Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 9 (31.1.1901)
- Date
- 1901-01-31
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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204 neuen Welt umgaben, inmitten der vielfachen entgegen- ’ gesetzten Strömungen der neuen Zeit, die er ja miterlebte, blieb er der unerschütterliche Fels, die Festigkeit,; die eiserne Consequenz, die Unbiegsamkeit und Un-; erschiitterlichkeit selbst, in unverbrüchlicher Treue zu : Gott und seinem Gesetze verharrend. Beispiellos waren j seine rzz 'ppm, seine gewissenhafte, minutiöse Beobachtung der heiligen Gottesgebote, beispiellos seine Sabbat- und Festesfeier, beispiellos seine heilige Andacht, mit der er die täglichen Gebete verrichtete und die Segenssprüche bei jedem Genuß aussprach, beispiellos sein unermüdlicher Fleiß im Studium der Thora, in der er sich eine geradezu staunenerregende Kenntniß erworben. Und dieser cvn?y, dieser Lebensbaum der Thora war es, an dem diese herrliche Menschenfrucht herangereift ist. rxn mm rx :b zrz\ Das Gotteswort verpflichtete den jüdischen König, zwei Abschriften der Thora anzufertigen; r.nx, so lehren unsere Weisen, mzy nxsrr r.z:z: rrnv'. eine, die mit ihm ein- und ausging v:;; *T2rnxv die andere, die bei seinen Schätzen lag. Auch unser Heimgegangener Große hatte eine solche Doppelabschrift der Thora. Die eine war seine stete Begleiterin, so oft er ein- und ausging, die andere lag bei seinen Schätzen. Sie war der erste Schatz unter seinen Schätzen, das erste Gut unter seinen Gütern. Diese Thora war für ihn die unabänderliche Richtschnur seines Lebens, deren Verwirklichung im Leben die Summe seiner Aufgabe bildete. Ans dieser Thora schöpfte er den vollendeten Rechtlichkeitssinn, der sein ganzes Wesen charakterisirte und den er in allen Zweigen seines arbeitsamen Lebens bethätigte, schöpfte er die grenzenlose Liebe zur Wahrheit, die Liebe und Achtung, die er für seine Mitmenschen hegte, die Liebe und Anhänglichkeit, die er als Patriot, als treuer Sohn seines Vaterlandes, als treuer Unterthan seines Königs, zu allen Zeiten bewahrte; aus ihr schöpfte er die Lehre: nzs'zn rs z-r.s, liebe die Arbeit. Und endlich p. Wie war er ein Pfleger und Erhalter seiner Mitmenschen! Wer riefe sie wach, all die Hütten und Häuser, all die Vereine, Gemeinden und Körperschaften auf weitem, weitem Erdenrund, daß sie Zeugniß ablegten, wie dieser Große, so oft es galt, irgend etwas Gutes zu schassen, irgend einer Roth zu steuern, oder, wo es galt, die Thora, ihre Lehrer und Schüler, oder irgend andere gemeinnützige, das Heil der Menschheit fördernde Zwecke zu unterstützen, sich als p als göttliches Werkzeug der Wohlthätigkeit und Menschenliebe bewährt hat. — r,b:p jnn n:c- "cz fva p by. O, ihr Armen des heiligen Landes, beweinet in dem Heimgegangenen euren väterlichen Freund! — Und wie könnte, wie dürfte ich da unerwähnt lasten, wie er als orec p zu unserer Gemeinde gestanden, zu unserer Gemeinde, welche ja die Prinzipien auf ihre Fahne geschrieben, an denen er mit jeder Faser seines Herzens hing und die sein ganzes Wesen beseelten. Vom Anbeginn ihrer Entstehung bis auf den heutigen Tag stand er ihr in fürsorgender Liebe und Treue zur Seite. Keine wesentliche Schöpfung, keine Institution im Schoße unserer Gemeinde, mit der sein Name nicht verknüpft wäre und an deren Begründung und Erhaltung er nicht seinen Löwenanteil genommen hätte. — rvn, er war! Dieses einzige Wörtchen rrbezeichnet die ganze Größe dieses Mannes, dieses d iv "■$, der Israels Stolz und Herrlichkeit war, bezeichnet zugleich die ganze Größe des herben Verlustes, den Israel und mit Israel die Allmenschhcit durch seinen Hintritt erlitten. Wie könnten wir denn da Worte finden, um dem Gefühle unseres Schmerzes auch nur annähernd Ausdruck zu verleihen? _ Mit dem klagenden Propheten rufe ich aus: man -*pE "yy' c*e rr pT *c , o, wäre doch mein Haupt Wasser und mein Auge ein Thränen-! quell! n- 'dbn rx npH: ccv mix*, so möchte ich! Tag und Nacht die Gefallenen meines Volkes be-! weinen! Ja, 'zy ni 'bbr.. An diesen einen Lebensfaden waren die Lebensfäden Tausender und abermals Tausender geknüpft und dieser Lebensfaden ist nunmehr zerrissen, ach, zerrissen!! Und doch, meine Trauernden, wollen wir im Geiste des Entschlafenen und damit im Geiste unserer Thora in diesem schmerzlichsten Ereigniß den heiligen Gotteswillen verehren, Ihn preisen und loben, rpb p; n Gott, der ihn genommen, hat ihn uns gegeben, hat uns das Glück beschieden, ihn eine lange Reihe von Jahren den Unsrigen nennen zu dürfen, 'yz'rz nrx c’pwx xtr; ein göttlicher Fürst warst Du in unserer Mitte! Wir vertrauen auf Gott, der — *jxbv; epts xh r — wenn er aud) zerrissen, uns doch Heilung gewähren wird; wir vertrauen auf jenes Weisen Wort: ncr u-p'ii* mn daß das Haus wahrhaft Pflichtgetreuer für die Dauer bestehen wird. Wir vertrauen umsomehr, als es doch von dem Hause des ersien c-pS< x w heißt: rpnx d. h. Abraham's Zelt war Sara's Zelt, ihr Geist war es, der darin waltete und aus seines Zeltes Räumen hinausleuchtete und ihm die Schwungkraft für all das Herrliche und Großartige verlieh, das er draußen im Leben vollbrachte. Dasselbe gilt auch von dem Hause unseres Heimgegangenen Freiherrn Wilhelm Karl von Rothschild: rPnx. Sein Haus war auch das HauS seiner Gattin, der allverehrten Freifrau Mathilde von Rothschild, die ihm seit mehr als einem halben Jahrhundert als wahrhafte vti« iw zur Seite stand. Ihr Geist war es ja auch, der in diesem Hause waltete und es zu einer Pflanzstätte jüdischen Lebens machte. So wird dieser Geist auch weiterhin in diesem Hause ungetrübt fortleuchten zur Ehre des gesetzestreuen Judenthums und zum Heile der Allmenschheit. Und nun rufen wir dem Heimgegangenen Großen den üblichen Abschiedsgruß zu: c^ste -]b. ziehe hin in Frieden! Genieße im Reiche des Friedens den wohlverdienten Lohn für die reiche Saat, die Du auf Erden ausgestreut. Du hast dafür gesorgt, daß Dein Andenken für alle Zeiten ein gesegnetes bleiben wird.! 1313*71 pHX 12t*