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Der Israelit · 1901-01-31 · Heft 9 (31.1.1901) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 9 (31.1.1901)
Date
1901-01-31
Page
– (sequence 21)
Language
German
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207 thum. Weil Gott herrscht über alles, darum hielt er es für seine erste Pflicht, zu herrschen über sich selbst, das Göttliche in ihm, seine Seele, herrschen zu lassen über den ganzen Menschen; weil er wußte, daß Gott der Schöpfer aller Dinge ist, darum hielt er es für göttlich, in seinem Leben zu schaffen und zu arbeiten; weil Gott der Helfer ist, darum hielt er es für seine Pflicht, zu helfen; weil Gott unsichtbar ist, darum hielt er es für göttlich, unsichtbar zu helfen. Bescheiden wandelte er in seinem Gott, religiös war alles in ihm. Aus Religion entsprang ihm die Liebe Zu König und Vaterland. von religiöser Innigkeit und Zartheit war die Liebe zu seiner Familie. Als religiöse Pflicht übte er die Menschenliebe. Er liebte die Menschen, liebte sie. der Name Gottes durch ein Werk der Menschenliebe gepriesen: sei es, daß Schmerz ihn erfüllte, oder daß heilige Freude durch seine Seele rauschte. Alle, alle, denen er wohlgethan, danken ihm heute. Da ist die israelitische Gemeinde, das Rabbiner-Seminar in Berlin, die israelitische Volksschule, die Stiftung zur Vorbildung für den Rabbinatsberuf, die Israelitische Suppenanstalt, die Israelitische Waisenanstalt hier und im heiligen Lande, da ist die Kuranstalt Soden und viele, viele andere, die er unterstützt und unterhalten hat. Sie alle werden erhalten bleiben und in seinem Geiste weiter leben. Nun liegt sie zu Boden gestürzt vor uns, die eherne Säule, die in alle Lande gekündet hat jüdische Glaubenskraft und Stärke in fßmm KM- ZjMs« MMiWlWW fSiPiS' liMllWjlW JWHiiliffiyr innm.ürcr ii'X, '^önüusSiiiiimanni'ir ■’W-' A>\ v> n Witts des Herrn Davon Willy in Röniaftein t. G. weil Gott es fordert. Weil Gott sie liebt ohne Unterschied des Glaubens und des Standes, weil Gott der Vater aller Menschen ist, weil den Juden das schönste Wort in der menschlichen Sprache gehört: Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst. Gr verzichtete auf alle Vorrechte seiner Geburt, seinen Reichthum verivaltete er für andere zum Segen; was er für sich benöthigte, wollte er lvie jeder andere durch seiner Hände Arbeit erwerben und der Gewissenhaftigkeit, mit welcher er darin handelte, kommt nur noch gleich die Bescheiden heit seiner persönlichen Ansprüche. Ihm war es Grundsatz, daß Noth darum in der Welt sein muß. damit die Menschen Barmherzigkeit üben können. Ob Gott gegeben oder genommen hat, stets wurde von ihm unserer schwächlichen, von Ziveifeln zernagten Generation: die starke Burg ist von: Sode gestürmt worden --- nein, sie ist von Gott genommen worden. Nicht im wehen Schmerze, sondern in sinnender Ruhe wird sein Andenken in uns fortleben als ein Wahrzeichen sittlicher ,'dratt und ein Svmbol der Glaubensstärke. „Gesegnet aus der Gr^e wi DAne Nachkommenschaft, das We:t des Redlichsten der Redlichen sei gesegnet, bis Gott erfülle: das Wort des Propheten: es löschet der .Herr die Shränc aus teglichem Angesicht." Daraus sprach der Vorsitzende der Israelitischen Religion s ge se ll s cha st Herr Louis Feist: „Als am Freitag Nachmittag sich die Nachricht ver-

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