaltung seit einiger Zeit bestrebt, in den jüdischen Kolonien die Viehzucht einzuführen. Es wurde zunächst damit in Clara ein Versuch gemacht, indem daselbst eine große Meierei errichtet wurde. Die Einnahme der Kolonisten aus der gelieferten Milch beläuft sich jetzt schon auf 40—50 Pesos monatlich, eine Summe, welche vollkommen zum Leben ausreicht, falls der Kolonist Lebensmittel für sich und sein Vieh selber produziert. In Folge des günstigen Ausfalls des in Clara gemach- :cn Versuches ßn> setzt weitere Meiereien in San-Antonio und Luüenville ernchtot worden. Trotzdem so di: jüdischen Kolonisten in Argentinien eine gesicherte Gegenwart und eine günstige Zukunft haben, verlassen sie dennoch in großer Anzahl die Kolonien, um nach den Städten Argentiniens oder gar nach den der Vereinigten Staaten auszuwandern. Es gehört ein eigener Geschmack dazu, eine gute Existenz aufzugeben, um in irgend einem Ghetto das wenig beneidenswerthe Dasein eines Sweaters zu genießen. Es fällt eben dem jüdischen Städter gar zu schwer, ssch in kurzer Zeit in einen Bauer zu verwandeln. Aus diesem Grunde wohl haben im Jahre 1899 sechzig Familien Clara verlassen. Ihr Platz wurde zum Theil durch neue Einwanderer besetzt, welche in einer Anzahl von vierzig Familien auf eigene Kosten aus Bessarabien kamen. Einen ferneren nicht unwesentlichen Zuwachs erfahren die Kolonien durch die natürliche Vermehrung der Kolonisten selbst. Um den Nachwuchs unterzubringen, wurde 1898 die Kolonie Lucienville gegründet, welche jetzt dreißig Familien zählt. Ferner wurde nahe Basavilbaso eine neue Kolonie „Leven" mit 24 Häusern errichtet. T. Briefkasten der Redaction. E. K.: Sehen gern Ihrem Bericht entgegen. Briefkasten der Expedition. Abonnent in d. B.-ftraße: Moritz Grünebaum in Crumstadt bel Darmstadt. V. St.r Mk. 8.-

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