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Der Israelit · 1901-01-31 · Heft 9 (31.1.1901) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 9 (31.1.1901)
Date
1901-01-31
Page
– (sequence 27)
Language
German
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SIS Gemeinden behufs Beiträge zur neugegründeten Hilfskaffe, und 2) über die Eingabe zum Zwecke der Organisation des isr. Religionsunterrichtes und Besserung der Stellung der jüdischen Lehrer im Großherzogthum Hessen. Ueber Punkt D konnte der Berichterstatter Erfreuliches mittheilen, zumal verschiedene Gemeindeneinen jährlichen Beitrag bewilligten. Hoffen wir, daß auch Punkt 2) — welcher zur Zeit im Ministerium zur Berathung vorlieat — bald seiner Verwirklichung entgegengeht zum Heile der Lehrer und der Gemeinden. Hierauf erhielt Herr Hofmann-Großgerau das Wort zu seinem Vortrage: „Die Methodik des Biblischen Geschichtsunterrichts in der jüdischen Schule." Daran anschließend zeigte der Referent in der Lehrprobe: „Moses Geburt und Rettung," wie die fünf Normalstufen beim Geschichtsunterricht Anwendung finden. Referent legte überhaupt seinem Vortrage und der Lehrprobe die Behandlung nach Herbart-Ziller'scher Methode zu Grunde. In der nun folgenden Kritik wurde namentlich der Standpunkt vertreten: „Daß nicht nur Religionslehre im Anschluß an den Geschichtsunterricht ertheilt werden solle, sondern aller Unterricht in der Religionsschule muß Ausgangspunkt für den Religionsunterricht sein." Also weg mit dem systematischen Religionsunterricht, namentlich in den unteren Jahrgängen, zumal derselbe von sehr geringer Bedeutung für die Heranbildung eines guten jüdischen Menschen ist. Zu bemerken wäre hier noch, daß bei diesem Theil der Tagesordnung bezüglich der Anwendung der „Herbart- Ziller'schen Methode" im Interesse der Verkeilung des Stoffes und Angesichts der wenigen verfügbaren Zeit, viele Widersprüche in der Versammlung sich geltend machten. Da der dritte Punkt der Tagesordnung wegen Abwesenheit des betr. Referenten ausfallen mußte, schritt der Vorsitzende zum vierten Punkt der Tagesordnung: „Besprechungen." Nachdem hier unter anderem namentlich verschiedene in manchen Gemeinden betreffs des Schulbesuches eingetretene Mißstände besprochen wurden und hierbei leider konstatirt werden mußte, daß einzelne Kreisämter die gesetzliche Bestimmung über den Besuch des israelitischen Religionsunterrichts verschieden deuteten, wurde beschlossen, daß in vorkommenden Fällen jeder Kollege dem Landesrabbiner das Material zur energischen Betreibung und Regelung der Sache an zuständiger Stelle übersenden solle, wozu sich Herr Rabb. Dr. Marr gerne bereit erklärte. Hierauf schloß der Vorsitzende die Versammlung, welche ohne Unterbrechung von morgens 10 bis beinahe 3 Uhr Nachmittags gedauert hatte, mit dem Wunsche „auf ein frobes Wiedersehen in Frankfurt." A. fröhlich. England. London, 29. Jan. (Königin Victoria und die Juden.) Von den vielen Millionen, welche den Tod der Königin Victoria beklagen, hat vielleicht Niemand so viel Grund dazu, wie die englischen Juden. Das Zeitalter der Königin Victoria war für die Juden Großbritaniens eine Aera der vollständigen Emanzipation, durch welche sie von der tiefsten Stufe der Erniedrigung zur glänzenden Höhe der vollständigen politischen und socialen Gleichstellung emporgestieaen sind. Als ehrliche Hüterin der englischen Constitution konnte Königin Victoria für die Gleichstellung der Juden direkt zwar wenig thun, desto mehr trug sie aber indirect dazu bei, indem sie durch gleichmäßige Behandlung aller ihrer Unterthanen, sowie durch ihren persönlichen freundschaftlichen Verkehr mit ihren hervorragenden jüdischen Unterthanen ein glänzendes Beispiel der Vorurtheilslosigkeit gab und dadurch zur gesetzlichen Gleichstellung der Juden wesentlich beitrug. Schon als kleines Mädchen kam Königin Victoria in Ramsgate, das sie mit ihrer Mutter, der Herzogin von Kent, häufig zu besuchen pflegte, mit jüdischen Kindern vielfach in Berührung. Hier durfte nämlich die kleine Prinzessin mit Kindern ihres Alters nach Herzenslust im Sande spielen. Der Jude Richard Henry aus Ramsgate war sein ganzes Leben lang stolz auf einen Kuß, den er als Kind von der kleinen Prinzessin Vicky bei dieser Gelegenheit erhalten hat. Zu derselben Zeit machte die kleine Prinzessin die Bekanntschaft Moses Montefiore, welcher die Herzogin von Kent einlud, seinen hübschen Garten, den früheren Sitz der unglücklichen Königin Caroline, welche als Prinzessin of Wales früher in Ramsgate residirt hat, zu benutzen. Mit Moses Montefiore kam die Königin nachher gesellschaftlich wie amtlich öfters in Berührung, so namentlich, als der berühmte Philantrop gelegentlich der bekannten Blutbeschuldigung von Damaskus 1840 seine Reise zu Mahmed-Ali von Egypien unternahm, ferner 1841 bei seiner Rückkehr aus dem Orient. Beide Male wurde Moses Montefiore von der Königin in einer Audienz empfangen. Nach seiner Rückkehr aus Petersburg, wohin Montefiore 1846 gereist war, um im Interesse der unterdrückten russischen Juden beim Czaren Nicolaus vorstellig zu werden, wurde er von der Königin zum Zeichen ihrer Sympathie zum Baronet erhoben. Sir Moses Montefiore war übrigens nicht der erste Jude, der in England zum Baronet erhoben wurde. Schon vor ihm wurde dem bekannten Vorkämpfer der Judenemanzipation in England, Sir Isaak Lyon Goldsmid, 1841 der Rang eines Baronets verliehen. Die Königin verkehrte auch persönlich mit Sir Goldsmid, dem sie 1853 in Begleitung des Prince consort eines Tages mit ihrem Besuch überrascht hat. Daneben stand die Königin in intimen Beziehungen zum Hause Rothschild, von denen sie namentlich den Baron Ferdinand de Rothschild, den sie 1890 die seltene Ehre ihres Besuches zu Theil werden ließ, sowie die Baronesse Hannah de Rothschild, nachmalige Lady Rofebery, mit ihrer speziellen Freundschaft beehrt hat.

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