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Der Israelit · 1901-01-31 · Heft 9 (31.1.1901) · page 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 9 (31.1.1901)
Date
1901-01-31
Page
– (sequence 23)
Language
German
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209 Jahren unter Mitivirkung der Familie von Rothschild errichtet wurde: und als dieselbe inzwischen zu klein geworden und man an einen Neubau gedacht, hat er nicht gezögert, uns auch hierfür reiche Spenden zuzusagen. Kurz, es gibt wobl keine Institution unserer Gemeinde, zu der er nicht in reichster Weise Beiträge geleistet hat. Und wie er die Wohlthätigkeit, diesen einen Grundpfeiler der Welt und des Gemeindelebens, stützte und Pflegte, so hat er die beiden andern, die Gesetzeskenntniß und den Gottesdienst, wie Ihnen geschildert wurde, in gleicher Weise hochgehalten, und nicht nur den Gottesdienst im Gebete geübt, sondern auch im Dienste für das Wohl der Gemeinde. Ist er auch in letzterer Thätigkeit offiziell nicht herausgetreten, so hat er doch im Verborgenen dafür zu wirken verstanden und manch' verständigen Rath, manch' rechtes Wort, gesprochen am rechten Platze, verdankt unsere Verwaltung seiner weisen Erfahrung und seinem klaren Verstände. Wenn es daher in erster Linie Gefühle der Trauer sind, die uns an dieser Bahre erfüllen, so mischt sich hierin aber auch das Gefühl unendlicher Dankbarkeit, das ich hier in unserer aller Namen und im Namen aller unserer Institutionen ausspreche, tiefgefühlter Dankbarkeit für Alles, was er uns gebracht und gegeben. Und diesen Dank glauben wir bester nicht bethätigen zu können, als wenn wir es hier feierlichst versprechen, daß mir diese Institutionen Hochhalten und fortführ:n werden, in seinem Geiste und seinem Sinne. Und noch ein drittes Gefühl möchte ich hervorheben, das uns allen das Herz erfüllt — das Gefühl der Bewunderung und der Nacheiferung. Wie er uns das Beispiel gegeben, auf den Höhen des sozialen Lebens stehend, nichts Anderes wollend und erstrebend, als voll und ganz für hohe Ziele zu schassen und zu wirken, wie er durch seine hohe Stellung nicht höhere Rechte, sondern nur die Erfüllung um so höherer Pflichten in Anspruch nahm, so möge sein Tod in .uns Allen das Bestreben wachrufen, gleich ihm jederzeit unser bestes Können für dieselben Ziele, die die seinen waren, einzusetzen. Könnn wir auch nicht das leisten, was er gespendet, so können wir doch jederzeit Jeder in seinem Kreise das Unserige thnn, wie er jederzeit das Seinige gethan hat. Dann werden wir seines Geistes Hauch verspüren, einen Hauch, der uns stärkt und stählt für die Erfüllung unserer Lebensaufgabe: dann wird sich das Wort unserer Weisen verwirklichen, „daß der Hingang eines Gerechten die Mitwelt und Nachwelt sühnt und sittlich veredelt." Und so wollen wir ihn hinaustragen, und die Hülle der Erde zurückgeben, von der sie genommen. Wir rufen ihm zu: „Gehe hin in Frieden, es : wandte vor Dir Deine Gerechtigkeit, und die Herrlich-! feit Gottes nehme Dich auf."! Und wenn wir dann zurückkehren von dieser Stätte, die die Weisheit unserer Weisen das Haus des! Lebens nennt, so können wir mit dem Dichter sagen: i „Wir haben einen guten Mann begraben!" uns aber, j uns allen, die wir hier trauernd versammelt sind, uns war er unendlich mehr."! Zum Schluß ergriff Herr Bürgermeister Barrentrapp das Wort zu folgender Ansprache: I „Ich müßte fürchten, dem schlichten Sinne des edlen Verklärten wenig zu entsprechen, wenn ich es un-! ternehme, auch meinerseits seine hohen Verdienste zu schildern und zu rühmen, wie sie es verdienen. Aber ein kurzes Wort wenigstens sei mir gestattet. Denn ich kann nicht und darf nicht — da ich als Vertreter unserer Stadt Frankfurt hier zu stehen die Ehre habe! - stumm bleiben und schweigen, ich muß Zeugniß ab-! legen von unser Aller Dankbarkeit an der Bahre des z Freiherrn Wilhelm Karl von Rothschild, der, wie kein i Zweiter, ein Wohlthäter der Armen und Elenden war, i der allen gemeinnützigen und guten Bestrebungen sein! warmes Interesse und eine offene Hand entgegenge-! bracht hat. Sein Leben war erfüllt von dem, was der j köstlichste Inhalt eines Menschenlebens ist: Arbeit und! Wolsithun. Wohl weiß ich, daß der Verklärte nicht j nach lauter Anerkennung und äußerem Dank geizte;! aber uns, seine Mitbürger, drängt es, noch einmal — zum letzten Male — dem innigen Dank und der! schmerzlichen Trauer Ausdruck zu geben, die uns erfüllt i an der Bahre des edlen Wohlthäters, des hervorragenj den Mitbürgers, dessen Andenken unter uns nie er-! löschen wird.! .daraus wurde der schmucklose Sarg zur Gruft i getragen. Gegen 1L Uhr war der Trauerakt zu Ende.! Unmöglich ist es, alle die hervorragenden Persön-! lichkeiten, die zum Leichenbegängnisse des Herrn Baron! erschienen waren, besonders aufzuführen und nennen; wir nur diejenigen, die wir gesehen haben, oder die uns i genannt worden ftnb. Bereits erwähnten wir Herrn! Rabbiner Fürst- Wien. Derselbe war Mitglied;• einer Deputation, welche die Wiener Adaß Jisroel-Ge-! meinde Schiffschul entsandt hatte. Das andere Mit-! glied dieser Deputation war Herr Vorsteher Leopold i K o l) n. Der Bethausverein Montesiore in Wien entj sandte die Herren AdoE H i r s ch l e r und Wilhelm j F l e i s ch m a n n. I Als Vertreter der Pekidim und Amarkalim für! die Armen des heiligen Landes kamen die Herren | Rubens und Abrahams. Dieselben über- : brachten rerr:-? niesen irret t:e» d.-r “ope ib». Von Berliner Herren sahen wir Rabbiner Dr. Meyer Hildesheimer und Dr. A. Berliner,

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