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Der Israelit · 1901-01-28 · Heft 8 (28.1.1901) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 8 (28.1.1901)
Date
1901-01-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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43, Jahrgang. jfö g. Der Israelit. «in Aentrat-Hrgan für das orlhodore IudentHum. Begründet von Br. fe^mann in Haiti}. Montag, den 2 8. Januar 5661 (1901). Leitender Artikel. Krchm Welm Km! i. Mfdilli sn. Mainz, 27. Januar. Jdh:k „Ach, Ihr tröstet mich vergebens: Es trauert die Zither in meinem Lande, schwer liegt auf mir das drückende Joch — wie könnte ich mich trösten? An diesem Tage hat sich mein Glück gewendet, mächtig war der Zorn Gottes, er nahm mir die Bundeslade weg, -wie könnte ich mich trösten?" Die gesammte Judenheit kann heute also mit dem Verfaffer des Trauersanges für den neunten Ab wehklagend ausrufen beim Vernehmen der Schmerzenskunde: Baron Willy ist nicht mehr! Wird ein bedeutender Talmid Chacham von dieser Erde hinweggenommen, so erschallet Klage und Weinen in ganz Israel. — Geht ein vornehmer, auch in nichtjüdischen höchsten Kreisen angesehener Mann von hinnen, der durch sein Leben zeigte, daß man nicht nur ein Fürst, sondern auch ein Fürst Gottes sein kann, ein Fürst des Glaubens, ein Fürst in der Heilighaltung des jüdischen Gesetzes, so erschallet Klage und Weinen in ganz Israel. — Scheidet ein Mann dahin, der seinen großen unermeßlichen Reichthum dazu verwendete, um Thora und Jirah in ausgiebigster Weise zu fördern, um den Baum unseres Lebens auf das Thatkräftigste zu stützen, durch besten Hochherzigkeit Tausende und Abertausende ihr ganzes Leben und ihre ganze Kraft dem Studium unserer heiligen Lehre widmen konnten, dann erschallet unendliches Wehklagen, dann herrscht tiefste Trauer in ganz Israel. Wie aber sollen wir erst weinen und wehklagen, wenn uns ein Mann verlassen hat, der diese drei höchsten Eigenschaften, zu denen ein Jude emporsteigen kann, in sich vereinigte? Wahrlich, da scheint die Trauer keine Grenzen zu kennen und in verzweiflungsvollem Schmerze möchten wir mit dem Dichter der Klagelieder ausrufen: „Ach, wie umwölkt der Herr in seinem Zorne die Tochter Zions!" „Er schleuderte vom Himmel hin zur Erde die Zierde Israels . . „Er hieb in seinem Grimme nieder die ganze Hoheit Israels . . „ES sanken in den Boden ihr König, ihre Fürsten . . ." Versuchen wir es, mit schmerzzerrissener Brust, ein kleines Bilo des reichen Lebens des theuren Dahingeschiedenen zu entwerfen, im voraus wissend, daß daS, was unsere schwache Feder darzustellen vermag, kaum ein Tropfen aus dem Meere des an so großen Thaten übervollen Lebens sein wird. Es war eine traurige Zeit für Israel, in der die Jugend des Baron Willy von Rothschild fiel, so traurig, daß heute sogar die Enkel derer, die diese schlimme Zeit mitheraufbeschwören halfen, sich ihrer zu schämen beginnen. Abfall vom jüdischen Gesetze überall, Verspottung, Verhöhnung, Verfolgung der noch wenigen Treuen. Das Judenthum, das einzig wahre, das wirkliche und echte, schien verloren, und mit zerrissenem Herzen sahen die wenigen, wie aus anderer Zeit herüberragenden Führer, wie Stein um Stein in'S Wanken gerieth, scheinbar den Sturz des alten, stolzen Gebäudes vorbereitend. Auch in Frankfurt waren die Zustände nicht besser, eher noch schlimmer, wie anderwärts. An die Spitze der alten frommen Kehillah traten „freisinnige" Männer, deren Freisinn darin bestand, alles Jüdische möglichst rasch zu vernichten. In der Philantropin wurde gelehrt, daß das Ritualgesetz nicht mehr bindend sei und die religiösen Institutionen gerieten in immer größeren Verfall. Die Frommen mußten sich in Privatsynagogen flüchten, der fortwährenden Verfolgung ihre „freisinnigen" Glaubensgenossen ausgesetzt. Die schlimmste Erscheinung jener Zeit war jedoch, daß die

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