Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 8 (28.1.1901)
- Date
- 1901-01-28
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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SBer Israelit. Central-Organ für das orthodoxe Judcnthum. Alätter für die israek. Schute. 28, Jan. 1901.^ rauiM m M. L. [9lt. 1. kinfuhrNil von 8artendnn- " ‘ .‘ in jiiDifdjfn Sdnilcn. von Ll. M. Simon» Hannover. Der Artikel des Herrn I. Jakob, Simultanschullehrer in Laslau, in der „Zeitung des Judenthum" vom 28. Dezember v. I., liefert den freudigen Beweis, wie auch jüdische Schullehrer sich für Gartenbau und Landwirthschaft interessiren. Namentlich stimme ich darin mit Herrn Jacob überein, daß ich ebenfalls für sämmtliche Kinder, sowohl die Schüler der Volksschulen, wie der höheren Schulen, den Unterricht in den einfacheren und leichteren Zweigen des Gartenbaues aus den mannigfachsten Gründen, von denen ich einige noch anführen werde, ebenso wie den Handfertigkeitsunterricht für gleich wichtig halte. Kinder haben von Natur einen Thätigkeitsdrang. der sich bereits in den ersten Jahren zeigt, oft zerstörend, wenn er nicht in die richtigen Wege geleitet wird, dahingegend ausbauend, wenn nach dem System Fröbel die natürlichen Neigungen für erziehliche Zwecke nutzbar gemacht werden. Bei einer rationellen Erziehung sollte dieses System, wo die Verhältniffe dies irgend zulassen, vom sechsten Jahr bis zur Beendigung der Schulzeit fortgesetzt werden, indem man nicht nur die intelektuellen, sondern auch die praktischen Fähigkeiten der Kinder zur Entwickelung kommen läßt und einzelne Lehrstufen, wie z. B. Raumlehre, Zeichnen, Botanik, durch Handfertigkeits- und Gartenbauunterricht fördert. Man muß dann von den leichten Arbeiten zu den schweren übergehen, also beispielsweise mit den einfachsten Papparbeiten beginnen und mit Holzarbeit, unter Umständen auch mit leichter Metallarbeit aufhören. Handfertigkeitsunterricht kann an fast allen jüdischen Schulen auch in den Städten eingeführt werden. Selbst da, wo kein besonderer Raum als Werkstatt zur Verfügung steht, und wo die Mittel fehlen, um Hobelbänke zu kaufen, läßt sich Handfertigkeitsunterricht ertheilen, wenn man das Beispiel des preußischen Kreisschulinspektors Tr. Springa nachahmt. Dieser Herr, damals in Neurade in Schlesien, erkannte in dem Handfertigkcitsunterrichte, die dortige Bevölkerung von Kindheit an an eine lohnendere Beschäftigung zu gewöhnen, als die Handweberei es ist und dadurch zur Milderung der dort herrschenden sozialen Noth beizutragen. Dabei überwand er mit glücklichem Griff dis finanziellen Schwierigkeiten, die der Einführung der Hobelbankarbeit entgegenstehen. Er ließ Hobelbankplatten ansertigen, die auf die Tische der Schulbänke gelegt und durch Haken und Pflöcke an ihnen befestigt werden können. Wahrend der gewöhnlichen Lehrstunden stehen die Platten an den Wänden; nach denselben werden die Bänke anseinandergerllckt und die Platten aufgelegt und festgeschlagen. Da sie auf jeder Seite einen Arbeitsplatz besitzen, so treten je zwei Knaben mit ihren Werkzeugen an jede heran, und die Schülerwerkstatt iü eingerichtet. Ein Neubau war nicht nöthig, ein vollkommen ausreichender Raum steht zur Verfügung. Immerhin ist diese Vereinigung von Lehrzimmer und Schülerwerkstätte nur als ein Nothbehelf zu bezeichnen. Schwieriger gestaltet sich schon die Einführung des Gartenbauunterrichtes in den jüdischen Schulen der größeren Plätze, da hierzu ein wenn auch nur kleines Gartengrundstück erforderlich ist, dessen Kauf oder Pachtung in der Nähe der Schulen in den Städten