Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 7 (24.1.1901)
- Date
- 1901-01-24
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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42, Jahrgang weite Anlage zu M 7 des „Israelit". ^Zeitrmgsnachrichten urrv Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 20. Jan. Der Borstand der „Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke und des Ackerbaues unter den Juden im preußischen Staate," gegründet 1812, batte zum 10. d. M. seine Zöglinge zu einem gemeinschaftlichen Mittagessen in Cafsel's Hotel eingeladen. Außer ihnen >oaren auch frühere Zöglinge, die nun Meister und Fabrikanten sind, die beiden Religionslehrer H. Hestel und Weber, soloie der Vorsitzende des Vereins „Barkochba," Dr. med. Katz erschienen. Vtit kernigen Worten begrüßte der erste Vorsitzende, Herr Leopold L e s s e r, der nun seit achtzehn Jahren dieses Amt bekleidet, die Anwesenden. In begeisterter, einen tiefen Gindruck machenden Ansprache ermahnte Herr Moritz R o s e n o w , der neue zweite Vorsitzende, die Zöglinge, sich mit allen Kräften beruflich vollkommen auszubilden, das Judenthum zu pflegen und ihm für alle Zeit treu zu bleiben. Tie Herren Loewenberg und Adler ermahnten die Zöglinge zum fleißigen Besuch der Fachschulen, zur Erhaltung der Gesundheit, zur Mäßigkeit und zu vernünftigem Lebenswandel. Herr B a r s ch a ck , ebenfalls ein neues Vorstandsmitglied, machte die freudig aufgenommene Mittheilung, daß von jetzt an alle Zöglinge in dem Turnverein „Barkochba" ausgenommen sind, wo allwöchentlich Turnübungen stattfinden werden. Die besondere Riege dieser Zöglinge solle zu Ehren des ältesten Vorstandsmitgliedes der Gesellschaft „Adler-Riege" genannt werden. An zwei Tischlieder heiteren Inhalts, die von den jugendlichen Knabenstimmen kräftig und klangvoll gesungen wurden, schloß sich die Zuertheilung der Prämie aus der Bodenstein - Fränkel - Stiftung. Dem prämiirtcn Buchbindergehilfen S. Lemky, welcher eine vierjährige Lehrzeit bei dem königl. Hofbuchbindermeister Herrn W. Collin kürzlich beendet hatte, wurden 300 Mark statutenmäßig zuerkannt und die darüber vorn Vorstand ausgefertigte Urkunde vorgelesen und überreicht. Die gesammte Tischgesellschaft hatte sich von ihren Sitzen erhoben; zwei Vorstandsmitglieder bestimmten ein Capital zu einer Stiftung, aus deffen Zinsen Werkzeuginstrumente für einen zu prämiirenden Zögling alljährlich anzuschaffen sind. Der Prämiirte und noch einige andere Zöglinge dankten dem Vorstand in fließender Rede. Frankfurt a.M., 20. Jan. Der geehrte Leser wird sich gewiß noch an den in diesen Blättern reproduzierten, von Herrn Rabbiner Dr. K o t t e k im „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" im vorigen Winter abgehaltenen ausgezeichneten Vortrag über „Johann Reuchlin" erinnern. Heute sind wir in der angenehmen Lage, über einen zweiten hier von Herrn Rabbiner Dr. Kottek aus Homburg v. d. H. im Verein ..Mcmiefiore" verflossenen Mittwoch, 10. Jan., vor einen; zahlreichen gewählten Publikum gehaltenen hochinteressanten Vortrag über „Jud Süß" zu berichten, der sich des reichen Beifalls seiner Zuhörer erfreute, und den er auch in hohem Maße verdiente. Es ist nich; unsere Absicht, diesen interessanten, lehrreichen Vorrrag des Herrn Rabbiners Dr. Kottek auch nur in; Auszüge wiederzugeben, da mir hoffen, daß derselbe diesen Vortrag dem großen Leserkreis des „Jsr." nicht vorenthalten, und diesem daher Gelegenheit geben wird, von dem Inhalt desselben Kenntniß zu nehmen. Hervorheben wollen wir nur, daß Herr Rabbiner Dr. Kottek in seinem höchst anregenden, von seinen Zuhörern n;it größter Spannung verfolgten Vortrage ein wahrheitsgetreues Bild des so arg verläumdeten und viel verlästerten Süß Oppenheimer, des Hofagenten und Günstlings des Herzogs Carl Alexander von Württemberg, entworfen, der Zeit seines Lebens ein treuer Diener des Herzogs gewesen, dem er aus allen seinen Geldnötben geholfen und mit seinem klugen Rath beigestanden, der aber später nach dem plötzlichen Tode seines Gönners, des Herzogs Carl Alexander, als sein grimmigster Feind, Herzog Carl Rudolf von Württemberg-Neustadt, zur Regierung gelangte, ein so schlechtes und trauriges Ende genommen. Herr Dr. Kottek zeigte an der Hand der Geschichte, daß wenn auch Süß Oüppenheimer von vielen gegen ihn erhobenen Anschuldigungen nicht freizusprechen sei, so sei in ihm doch „nur der Jude Süß Oppenheimer angefeindet worden" und sind ihm die Sünden und Verbrechen Anderer aufgebürdet worden, sonst würden nicht die Gräveniz, Scheffer und Hellwachs, die ebenso wie er die Berather des Herzogs Carl Alexander gewesen, der Strafe entgangen sein. Bei allen Sünden und Vergehen, die Süß Oppenheimer gegen seinen jüdischen Glauben und das Religionsgesetz begangen, waren doch alle Bemühungen seines Gönners, des Herzogs, vergeblich gewesen, ihn seinem Glauben abwendig zu machen; ebenso widerstand er allen Bestechungsversuchen des Geistlichen standhaft, als er bereits auf dem Schaffot stand, sein Leben durch die Taufe zu retten. Seine letzten Worte waren: „Der Ewige unser Gott, der Ewige ist einzig" und schied mit dem Worte „Echod" aus dem Leben. Rauschender Beifall lohnte den Redner für seinen einstündigen hochintereffanten Vortrag, welchem auch der Vorsitzende des Vereins Ausdruck verlieh, indem er