Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 7 (24.1.1901)
- Date
- 1901-01-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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42« Jahrgang. Krke Aeikage zu M 7 des „Israelit". Leitend«» Artikel Tn Mchlisms W»> ZtriiilWiikt i>cs jiiilislhtii ZchliMms. Von Nabb Heinrich Galandainr, Soborten (Böhmen) (Fortsetzung aus Nr. 104 v. I.) Wir haben bisher die Nützlichkeit des Alkohols zu erörtern versucht, welche vom Standpunkte von Bibel und Talmud hauptsächlich beim Weine in Betracht kommt, während von anderen alkoholischen Getränken in Bezug auf deren Zuträglichkeit, fast gar nicht im jüdischen Schriftthum die Rede ist, weil deren wohlthuende Wirkung nicht einmal bei mäßigem Genüsse desselben anerkannt wird. Des Weiteren wollen wir nun die Schädlichkeit und die verderblichen Folgen des Alkoholgenuffes auseinandersetzen, wenn dieser in Unmäßigkeit ausartet. Aber auch in Bezug hierauf kommt in Bibel und Talmud hauptsächlich der Wein in Betracht, denn, wenn selbst der Wein, trotz seines unbestrittenen Nährwerthes, seiner vielseitigen Nützlichkeit und anerkannten wohlthuenden Wirkung, übermäßig genosten, die traurigsten Folgen in Begleitung hat, so ist dies selbstverständlich bei Getränken, welche mehr Alkoholgehalt als der Wein haben und folglich noch viel schädlicher als dieser wirken, der Fall. Mit kurzen Worten: Nach unserer Lehre wird nur dem Weine ein wirklicher Nährwerth bei mäßigem Genuste zugeschrieben, während anderen alkoholhaltigen Getränken, selbst mäßig genosten, fast jeder Werth abgeht. Deßhalb findet sich in unserm Schriftthum fast gar nichts über die Nützlichkeit oder Schädlichkeit anderer geistiger Getränke, als die des Weines, obwohl Bibel und Talmud auch andere Getränke bekannt waren, wie z. B. Bier, Meth und solche, die aus Weingeist bereitet wurden u. A. ♦nanai pu- ’c ,pnyp ’d ,12P mPa Der übermäßige Genuß von Alkohol birgt ein furchtbares Gift in sich, weil er bald zur Sucht, zur Leidenschaft ausartet, die den Trinker mit unwiderstehlicher Gewalt beherrscht und deren zerstörenden Macht schwer zu entrinnen ist. Denn es heißt vom Weine nx -[Piep 3*»n : „er zieht das Herz nach sich." Je mehr man ihn trinkt, umsomehr verlangt man nach ihm und dieses Verlangen findet keine Befriedigung; man wird von der Trunksucht ersaßt, die einem nicht wieder losläßt und verfällt schließlich dem Verderben. Wehe dem, der sich dem Trünke ergibt, wehe seinen Angehörigen, er bereitet sich und seiner Umgebung die Hölle auf Erden! „Es hat nicht wohlgetrunken, wer sich übertrinket; Wie ziemt's dem biedern Manne, daß ihm die Zunge sinket Vom Wein? Ich wähne, daß in Sünd und Schande der versinket." Walther von der Vogelweide. Darum lehrt eine weise, alte Regel: Gewöhne deinen Sohn zur Enthaltsamkeit und nicht zur Ueppigkeit durch Wein- und Fleischgenuß. (Chulin 84.) xSx ,pi ipuu i» nx an« na*?’ xSp px yn min mcS .(tb pSin) a^p nuueu Schon in der Schöpfungsgeschichte der Bibel wird auf den verderblichen Einfluß des Weines hingewiesen: Unser Altvater Adam, Io wird uns im Talmud erzählt, führte im Paradiese ein gar herrliches Dasein. Wie ein König auf dem Throne, so saß er da und ließ sich von seinen Hofdienern, den lieben Engelein, bedienen, die ihm köstlichen Braten Und edle Weine auftischten (so eine Art Schlaraffenleben); dies sah die böse Schlange und neidete ihm die große Ehre und das Wohlleben und sann auf Verderben. (Sanhedrin 69b.) iP2 iS pSia mpn 'vxSa rm rrn py p acns inx pTinJD) 12 XJpflJl 1T22 NX11 pm 12 s"L11 p iS pJJJtBl (2“y t2"2 P|-| Und von Rabbi Meier wird auch die ernstliche Behauptung aufgestellt, der Baum, der zum ersten Sündenfall führte und unendliches Elend über die Welt brachte, war der „Weinstock," denn nichts verursacht so viel Jammer, als der Wein (Sanhedrin 69). p i*mx uea Saxp fS'x wx iaix txb "i .(b*d pvnJD) P' xSx cSiyS r»SS’ X'2ap 12-1 -S pxp rni Die biblische Erzählung vom ersten Weinbau durch Noa und die Lehre, die diese enthält, ist bekannt. Der Midrasch erzählt hiervon folgendes anmuthende und lehrreiche Geschichtchen: Als Noa seinen Weinberg pflanzte, gesellte sich zu ihm der Satan. Neugierig, wie dieser schon ist, frug er: „Was machst Du da?" „Einen Weinberg pflanze ich," sagte Noa. Hierauf der Satan: „Was ist der Zweck desselben?" „Er trägt siiße Früchte, aus welchen Wein bereitet wird, der das Menschenberz erfreut." Satan beschloß, in Compagnie mit Noa zu treten und schleppte herbei ein Lamm, das er schlachtete; dann brachte er einen Löwen, dann ein Schwein und zuletzt einen Affen, mit denen er das Gleiche that und ließ das Blut auf den Weinberg fließen; dann gab er dem Noa davon zu trinken. Er wollte nämlich damit andeuten: Bevor der Mensch Wein trinkt, ist er sanft wie ein Lamm, trinkt er mäßig, wird er kühn wie ein Löwe, trinkt er aber übermäßig, gleicht er dem Schwein und dem Affen. (Tanchunah zu Noah.)