Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 10 (4.2.1901)
- Date
- 1901-02-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Mraaita. M 10, Der Israelit. Ein Aentrat-Hrgan für das ortßodore IudenthuM. Begründet von Or in Ataitti. M onta §, den 4. Februar 5001 (11)01). Leite oder Artikel. eitgemäße Wklrachtungkn zur Ishkhunöerlwenök. in. (Schluß aus Nummer 3.) Mainz, 3. Februar. Wenn wir nach allem bisherigen einen Blick in die Zukunft, in unsere jüdische Zukunft wagen, so handelt es sich, nachdem wir nachzuweisen versuchten, welchen Antheil wir selber durch unser sittliches Thun und Lassen auf die Gestaltung der Zeit haben, lediglich darum, was w i r unter dieser Perspektive von der Zukunft zu erwarten haben. Unsere jüdische Zukunft wird sich aber von der Zukunft der ganzen Menschheit so wenig loslösen lassen, wie dies in der Vergangenheit der Fall war, ja beide werden von Jahr zu Jahr, von Jahrhundert zu Jahrhundert, inniger und einheitlicher Hand in Hand gehen und sich gegenseitig bedingen. Wie die Welt im Großen und unsere jüdische Welt im Kleinen nach hundert Jahren sich gestaltet haben wird? Einen Maßstab dafür bietet ein Blick auf das abgelausene Jahrhundert und ein Vergleich der Gestaltung aller Dinge zwischen seinem Anfänge und zwischen seinem Ende. Es ist wohl keine Uebertreibung zu behaupten, daß das abgelaufene Jahrhundert die Welt in allen Gebieten mehr der Vollendung entgegengeführt hat, als sonst ein ganzes Jahrtausend. Wenn es Jemand, der vor hundert Jahren aus der Welt geschieden ist, vergönnt wäre, heute einen Blick in dieselbe zu werfen, er würde sie nicht wiedererkennen. Jedes Streichhölzchen würde er als ein Wunderwerk anschauen, wenn er sich der Mühe erinnert, die es vor hundert Jahren kostete. Licht und Feuer zu schaffen und zu erhalten. Feuer und Wasser waren vor hundert Jahren, waren seit Menschengedneken die größten Gegensätze, das Wasser war der Tod des Feuers, und jetzt im Jahrhundert der Elektrizität, ist das Wasser der Erzeuger des Feuers geworden. Er sieht Wasser und Feuer in dem Dampfroß vermählt, das mit ungeahnter Geschwindigkeit und Leichtigkeit die Menschen einander näher bringt, das Berge durchjagt und so Länder miteinander verbindet, die seit Jahrtausenden durch unersteigliche Höhen geschieden waren. Unter sich sieht er den Schienenring, mit der der menschliche Genius die spröde Erde bewältigt und sich angetraut hat, über sich sieht er auf Stangen gezogene Drähte. Sind es Erubdrähte, die mit dem sie durchzuckenden Blitz u. der sie durchfluthenden Schallwelle des gesprochenen Wortes das große 3'2-n mn der Mensckienerde, in ein “'nn ms»*’ umgewandelt haben? Jedes Zeitungsblatt ein Wunder. So rasch hatte vcr hundert Jahren der erste Minister der höchsten Großmacht nicht die politischen Nachrichten, als sie heute der letzte Bauer im abgeschiedensten Walddorf hat. Die Weltlage vollkommen verändert, Reiche verschwunden, Throne gestürzt, Republiken erstanden, alle Erdtheile durch Dampserlinien und Telegraphenkabel verbunden. Maschinen, die wie Menschen, und Menschen, die wie Maschinen arbeiten, im politischen, im sozialen Verkehr, in den Erwerbsverhältnissen, in allen Beziehungen und Ausgestaltungen des täglichen Lebens eine Umwandlung, Vervollkommnung und ein rastloses Streben nach immer höherer Vollendung, deren Ensemble wohl geeignet ist, den entzückten Abgeschiedenen mit wonnigem Schauer zu erfüllen und die glücklichen Enkel zu beneiden, die ein gütiges Geschick diese lichte Zeit erleben ließ. — Und wenn es gar einem vor Anfang des Jahrhunderts Heimgegangenen Juden vergönnt wäre, einen Blick in diese lichte Zeit zu werfen! Er suchte die Ghettos