Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 9 (31.1.1901)
- Date
- 1901-01-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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' 188 wesenden Oberbürgermeisters*) Herr Bürgermeister Dr. Varrentrapp anwesend. Schon vor der Beerdigung hatte am frühen Vormittag eine Trauerfeier im Hause stattgefunden, an welcher nur eine begrenzte Anzahl von Leidtragenden theilnahmen. Herr Rabbiner Dr. Breuer hielt hier eine Gedächtnißrede. Dieselbe hat folgenden Wortlaut: 717,-7 21*71 12: bli:i 1L' '2 'JH77 N^Tl. Ihr wisset doch wohl, daß ein Fürst und ein Großer gefallen ist an diesem Tage in Israel! So rief einst König David beim Hintritt eines der Edelsten und Vesten seines Voltes aus. i>'“n s,u“, Ihr wisset es ja, es wäre überflüssig, erst durch Worte darzuthun, was Ihr besessen, was Ihr verloren, überflüssig, erst das Lebensbild des Dahingeschiedenen zu zeichnen, um daran die Größe und Tiefe des Verlustes zu erkennen; Euch allen ist es klar, daß es ein Fürst, ein Großer war, den Israel verloren! Diese Worte, die einst den klagenden Lippen des königlichen Sängers entfuhren, sie treffen voll und ganz zu angesichts des erschütternden Ereignisses, das uns um diese Bahre sammelt, die die irdischen Ueberreste eines der Edelsten und Besten Israels, unseres hochverehrten Freiherrn Wilhelm Carl von Rothschild birgt. "j~r, x'b.i. Ihr wisset doch, meine Trauernden. drr-s"2 7i77! 2*m ^2: b'~:' t *2, daß mit ihm ein Fürst und ein Großer in Israel dahingegangen! Ein , ein Fürst im edelsten Sinne des Wortes, der mit der ganzen Fülle des Segens, den Gott ihm verliehen, der Segen seines Volkes, seiner Mitmenschen war, ein b—,:. ein Großer, groß durch seine Herzens- und Geistesanlagen, groß durch die Rechtschaffenheit seines goldreinen Charakters, durch die Biederkeit seiner Gesinnung, durch die Lauterkeit und Reinheit seines Strebens und Schaffens, durch die Bescheidenheit, Milde und Sanftmuth seines Wesens, und dm:, groß — rr'r.z. durch die Tboraweisheit, die ihn erleuchtete und die die Triebfeder aller seiner Gott und Menschen erfreuenden Handlungen war. lyin rrbn. Ihr wisset es ja; ist es denn nöthig, durch viele Worte darzuthun. was er gewesen, wer er gewesen, was er den Seinen, seiner Gattin, seinen Kindern, seiner Familie gewesen, was er unserer Gemeinde, unserem Volke und darüber hinaus, der Allmenschheit gewesen! — Wer vermöchte überhaupt in der Kürze und Schwäche des Wortes ein solch' reiches Leben umspannen? Darum wollen wir unseren heutigen Nachruf in ein einziges Wörtchen unserer Thora fassen: "tt,,, heißt dieses Wörtchen, er war! 7'- 72 ics:b> c*pa bz . lehren unsere Weisen, von wein es in der Thora heißt: er war, von wem das Gotteswort aussagt: rrn er war, er hat dem Sein angehört, ,p*iL *2*2 Ti lr^nra, der war vom An- ") Frribümiicli IieUchieten wir in voriger Nummer, daß auch der Herr Oberbürgermeister erschienen sei. Red. fang bis an's Ende seines Lebens ein gesetzestreuer Mann, enn aby tut, der hat ferner eine neue Welt gesehen 2:121 p, der war endlich Pfleger und Erhalter seiner Mitmenschen. Nicht jedem Menschen wird von unserer Thora der Begriff des Seins zuerkannt. Wem sie den Begriff des Seins zuerkennt, der muß den Bedingungen dieses Seins entsprochen haben. Wenn darum von einem Menschen das Höchste ausgesprochen werden soll, wenn von ihm ausgesprochen werden soll, daß er seine Menschenbestimmung allseitig voll und ganz erfüllte, so hat die Thora das bezeichnendste Prädikat dafür: , er war! Er hat dem Sein angehört! In diesem einzigen kurzen Worte: •Tn liegt der reichste biographische Inhalt. Daher meinen unsere Weisen: nm n iax:e> [bpo bz, von wem die Thora aussagt: er war, dem ste das Sein zuevkennt, der hat sämmtlichen Bedingungen des Seins entsprochen, der pmrc 1212 -1x7 irSnrc, ist sich vom Anfang bis an's Ende seines Lebens in seiner Pflicht- und Gesetzestreue gleich geblieben, ja, tsnn 2J?ij> n»i, der hat eine Umwandlung seiner Welt erlebt, hat somit das Leben von den entgegengesetzten Seiten kennen gelernt, hat sich somit in allen Gegensätzen zu erproben gehabt, der 2:1221 p, hat nicht nur für sich, sondern für seine Mitwelt gelebt, war Pfleger und Erhalter seiner Mitmenschen, und hat so in all' diesem sein Sein, sein Dasein bewährt. Denn nur dem, der sein ganzes Leben lang in seiner Pflicht- und Gesetzestreue unerschütterlich ausgeharrt, der — 2*?iy nrri — trotz aller Gegensätze sich seinen einmal eingenommenen Standpunkt zu bewahren verstanden und — 0:1221 p — — andern den Mitgenuß am Leben verschaffte, sich also als Wohlthäter der Menschheit bewährte, stellt die Thora das schönste Zeugniß aus: n-n, er war, er ist in Wirklichkeit gewesen, er hat dem Sein angehört, er war das, was er sein sollte!! (Fortsetzung folgt in der zweiten Beilage.) Zeitungsnachrichten und Correspondenze«. Deutschland. Berlin, 29. Jan. Das Komitee zur Abwehr antisemitischer Angriffe, welches sich auch mit der Erklärung der Rabbiner in Sachen der Ritualmordanklage gegen Juden befaßt hat, besteht, wie uns mitgetheilt wird, nicht aus Christen, sondern nur aus jüdischen Mitgliedern. Unser Correspondent in der vorigen Nummer hat in diesem Punkte sich offenbar geirrt. Berlin, 25. Jan. Pastor Krösel setzt seine „wissenschaftlichen" Vorträge über den „Ritualmord" und den Konitzer Mord unbehindert fort. Nunmehr hielt er wieder eine Versammlung in Pyritz ab, zu welcher der Andrang ganz enorm war.